Gute wurde in der Trabi-Stadt Zwickau geboren. Verwandte arbeiteten bei Sachsenring. Ihr Opa baute extra Eisenbahnplatten für sie. "Da standen Moped-Figuren mit drauf", erinnert sie sich. "Die Begeisterung für Zweitakter liegt mir im Blut." Ihre erste Ausbildung machte sie selbst noch bei Sachsenring.

Moped Schwalbe vom Flohmarkt

Als die heutige Medizinerin Jahre später ihr Haus in Sauen aus- und eine Praxis in Fürstenwalde aufgebaut hatte, der Sohn erwachsen wurde und die Trennung überwunden war, nahm sie sich mit 40 vor: "Den Rest des Lebens mache ich, was ich wirklich will!"
Auf dem Brieschter Flohmarkt erstand sie eine Schwalbe. "Ich fuhr los, fiel hin und hatte ein aufgeschlagenes Knie", lacht sie heute und erzählt schnell und fröhlich weiter. Als sie auf direktem Weg keine Gleichgesinnten für Ausfahrten und Treffen in der Region finden konnte, half die Gründung einer Facebook-Gruppe. Daraus entstanden Freundschaften und der Club "Zweitaktpioniere". Pünktlich mit neuen Saisonkennzeichen beginnen ihre Ausfahrten. Fast jedes Wochenende, mit 20 bis 25 Menschen. "Wir sind wie eine Familie", sagt die Club-Chefin, die sich ihre Stellung erst einmal erarbeiten musste.
Die Motorrad-Szene ist stark maskulin geprägt. Bei Treffen traf Gute nur selten Frauen an. Ihre Sonderrolle gefällt ihr nicht immer: "Einerseits ist es ein Vorteil als Frau, denn es ist immer schon toll, dass Du dabei bist", hat sie erfahren. "Aber wenn ich mal schneller vorausfahre, mögen das Männer eher nicht." Mal schmeichelnd, mal verängstigt reagierten manche Zweirad-Kollegen. Darum setzt sie sich dafür ein, dass mehr Frauen den Spaß an dem Moped-Hobby für sich entdecken. "Es sind noch zu wenig Frauen dabei", meint sie. Und statt eines Pferdes könne frau sich ja auch eine viel pflegeleichtere Schwalbe zulegen.
Speziell für Frauen und deren Motorräder bietet Gute auf ihrem Sauener Hof auch eine einfache, gemütliche Übernachtungsmöglichkeit. Sie wohnt allein auf dem Hof und mit männlichen Gästen würde sie sich unwohl fühlen. Und so beherbergt sie meist gut situierte Großstädterinnen auf dem Weg an die Ostsee, meist ab 35 Jahren, mit schnellen, modernen Maschinen. Bezahlung auf Spendenbasis. In der Club-Werkstadt mit Hebebühne können Kleinigkeiten repariert werden. Und nun könnten auch die Schrauber aus aus dem acht Kilometer entfernten Pfaffendorf vorbeikommen.
Die Corona-Pandemie kippte das Club-Programm in diesem Jahr. Aus diesem Grund feierten Gute, ihre Kollegen und Unterstützer auch die neue Werkstatteröffnung nur in kleinem Kreis.

Werkstatt mit Charakter

Die Räume bekommt sie von Udo Knispel vermietet, dessen Werkstatt mit den "Zweiradpionieren" zu einer GbR fusionierte. Angestellt sind Kay Bandte und Henry Matz als "Schrauber". "Ohne Henry hätte ich das nicht aufgebaut", betont Gute. Als Matz wegen Corona arbeitslos wurde, wusste sie: Mit ihm will sie es wagen. Sie kennt den 31-jährigen Mechatroniker erst seit einem Jahr, aber ist von seiner Qualifikation und seinen Fertigkeiten überzeugt und vertraut ihm und Bandte, der sich um Verkauf und Kundenbetreuung kümmert, blind. Manchmal schraube sie auch mit, "aber nur als Azubi", lacht sie weiter.
"Mir ist der Manufaktur-Charakter wichtig", erläutert Gute das Konzept. "Man kommt rein, trinkt einen Kaffee und plaudert mit den Schraubern." Die Chefin bietet auch einen Hol- und Bring-Service an. Gute interessiert das Feine, die regionalen Verbindungen und die Einzigartigkeit der Maschinen. Dafür steckt sie ihr eigenes Geld in das Projekt und hofft, dass es sich rentiert. "Ich weiß, das ist verrückt! Und manchmal bin ich auch mit meinen Ideen zu schnell und überfordere die Leute." Aber sie packt es an. Damit die Motoren knattern.