Letztes ist das Herzstück der Beeskower Jugendarbeit. Dort dürfen sich die 30 bis 40 regelmäßigen Besucher in allem austoben, was ihnen Spaß macht. Der Musikraum im Keller ist besonders beliebt: Hier darf Krach sein, ohne dass es Eltern oder Nachbarn stört. "Was ich Eltern auch immer wieder erkläre ist: Kinder haben ein Recht auf Freizeit – auf unbegleitete, freie Zeit ohne Verpflichtungen", betont Martin Hampel, der Leiter des Jugend-Teams Beeskow. Dafür steht das Pier 13. Jugendliche entscheiden, Sozialarbeiter begleiten und vermitteln: "Wir nehmen Dich, wie Du bist."
Meinungen auszuhalten lernen
Gleichzeitig erleben sie unumstößliche Regeln: "Wir fahren eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus, Sexismus, Gewalt und Drogen", betont Hampel. Bei Verstoß gibt es erst eine Verwarnung, dann Hausverbot.
"Oft fällt es den Jugendlichen schwer, andere Meinungen auszuhalten", weiß Hampel. Schnell eskalierten Gespräche. Politische Diskussionen gebe es darum im Pier 13 kaum. Viel zu groß sei die Angst, etwas Falsches zu sagen, von Freunden ausgeschlossen zu werden. "Sie müssen eine Debattenkultur lernen", so der Team-Leiter, ein Angebot sei die Streitschlichterausbildung.
"Wir unterstützen, helfen, schützen und organisieren, aber Inhalte bestimmen die Kinder selbst", betont Hampel den Ansatz der Arbeit. Das Jugend-Team Beeskow  ist "ein spannendes Konstrukt", findet Hampel, der seit  Juli 2019 als Leiter dabei ist. Zum Team gehören außerdem eine Mitarbeiterin im Jugendklub, ein Mobiler Jugendarbeiter, drei Schulsozialarbeiter – jeweils einer für Grundschulen, die Albert-Schweitzer-Oberschule und das Rouanet-Gymnasium –, zwei Mitarbeiter im Berufshilfe-Projekt "Wir für hier"  sowie der Jugendkoordinator in Friedland. Außerdem verstärkt eine Französin das Team, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. Gemeinsam erfassen sie Bedarfe der jungen Leute. Zwei Mitarbeiter sind auf Suchtprävention spezialisiert,  zwei auf Medienpädagogik.
Nach Hampels Einschätzung ist der Umgang mit Internet und Mediensucht gar noch relevanter als Alkohol oder Cannabis. Häufige Fälle von Missbrauch mit Fotomaterial und Cybermobbing – ob mutwillig oder unbeabsichtigt – bedürfen intensiver Aufklärung. Bei Jugendlichen, an Schulen und in der Arbeit mit Eltern. "Den Eltern erklären wir, dass sie nicht das Gerät verteufeln sollen", so Hampel. Wichtiger sei vielmehr, welche Kreise Veröffentlichungen im Internet ziehen können. Und Wertevermittlung. "Grundsätzlich: Kinder sind nicht schuld", stellt Hampel klar. Ihr Handeln sei oft Resultat eines langen Prozesses. Wissen und Sensibilisierung für Jugendschutz sollen Medienmissbrauch vorbeugen: gegen Kettenbriefe oder Videos, die teils sogar Angststörungen auslösen können.
Anwalt der Jugend
Tobias Urban deckt die mobile Jugendarbeit ab. Seit viereinhalb Jahren schon. Zwölf Stunden in der Woche ist er in Beeskow unterwegs, "meist unsichtbar, denn ich bin da, wo die Jugendlichen sind, und da ist oft sonst niemand mehr", sagt er. Spielplätze, Parks, Fontane-Viertel: Wenn er seine "Kids" aufsucht, ist er Gast in ihrer Lebenswelt. Vertrauen aufzubauen ist das Wichtigste. Oft muss er seine Rolle erklären: "Ich kümmere mich nicht um die Probleme, die Jugendliche machen, sondern um die, die sie haben", betont er. Vor allem um Perspektivlosigkeit und daraus resultierende Probleme wie Drogen, Alkohol, Gewalt, Obdachlosigkeit. "Hier gibt es alles, was es in Berlin auch gibt", weiß er.
"Oft bin ich wohl der Einzige, der sich interessiert, der nachfragt, wie es so geht." Ausgehend davon kann er mit den jungen Menschen arbeiten: Therapien anbieten, diskutieren, Behördengänge begleiten. Auf der Straße gibt es mehr politische Kontroversen als im Club. Urban spricht es dann direkt an, vor allem wenn rechtes Gedankengut geäußert wird.
Außerdem betreut Urban das Proberaumzentrum im Bahnhof, wo sieben Gruppen eingemietet sind. 40 Euro kostet sie das im Monat. Das deckt gerade so die laufenden Kosten. Alle Musiker sind volljährig, müssen auch Putzdienste übernehmen. Das Haus ist voll, die Warteliste lang. Die meisten Bands sind schon seit Jahren dieselben. Sie spielen harte Musik: Hardcore, Metal, Punk. Einige touren sogar im europäischen Ausland.
Das Jugend-Team berät Jugendliche bei Problemen, kann auch weitervermitteln. 350 bis 400 Beratungsprozesse führe jeder Schulsozialarbeiter im Jahr durch. "Das ist sehr viel", schätzt Martin Hampel ein. Manchmal sei es mit einem Gespräch getan, aber Trauerbewältigung, Leistungsdruck, und Krisenbewältigung würden lange begleitet.
Das Jugend-Team bietet auch AGs wie Englisch, Medien und sogar Angeln. In der Turnhalle der Fontane-Grundschule gibt es freitags von 16 bis 19 Uhr freie Sportspiele. Im Sommer finden Jugendbegegnungen statt mit den Partnerstädten in Frankreich und Polen. Die Jugendarbeit finanzieren die Stadt Beeskow und der Landkreis Oder-Spree. Für besondere Projekte wirbt die Stiftung SPI Spenden und EU-Gelder ein.
Die Handy-Codes in der Stadt sind ein Beteiligungsprojekt: vor allem für Jugendliche, aber offen für alle. Die Daten sammelt das Jugend-Team, das die App mit der Medien-AG erarbeitet hat. Im März soll sich auch Bürgermeister Frank Steffen den Vorstellungen der Bewertenden stellen.