Zweite Karriere: Von Eisenwaren zum Schmuck in Bad Freienwalde

Verkäuferin mit Leib und Seele: Michaela Huwe im Uhren- und Schmuckladen in der Bad Freienwalder Königstraße.
Anett ZimmermannVerkäuferin — das wollte sie werden und das habe für sie schon früh festgestanden, erzählt Michaela Huwe. Es habe nur eine Einschränkung gegeben. „Keine Lebensmittel.“ Aber was dann? „Ich bin gelernte Verkäuferin für Industriewaren“, verrät sie. Ihre zweijährige Ausbildung habe sie 1987 beim Konsum in Eberswalde begonnen. Ihr Lehrbetrieb: eine Eisenwarenhandlung.
Eisenwarenhandlung — nicht nur das Wort ist längst aus der Mode gekommen, solche Läden mit Regalen und Schüben meist bis unter die Decke, in denen es stets ölig roch und wo es auch immer etwas schmutzig war, gibt es heute so gut wie nicht mehr. Aber Schrauben, Nägel, natürlich einzeln abgezählt, Bohrmaschinen und andere elektrische Geräte, Öfen und Rohre, Elektroherde — davon war Michaela Huwe einst gern umgeben.
Mit vier Brüdern aufgewachsen
„Ich bin mit vier Brüdern aufgewachsen, ich kam mit Männern klar“, blickt die heute 49–Jährige zurück. „Natürlich hatte ich meine Freundinnen, bin auch in die Disko gegangen, aber das Püppchen war ich nicht, zumindest nicht im Beruf.“ In ihrem Traumberuf. Damals jedenfalls und zu DDR–Zeiten sei ja ohnehin alles noch ein bisschen anders gewesen, waren Frauen in technischen Bereichen nicht nur gern gesehen, sondern wurden dort auch gebraucht.
In der Ausbildungsklasse von HO, Handelsorganisation und größte Einzelhandelskette der DDR, und Konsum hätten 25 Mädchen gesessen, kein einziger Junge. Ohnehin habe sie Glück gehabt, eine der beiden Lehrstellen in der Eisenwarenhandlung in dem Jahr zu ergattern. „Der Betrieb hatte eine ganze Weile schon nicht mehr ausgebildet.“
Doch Anfang 1992 kam dann erst einmal die Ernüchterung. „Ich wurde entlassen“, berichtet Michaela Huwe. Im Arbeitsamt habe sie zu hören bekommen: „Das wird schwer.“
Viel Zeit zum Nachdenken sei ihr allerdings nicht geblieben. „Ich hörte, dass Karin Kannewurf eine Verkäuferin für ihr Geschäft in Bad Freienwalde sucht.“ Uhren und Schmuck sind seither das Metier von Michaela Huwe. Dabei habe es am ersten Tag noch Tränen gegeben. „Ich sollte Schmuck reinigen, aber das Feine und Filigrane war nicht mein Ding. Vielleicht hatte ich auch Angst, dass etwas kaputtgeht. Auf dem Nachhauseweg war ich jedenfalls fix und fertig.“
Es sei das ganze Gegenteil von dem gewesen, was sie bis dahin kannte und liebte. „Wir verkauften ja auch Motoren und Gasflaschen, alles außer Kohlen, haben wir immer gesagt.“ Doch bereits nach einer Woche bei Familie Kannewurf seien die Tränen und die Enttäuschung vom Beginn vergessen gewesen. „Das Umfeld hat ja gestimmt, ich habe mich wohlgefühlt.“ Und daran habe sich bis heute, also 27 Jahre später, nichts geändert.
Schöne Kontakte zu Kunden
So lange arbeitet Michaela Huwe inzwischen auch in der Bad Freienwalder Innenstadt. Seit 1999 befindet sich das Geschäft in der Königstraße. Bei Kannewurfs sei sie ein Schmuckmensch geworden. „Zu DDR–Zeiten war das mit Schmuck ja auch nicht ganz einfach“, gibt Michaela Huwe aber zu bedenken. Im Laden sei das Tragen von Schmuck natürlich erwünscht. An diesem Tag ist es eine von Juniorchefin und Goldschmiedemeisterin Antje Kannewurf individuell angefertigte Perlenkette. Anlass sei die eigene Silberhochzeit gewesen. Das Teilhaben am Leben anderer macht für Michaela Huwe mit den Reiz ihrer Arbeit aus. „Viele Kunden kenne ich von Kindheit an. Kamen sie einst an der Hand ihrer Mutter, so ist es wirklich schön, wenn sie heute zum Beispiel Trauringe oder Schmuck für die eigenen Kinder kaufen.“