Corona-Sperre
: Circus Sensationell bleibt in Groß Muckrow

Nach einigem Hin und Her zwischen Betroffenen, Unterstützern und Behörden brachte ein Ortstermin Klarheit.
Von
Peggy Lohse
Groß Muckrow
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Besuch bei Circus Sensationell: Ortsvorsteher Maik Koschack (Mitte) mit Marco Schickler und Virginia Renz

Jörn Tornow

Seit zweieinhalb Wochen – nach ihren letzten Veranstaltungen vor den strengen Corona-Einschränkungen – steht die sechsköpfige Familie Renz mit Zelt und Wagen, mit Alpaka, Ziege, Kaninchen und jeweils zwei Hunden und Ponys in Groß Muckrow. Der kleine Ort und seine neuen Gäste hatten dennoch Bedenken, man könnte sie noch wegschicken. Dass dann auch noch zwei Polizisten zum Termin kamen, verunsicherte einige Anwesende zusätzlich. Zumal es beim letzten Treffen noch lauten Streit gegeben hatte.

Als die Corona-Sperren kamen, wusste Zirkusfamilie Renz durch das Auftrittsverbot nicht, wohin mit sich, den Tieren und ohne Einnahmen. Ortsvorsteher Maik Koschack, Nachbarn und Einwohner umliegender Dörfer befürworteten, dass der Zirkus bei ihnen bleibt. Essens-, Futter- und auch Geldspenden brachten Privatpersonen der Familie.

Für Strom- und Wassernutzung auf dem Gelände, das die Stadt Friedland pachtet, aber auch Sportverein und Ort nutzen können, wollten gar Anwohner aufkommen. Dabei geht es um einen kleinen Betrag – bisher beläuft sich der Stromverbrauch etwa auf 40 Euro. „Das sind ja keine riesigen Summen“, so Koschack. Für das Dorf sei es doch ein Segen, wenn ein Zirkus kommt, betont der Ortsvorsteher weiter. „Da schicken wir sie doch in so einer Situation nicht fort.“

„Der Zirkus hätte natürlich weiterziehen können“, betont nach dem Termin Ordnungsamtsleiter Steffen Krüger. Aber wegen der Corona-Pandemie dürfte er nirgends offiziell gastieren. Da der kleine Wanderzirkus nur über einen Briefkasten bei Potsdam verfügt, sich aber aus finanziellen Gründen kein echtes Winterquartier leisten kann, wäre die Familie samt vier Kindern und Tieren praktisch in die Obdachlosigkeit geschickt worden.

Das wollte die Stadt Friedland natürlich auch nicht: „Für uns war die Duldung von Anfang an klar“, so Krüger. Der zusätzliche Termin sei aus seiner Sicht eher eine Formalität gewesen, um noch einmal Kontaktdaten aufzunehmen und sich zu besprechen. Themen wie Standgebühren und Ausweichgrundstück im Ort waren letztlich schnell vom Tisch. Auch Bürgermeister Thomas Hähle sprach sich für eine soziale Lösung aus.

Einzige Auflage vom Veterinäramt, mit dem Krüger in Kontakt steht, ist, dass die Tiere gut behandelt werden. Das würde regelmäßig überprüft werden. Und durchaus mit Bewunderung sagt Krüger: „Groß Muckrow und die Einwohner haben sich richtig ins Zeug gelegt für den Zirkus.“

Dafür ist besonders Virginia Renz dankbar. „Eine Nachbarin bringt uns Brot, alle Anwohner sind sehr hilfsbereit“, sagt sie. „Ein großes Lob gilt auch Ortsvorsteher Koschack, der sich sehr für uns eingesetzt hat.“ Momentan käme ihr Zirkus so auch über die Runden. „Einen Spendenaufruf machen wir, wenn es knapp wird“, ergänzt Koschack. „Wichtig ist jetzt erstmal, dass die Leute wissen, woran sie sind.“

Wer letztlich Strom und Wasser bezahlt, wird wohl auch noch einmal Thema in der Stadtverordnetenversammlung in Friedland werden. Denn als Pächter des Geländes bekommt die Rechnungen erstmal die Stadtkasse. Und für den Notfall stellte auch Krüger potentielle private Sponsoren in Aussicht, die mit der Zahlung helfen könnten. Aber zunächst sind alle Beteiligten zufrieden: Bis zum Ende der Corona-Krise bleibt in Groß Muckrow der Zirkus im Dorf.