Advent: Der Weihnachtsmann ist mit echtem Bart unterwegs

Peter Leiske ist mit echtem Bart als Weihnachtsmann unterwegs. Wenn Weihnachten vorbei ist, schneidet Peter Leiske seinen Rauschebart wieder ab. Erst in einem halben Jahr lässt er ihn wieder wachsen für das nächste Weihnachten.
Ruth BuderSeit fünf Jahren ist Peter Leiske Weihnachtsmann auf Bestellung. „Damals hatte mich ein Bekannter gefragt. Ich sagte nee, nee, aber der ließ sich nicht abwimmeln. Mensch, Du mit Deinem echten Bart. Willst Du nicht? Ick koof dir och een Kostüm!“ Seitdem bringt der 59-Jährige den Kindern um die Weihnachtszeit und auch am Heiligen Abend Geschenke. „Am 24. Dezember habe ich 17 Termine, von halb zwei bis halb acht abends.“
Held auf Zeit
Als für den selbstständigen Unternehmer „Rund ums Haus“ feststand, er wird Weihnachtsmann auf Zeit, recherchierte er erst mal zu dessen Geschichte. „Ich musste doch wissen, dass ich nicht nur aus dem tiefen Wald komme, sondern vom Heiligen Nikolaus abstamme.“ Alle anderen Eigenschaften, die ein Weihnachtsmann besitzen muss, liegen in seiner Natur. „Wenn ich sehe, die Kinder sind noch klein, mache ich mich auch ganz klein. Ich verstecke natürlich die Rute hinter meinem Rücken und spreche ganz leise und lieb zu ihnen“, erzählt er. Die Rute führe er zwar immer mit, aber „sie ist nur Show, ich treffe ja nur liebe Kinder“.
Wenn es nötig ist, ist der gute Alte ganz Respektsperson. Auch gegenüber den Großen. „Manche Eltern denken ja, wenn sie viel schenken, sind sie besonders gut. Sieben Geschenke für Vivien, acht Geschenke für Chantalle, das geht bei mir nicht. Ein Geschenk für jeden, auch für Oma und Opa, das ist meine Bedingung.“ Bei mehreren Geschenkesäcken in Familien würde die Bescherung viel zu lange dauern, außerdem mag der Weihnachtsmann es gar nicht, wenn die Kinder so überfüttert werden. „Und alle müssen ein Gedicht aufsagen oder was singen, auch Oma und Opa. Da muss ich immer wieder staunen, was die Alten noch können.“
Anfassen ist erlaubt
Wenn Peter Leiske sich auf die Socken zur Bescherung macht, dann hat er kein Konzept im Kopf. „Ich stelle mich immer auf die Situation ein.“ Einmal sei ein Junge, der etwas aufmüpfig war und schon nicht mehr an den Weihnachtsmann geglaubt habe, so erschrocken über dessen Echtheit gewesen, dass er keinen Ton mehr heraus brachte. „Ich habe meine Hand auf seine Schulter gelegt und ihn dann gefragt, was wir gemeinsam singen möchten. Er meinte dann schüchtern ‚Atemlos‘ von Helene Fischer. Also haben wir ‚Atemlos‘ gesungen.“ Besonders berührend waren für Peter Leiske die Besuche im Buddhistischen Zentrum in Bad Saarow, wo schwerkranke Menschen leben. „Manche haben beim Anblick des Weihnachtsmannes geweint.“
Oft zupfen die Kinder an seinem langen, inzwischen grauen Bart, um zu sehen, ob er tatsächlich echt ist. „Na klar, das dürfen sie.“ Damit der Rauschebart zu Weihnachten eine stattliche Länge von zehn bis 15 Zentimetern hat, lässt Peter Leiske ihn seit Mai wachsen. „So ein langer Bart ist auch ein bisschen lästig“, gibt er zu. Immerhin sprießen die Haare aus dem Gesicht bis hinunter zum Hals und auf die Brust. „Ich muss ständig aufpassen, dass der Bart nicht im Kaffee oder Pudding hängt. Oder wenn ich was suche, muss ich ihn zur Seite biegen.“
Pflege ist wichtig, sagt Peter Leiske. Täglich bürstet er seinen Bart, damit er nicht verfilzt. Regelmäßig wäscht er ihn mit Shampoo und lässt ihn an der Luft trocknen. Und obwohl der Bart auch mal lästig ist, er ist Peter Leiskes Markenzeichen seit seiner Jugend. Nach der Armee (Bärte waren da nicht erlaubt) hat er ihn wachsen lassen. „Meine Frau kennt mich fast nur mit. Nur bei der Hochzeit habe ich ihn abgenommen. Ich fand, das passt nicht zu dem Anzug. Aber danach waren die Rasierklingen wieder stumpf ....“
Wenn Weihnachten vorbei ist, schneidet Peter Leiske seinen Rauschebart wieder ab. Erst in einem halben Jahr lässt er ihn wieder wachsen für das nächste Weihnachten. Denn auf die Freude über die leuchtenden Augen der Kinder möchte er nicht mehr verzichten.
Vier Fragen an Peter Leiske, den Weihnachtsmann
Möchten Sie noch mal 17 sein?Nein, 17 nicht, da ist man noch ganz schön grün. Aber 22 und mit den Erfahrungen von heute.
Wer hat Sie in Ihrer Erziehung am meisten beeinflusst?Meine fast 80 Jahre alte Mutter Annemarie war schon eine Respektsperson, hat gesagt, was ich tun und lassen soll. Aber im Grunde habe ich mich nach bestem Wissen und Gewissen selbst erzogen.
Würden Sie noch mal woanders hinziehen?Wenn meine Frau und ich Rentner sind, ziehen wir ganz von Fürstenwalde in unser Haus nach Trebitz – weil wir kein Vogelgezwitscher und kein Kindergeschrei ertragen können (lacht).
Noch wohnen Sie in Fürstenwalde, was wollten Sie dem Bürgermeister schon immer mal sagen?Ich hab nichts zu sagen, aus Politik halt ich mich raus. Die machen doch eh immer, was sie wollen.