Arbeitswelt: Austausch über neue Arbeitsform

Pionier: Ansgar Oberholz für Coworking-Spaces in ländlichen Regionen.
Jörg Kühl„Hochinteressant. Das kann auch für Beeskow etwas sein.“ Bürgermeister Frank Steffen hält Coworking nicht nur für vorstellbar, sondern für eine der Arbeitsformen der Zukunft. Diese Arbeits-Organisation könne, eine zeitgemäße Datenleitung vorausgesetzt, überall angewandt werden, also auch auf dem Lande, war eine zentrale Aussage des Werkstattgesprächs in Beeskow. Ansgar Oberholz stellte Beispiele von Coworking-Spaces vor, die sich abseits von Metropolen etabliert haben.
Oberholz gehört zu den Pionieren des neuen Arbeitsmodells, das in den USA populär geworden ist. 2005 gründete er das mit WLAN und elektrischen Anschlussbuchsen gespickte Café St. Oberholz am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Dieses ist Anlaufpunkt für viele erfolgreiche Startups gewesen. Als ein in der Region umgesetztes Beispiel wurde das „Blok O“ präsentiert. In einem ehemaligen Kaufhaus für Kindersachen in Frankfurt (Oder) entstand ein Coworking-Space in Gestalt einer Filiale der Sparda-Bank. Dort kann man mit dem Bankberater Bankgeschäfte erledigen, oder sich mit seinem Laptop niederlassen und arbeiten, ganz ohne Bankerledigung. Selbst Konferenzen mit Kollegen können abgehalten werden. Alles, was ein modernes Büro benötigt, ist in Coworking-Spaces, wie dem „Blok O" vorhanden: Schnelle Datenleitungen, Internet, Telefon, Drucker, Beamer, und so weiter.
Coworking, was auf deutsch so viel bedeutet, wie „gemeinsam arbeiten“ ist in der Arbeitswelt ein neuer Ansatz, der insbesondere für jene Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Einzelkämpfer Sinn ergibt, die sich kein großes Büro leisten können. oder die statt alleine, lieber in Gesellschaft arbeiten wollen. Die Arbeitsumgebung eines Coworking-Space kann gegen Entgelt individuell genutzt werden – egal, ob nur für eine Stunde oder über eine monatliche Mitgliedschaft. Gleichzeitig profitieren die Nutzer von der Gemeinschaft durch branchenübergreifende Perspektivwechsel oder Impulse. Vor allem letzteres betonte Antonia Pokehn, bei der Sparda-Bank zuständig für „unkonventionelle Geschäftsmodelle“ die das Blok O gemeinsam mit Oberholz entwickelt hat. Das Knüpfen von Kontakten, modern „Networking“, sei in einem Coworking-Space besonders leicht möglich.
Bürgermeister Steffen könnte sich Coworking-Spaces an verschiedenen Stellen in der Stadt vorstellen: Am Bahnhof (wegen der guten Anbindung an Frankfurt und Berliner Rand), in der Bibliothek (dort befindet sich mit dem Bibka bereits ein geeigneter Raum) oder auch in einem attraktiv innerstädtisch gelegenen Ladengeschäft (so ließe sich Leerstand eingrenzen). Auch für Storkow sei Coworking eine Option, meint Andreas Gordalla, zuständig für Stadtmarketing. Es gebe rings um den Markt geeignete Immobilien. Er möchte jedoch Gesprächen mit privaten Eigentümern nicht vorgreifen.
Noch sei es nicht soweit, dass die Berliner Gründer leerstehende Gebäude in brandenburgischen Kommunen stürmen, gibt Oberholz zu. Berlin sei immer noch ein Schwerpunkt, wo Startups Gleichgesinnte finden. Auch spiele eine gute Verkehrsanbindung eine große Rolle, ob digitale Freiberufler zum Arbeiten "ins Grüne“ fahren. Oliver Kühne von der Stabsstelle „Ländliche Entwicklung“ in Oder-Spree hält die Bahnlinie RE1 für eine solche attraktive Anbindung. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Kommunen, die an der Bahnlinie liegen, in naher Zukunft Coworking-Spaces entwickeln.
Annekathrin Kuß von der IHK Ostbrandenburg regte an, die Gasthöfe in den Dörfern und Landstädten zu kleinen Coworking-Spaces umfunktionieren. Zusätzlich könnten diese auch Servicefunktionen, etwa Paket-Annahme oder ähnliches erfüllen.