Artenschutz: Den Störchen das Heim bereitet
Rose-Marie Kroll aus Herzberg wurde Freitagmorgen mit eifrigem Geklapper des Storches begrüßt. Ihr Nachbar meinte, er sei Donnerstagnachmittag schon angekommen und habe das Nest am Feuerlöschteich bezogen. Im vergangenen Jahr hatte das Storchenpaar drei Junge. Zwei davon wurden aus dem Nest gestoßen. Das dritte war verletzt, erzählt die Herzbergerin.
Der Herzberger Adebar ist ein Frühankömmling. Nach Ansicht des Artenschutzbeauftragten des Kreises Oder-Spree, Lutz Ittermann, sind die Störche normalerweise frühestens ab den letzten Märztagen zu erwarten. Doch es gebe Exemplare, die in Südeuropa überwintern und vom Westen, aus Spanien und Südfrankreich einfliegen. Die haben also die kürzere Anreise und sind entsprechend früher da. Die Mehrheit der Störche würden allerdings die lange Flugroute wählen und von Westafrika über den Bosporus nach Brandenburg einfliegen, also von südöstlichen Richtungen. In Trebitz haben Dorfbewohner mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen Feuerwehr am Wochenende eine neue Nisthilfe aufgebaut. und zwar an der Stelle eines alten Storchenmastes, der komplett marode war und zuvor abgebaut werden musste.
Die Unterlage der Nisthilfe, ein ausgedientes Rad einer Feldbewässerungsanlage samt Halterungen und ein Korb, den der Korbmacher Werner Lange aus Fünfeichen angefertigt hat, stellt die NABU-Ortsgruppe Beeskow zur Verfügung. Die Teile waren in einem Schuppen der Unteren Naturschutzbehörde in Beeskow aufbewahrt. Dort hat sie Lutz Ittermann den Trebitzern ausgehändigt. Förster Peter Wöhl, der in Trebitz lebt, dankt stellvertretend für seine Mitbewohner dem Mitarbeiter der Naturschutzbehörde für dessen „kreisübergreifende Hilfe“.
Laut dem Storchenbeauftragten des „Altkreises“ Beeskow, Hartmut Haupt, ist die Errichtung von Nisthilfen eine schöne Sache für die heimkehrenden Störche. Für eine Ansiedlung sei dies jedoch nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger sei das Nahrungsangebot vor Ort. Und genau da hapere es zunehmend. Ideal seien feuchte Wiesen. Die sind in der landwirtschaftlich geprägten Fläche heutzutage Mangelware. Auch Dürreperioden, wie im vergangenen Jahr, trügen nicht zu einem gedeckten Tisch bei. In den letzten zehn Jahren sei die Zahl der Brutpaare im „Altkreis“ von etwa 30 auf etwa 20 zurückgegangen.
Laut Ittermann bevorzugen Störche erhabene Horste, die von mehreren Richtungen ohne Hindernis angeflogen werden können. Auch er hält die Futtergrundlage vor Ort für entscheidend. „Teiche, Grünland, kleinteilige Landwirtschaft“ seien ideal. „Wir müssen langfristig mehr Möglichkeiten schaffen, Wasser in der Landschaft zurückzuhalten“. Ittermann bittet Landwirte, Grünflächen abschnittsweise, also über mehre Tage und Wochen verteilt, zu mähen, damit die Störche über einen längeren Zeitraum etwas davon haben. Wie knapp das Nahrungsangebot für Störche ist, ist laut Ittermann an den Tieren abzulesen, die bei Mäharbeiten am Straßenrand regelmäßig beobachtet werden. Dabei komme es leider immer häufiger zu Unfällen. "Ich selbst habe schon viele tote und verletzte Tiere von Straßen aufgelesen“.
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