Wintersport: Bad Freienwalder zum Trainer des Jahres gewählt

Vor dem ersten Sprung in Bad Freienwalde: Trainer Stefan Wiedemann mit Luca und Lu (links), die aufmerksam zuhören, was der Trainer seinen Schützlingen mit auf den Weg gibt.
Edgar Nemschok„Das war ein großer Tag für mich. Noch größer war aber die Überraschung im Vorfeld. Ich erhielt per E–Mail die Einladung nach Laupheim.“ Dotiert war die Ehrung mit 5000 Euro. „Bevor wir weiterreden, muss ich aber noch zwei Mädchen aus meiner Trainingsgruppe mal schnell zum Bahnhof fahren“, sagt Wiedmann. Auch darum kümmert sich der Trainer und deshalb mögen ihn nicht nur die Sportler, sondern auch Eltern, die gern einmal beim Training zuschauen. „Er hat eine sehr angenehme und ruhige Art, diesen schwierigen Sport den Kindern zu vermitteln“, bestätigt Susanne Holz, Mutter der 15–jährigen Alvina, die bereits seit einiger Zeit mit dabei ist.
Einen Moment später bestätigt sich das erneut, als er nämlich der sechsjährigen Lu und dem gleichaltrigen Luca behilflich ist. Beide absolvieren in dieser Trainingseinheit ihren tatsächlich ersten Sprung. „Ganz ehrlich, da geht auch mir das Herz auf. Vor allem, wenn die Kleinen sofort sagen: Kann ich gleich noch mal?“
Manchmal auf die Bremse treten
Wiedemann muss gerade in dieser Altersgruppe manchmal als Bremser auftreten. „Sie wollen gleich mehr und am besten auf die nächstgrößere Schanze.“ Und so geht er sehr behutsam mit den Talenten um. In Bad Freienwalde stehen jeweils eine 10–, 20–, 40– und 60–Meter–Schanze zur Verfügung. „Es macht aber wenig Sinn, denn nicht allein die Weite ist entscheiden. Es geht insbesondere um die Technik.“ Einer aus seiner Trainingsgruppe macht gerade einen großen Satz auf der „Helmut–Recknagel–Schanze“. Unten angekommen hört man ihn schimpfen. „Das ist ein typisches Beispiel. Er hat einen eigenen Rekord von 64 Metern. Springt er aber nur 60 Meter, ist er sofort enttäuscht und stellt alles infrage. Zu unserem Sport gehört eine Menge Geduld. Man kann sich nur sehr langsam verbessern.“
Wie kommt man in Bad Ferienwalde eigentlich zum Wintersport? „Ich hab mich schon immer dafür interessiert“, sagt Wiedemann. „Die Bauarbeiten an den Schanzen habe ich stets verfolgt. Wenn ich nicht schon zu alt gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich auch eine große Karriere machen können. Angefangen habe ich mit elf.“ Aber warum Skispringen? „Es ist ein Sport, den nicht viele, im Vergleich zum Fußball oder Handball, betreiben. Klar, ist der Moment des Springens und des Fliegens nur sehr kurz. Aber wenn man in der Luft ist und die Erdoberfläche für einige Augenblicke verlassen kann ...“, schwärmt der Vater einer kleinen Tochter.
Skispringer halten zusammen
Wiedemann sagt auch, dass das Verhältnis unter den Skispringern kaum mit anderen Sportarten zu vergleichen ist. Er kennt die ganz Großen des Sports und sagt, Sven Hannawald, Martin Schmitt oder der Nordische Kombinierer Ronny Ackermann seien alle „richtig nette Typen. Wir fahren vom 21. bis 24. November wieder zu einer Weltcup–Veranstaltung. Es geht nach Wisla. Und wenn man dann sieht, dass selbst bei den Vorspringen nahezu alle Stars mit dabei und die Daumen drücken — das gibt es in kaum einer anderen Sportart.“
Wiedemann hat derzeit eine Trainer B–Lizenz. Er studierte Sportmanagement und will auch eine A–Lizenz. Ein Wunsch wäre natürlich, dass irgendwann einmal eines seiner Talente „in die Weltspitze vorspringen kann“. Max Unglaube und Moritz Terei seien schon zwei, die auf einem guten Weg seien.
Gibt es eigentlich noch einen Wunsch in Bad Freienwalde? „Wir haben schon richtig gute Bedingungen“, sagt Wiedemann. „Doch es gibt tatsächlich noch einen Wunsch. Die Planungen für den Bau eines Lifts haben schon begonnen. Der Weg auf den Schanzenturm ist doch sehr weit.“
Und natürlich suche er für seine Gruppe Interessierte: „Schaut einfach vorbei, wenn ihr fünf Jahre oder älter seid. Auch Mädchen sind willkommen.“
Weitere Informationen gibt es unter der Telefonnummer 0173 7507410.