Ärztemangel
: Die Arbeitstage dauern oft bis 23 Uhr

Weil sie keinen Nachfolger fand, wird die Praxis von Dr. Dorothee Koch in Storkow geschlossen.
Von
Bernhard Schwiete
Storkow
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Tränendes Auge: Dr. Dorothee Koch sieht in dem Bild des Malers Werner Voigt aus Wendisch Rietz, das in ihrer Praxis in Storkow hängt, zu ihrem bevorstehenden Abschied viel Symbolik. „Das Bild hat mich über all die Jahre begleitet“, sagt die Augenärztin.

Bernhard Schwiete

Zwei Monate hält sie noch durch, bis sie am 21. März die Tür ihrer Praxis in der zweiten Etage im Ärztehaus in der Rudolf–Breitscheid–Straße in Storkow für immer abschließt. Doch die Auswirkungen des Endes sind bereits jetzt zu spüren: Kontrolltermine werden nicht mehr vergeben. „Es ist schon alles voll“, erläutert Dr. Dorothee Koch.

Ihre Arbeitstage dauern zurzeit oft bis 23 Uhr. „So lange sitze ich abends noch in der Praxis, um Abrechnungen und all den anderen Bürokram zu erledigen“, sagt sie. Schon ein Vierteljahr lang ist sie Einzelkämpferin, seit ihre einzige Angestellte ausfällt. Für die begrenzte Zeit bis zur Praxisschließung finde sie keine Vertretung. Vormittags hilft ihr eine Rentnerin, nachmittags ist sie dann alleine und muss nicht nur die Untersuchungen, sondern auch den Empfang erledigen. „Zwei Aufgaben auf einmal sind nicht zu schaffen. Das geht an die Substanz“, sagt Dr. Dorothee Koch.

Eigentlich wollte sie erst im Sommer aufhören. Das stand schon ganz lange fest. „Vor zehn Jahren habe ich mich mit meiner Angestellten zusammengesetzt. Schon damals haben wir beschlossen, dass wir 2019 gemeinsam aufhören. Sie ist jetzt 65“, sagt die Ärztin. Die personelle Ausnahmesituation hat sie nun dazu bewogen, ihren Abschied vorzuziehen. „Es geht einfach nicht mehr“, sagt sie. Ihre Augen werden feucht. „Was jetzt passiert, ist nicht das, was ich wollte. Es fällt mir nicht leicht, denn ich lasse die Storkower im Stich.“

Auch das war ganz anders geplant. Vor drei Jahren, erzählt Dr. Dorothee Koch, habe sie mit der Suche nach einem Nachfolger für die Praxis in Storkow begonnen. Nur drei Interessenten hätten sich gemeldet, und alle seien wieder abgesprungen. Ein Mann wollte auch Operationen ausführen. Das ist in den Räumen in Storkow aber nicht möglich. Zwei Frauen hätten abgesagt, weil sie letztlich den Schritt in die Selbstständigkeit gescheut hätten.

Nun übernimmt zum 1. April Thomas Maruniak die Praxis und auch die Patienten — aber nicht in Storkow. Der Betreiber des Augenzentrums Schöneiche gliedert sie seiner Praxis in Fürstenwalde im Ärztehaus in der Karl–Liebknecht–Straße an. Dr. Dorothee Koch wird dort einmal pro Woche mitarbeiten. „Lieber hätte ich einen Nachfolger für Storkow gehabt. Ich habe lange gewartet, aber irgendwann musste ich mich entscheiden“, sagt sie.

Nach den offiziellen Zahlen bleibt die Region in der Fachrichtung damit weiter gut aufgestellt. 16 Augenärzte gebe es im Planungsbereich Oder–Spree/Frankfurt, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Christian Wehry. Das entspreche einem Versorgungsgrad von 125 Prozent, neue Niederlassungen seien damit gar nicht möglich. „Die Zahlen klingen erstmal gut“, sagt Wehry. Er wisse aber auch, dass es bei akuten Problemen dennoch oft schwierig sei, kurzfristig einen Termin zu bekommen. Was auf der Augenärzte–Landkarte künftig fehlen wird, ist der Standort Storkow.