Apotheken: Personalmangel zwingt zum Umzug

Alles unter einem Dach: Cornelia Kopca hat in der Apotheke an der Stadtmauer zwei Standorte vereint. Auf diese Weise möchte die Inhaberin knappe Ressourcen schonen, und zwar ohne Qualitätsabstriche für Patienten und Kunden.
Jörn TornowDie Neue Apotheke ist umgezogen. Viele Jahre war sie in der Berliner Straße 20 zu finden, zuletzt gut neun Jahre unter der Leitung von Cornelia Kopca. Umgezogen ist die Apotheke in die Breite Straße. Dort betreibt Cornelia Kopca seit 20 Jahren die Apotheke an der Stadtmauer. Sie hofft, dass ihre Patienten und Kunden der Neuen Apotheke ihr zu diesem Standort folgen.
Warum sagt Cornelia Kopca nicht einfach, dass sie die Neue Apotheke geschlossen hat? So ist es doch. „Nein, so einfach ist das nicht“, betont sie. Lange habe sie mit der Entscheidung gerungen, alle möglichen Varianten durchgespielt, wie man beide Standorte erhalten könne, welcher besser funktioniere. Am Ende sei der Umzug geblieben und die Übernahme der längeren Öffnungszeiten der neuen Apotheke. Ein Umzug sei es, weil alle Fachkräfte, Pharmazieingenieure und die Pharmazeutisch–kaufmännischen Angestellten und Pharmazeutisch–technischen Assistenten am neuen Standort weiterarbeiten. „Jeder behält also die ihm vertrauten Ansprechpartner“, sagt Cornelia Kopca. Sogar die Schichten habe man so eingeteilt.
Zu oft Doppelschichten
Die Personalsituation, so Cornelia Kopca, habe den Anstoß zur Veränderung gegeben. Es sei sehr schwer, Fachpersonal zu finden, so die Apothekinhaberin. Ohne Fachpersonal sei aber nichts zu machen. Ein Apotheker oder ein Pharmazieingenieur muss vor Ort sein, wenn Medikamente ausgegeben werden. Für sie habe das oft bedeutet, dass sie in einer Apotheke Frühdienst gemacht habe, im anderen Haus die Schicht am Nachmittag. „Auf Dauer steht man das nicht durch.“
Einen Apotheker anzustellen habe sich auch als sehr schwierig erwiesen. Zweimal habe sie es mit Fachkollegen aus Polen versucht. Das sei zunächst ein großer Aufwand gewesen. Eineinhalb Jahre dauere es, bis ein in Polen ausgebildeter Fachmann seine Abschlüsse in Deutschland anerkannt bekommt. Intensive Deutschkurse müsse er in diesem Zeitraum erfolgreich absolvieren. Das habe in beiden Fällen auch geklappt. Zuletzt sei es aber so gewesen, dass der Apotheker dann doch nicht die ganze Woche von seiner Familie getrennt leben wollte und wieder in seine Heimat zurückgegangen ist, obwohl die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland natürlich besser seien.
Cornelia Kopca hofft, dass ihre Patienten und Kunden ihr weiter die Treue halten. Bislang habe sie viel Verständnis für die Entscheidung erhalten. Mit der „Bündelung der Kräfte“ könne sie jedem Patienten die Beratung bieten, die er verdiene und benötige. Dennoch mahnt die Apothekerin. Es sei nicht gut, dass in Brandenburg kein Pharmaziestudium möglich sei. Bei den Apotheken bahne sich eine Notsituation wie bei Hausärzten an, wenn das Land nicht reagiere. Die letzten zu DDR–Zeiten ausgebildeten Pharmazieingenieure würden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Dann werde es sehr knapp. Neben den normalen Öffnungszeiten würden die Apotheken im Ort ja auch noch Not– und Wochenenddienste anbieten. Und dies könnten Versandapotheken ebensowenig übernehmen wie die individuelle Beratung.
