DDR-Motorräder in Beeskow: Ein „Eisenschwein“ aus Zschopau kommt auf die Burg

Christian Wilde auf der MZ ES 250/1, Baujahr 1962. Ein Stück DDR-Motorradgeschichte auf Burg Beeskow.
Jens OlbrichDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Klang des Motors ist unverkennbar und der Duft, der aus dem Auspuff kommt, ebenso. Auf dem Burghof der Burg Beeskow steht eine Legende, die MZ ES 250/1, Baujahr 1962. Weil sein Kumpel Sven Schiller keine Zeit hatte, hat Christian Wilde das betagte Stück extra zum Termin von ihm abgeholt und ist damit zur Burg zur Arbeit gefahren. Schon einmal vorab, denn kommenden Sonntag wird dieses „Eisenschwein“ nicht das einzige sein, welches dezente Zweitakt-Düfte in die historischen Burgmauern „pustet“.
Auf die Frage, was den Reiz ausmacht, so ein altes Motorrad zu fahren, breitet Christian Wilde für einen Augenblick sprachlos die Arme aus. Dann meint er: „Der Charme. Mir macht es einfach Spaß. Und dazu kommt auch der Drang, das Teil möglichst original zu erhalten.“ Die Maschine hat noch den Originallack, am Tank, wo die Knie beim Fahren anliegen, schon etwas „abgeschubbert“. Auch am Schutzblech vorn ist der Lack schon dünn. Aber das sei halt so, dafür seien die originalen Embleme sind noch drauf, erzählt er weiter.
DDR-Oldtimer stand in einer Scheune
Die MZ stand, soweit er weiß, bereits vor der Wende 1989 in der Scheune bei den Kollegen. Es sei eigentlich ein Zufall, dass sein Kumpel sie fand. Erst hatte er sie nicht weggeben wollen, hatte selbst begonnen, sie zu restaurieren. „Dann hat er gesagt, nimm mit und mach was draus“, erinnert sich Christian Wilde. „Ich habe sie dann zerlegt, alles saubergemacht, auch den Vergaser“, zählt Wilde auf. Nur die originale Unterbrecherzündung hatte er ausgebaut und gegen eine elektronische Zündung ausgetauscht „Zweimal treten und sie ist da“, verspricht er stolz.
Die alte ES 250/1 erfüllt Wildes Versprechen prompt, springt bereits beim ersten Treten an. Wilde sitzt auf, zieht die Kupplung und legt den Gang ein. Mit zwei kleinen Runden über das Kopfsteinpflaster des Burghofs beweist er, dass das „Eisenschwein“ nicht nur zum Ansehen da ist. Die Schwingen vorn und hinten sind weich abgestimmt, schlucken die Unebenheiten mühelos. Sofort verbreitet sich auch der typische Zweitaktgeruch der Abgase, den wohl fast jeder kennt.

Die MZ ES 250 wurde umgangssprachlich auch als „Eisenschwein“ bezeichnet, hergeleitet aus der Abkürzung ES für „Einzylinder“.
Jens OlbrichChristian Wilde bremst ab und dreht den Zündschlüssel auf aus. Der MZ-Motor verstummt. Das Aufbocken auf den Zentralständer erfordert etwas Übung, das Motorrad ist nicht gerade leicht. Nicht umsonst entstand bereits zu DDR-Zeiten aus der Abkürzung ES, die eigentlich für „Einzylinder“ stand, die gebräuchliche Bezeichnung „Eisenschwein“.
Das Schrauben an alten Motorrädern macht Spaß
Es mache einfach der Spaß, daran herumzuschrauben, erklärt er erfrischt von den wenigen Metern auf der MZ. „Man erhält ein bisschen Geschichte aufrecht“, fügt er hinzu. Moderne Motorräder könne man fahren, wenn man von A nach B kommen möchte. Die alte MZ sei ein bisschen Nostalgie. An der gebe es immer etwas zu schrauben – und man könne noch dran schrauben. An den „Teilen“ sei nicht viel dran, was kaputtgehen könne. Und diese Stellen seien bekannt.
Viele werden es bereits gesehen haben – entgegenkommende Motorradfahrer grüßen sich auf der Straße. Weniger bekannt sind die Gesetze dabei. Die Fahrer des einen Herstellers erwidern nur Grüße von ihresgleichen und andere Regeln sind für Außenstehende und Neulinge kompliziert zu verstehen. In einer Sache sind sich aber alle einig: Oldtimer auf zwei Rädern werden immer gegrüßt. „Ja, so ist es“, bestätigt Christian Wilde. „Das ist ein ungeschriebenes Gesetz.“ Wenn er mit seiner MZ angefahren komme, grüßen selbst die jungen Leute. „Die sehen es schon daran, wie du drauf sitzt durch den Flachlenker.“
Neben Christian Wildes eigener MZ ES 250, allerdings das 2-er Modell und etwas jünger, werden am Sonntag weitere Motorräder zur „Motorroller-Oldie-Show“ auf dem Burghof stehen. Allesamt werden sie mit Sicherheit die bewundernden Blicke der Besucher und Oldtimer-Fans auf sich ziehen. Die Veranstaltung ist typenoffen, allerdings auf ein bestimmtes Fahrzeugalter beschränkt. „Das Motorrad muss halt Oldtimer-Charme haben“, erklärt Christian Wilde, der auf Burg Beeskow arbeitet.
Motorrad-Oldis treffen sich auf der Burg in Beeskow
Weitere Aussteller mit ihren Veteranen der Motorradgeschichte sind also gerne gesehen, anmelden müsse sich niemand vorher. Christian Wilde meint: „Alles was kommt, Harley-Davidson, Moto Guzzi, Indian, Simson oder was auch immer – wenn das Teil älter ist als 30 Jahre, ist der Fahrer damit herzlich willkommen.“ „Holen und bringen“ ist das Motto der Programmreihe des Museums Oder-Spree, weitere interessante Veranstaltungen werden folgen.
Zweikraftrad Oldie-Show auf der Burg Beeskow
Frankfurter Straße 2, 15848 Beeskow am 11. Mai, von 11 bis 15 Uhr
Willkommen sind alle Interessierten sowie natürlich die Besitzer von Motorrädern mit Oldtimer-Charme, typenoffen, aber wenigstens 30 Jahre alt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Der Plan für Sonntag sei, vor der Burghofbühne die Parkplätze einzurichten. Eine weitere Bühne sei auch geplant, auf die jeder mit seinem Motorrad hochfahren und es vorstellen, etwas darüber erzählen könne. Mit der Vorstellung der Maschinen geht es gleich um 11 Uhr los, wenn die Veranstaltung startet. Von 12 bis 14 Uhr sei auch ein Geschicklichkeitsparcours geplant. Der Burgförderverein organisiert Bratwurst mit Brötchen sowie rote Brause und Wasser. Abiturienten des Rouanet Gymnasiums sind auch da, nutzen die Veranstaltung um Zuwendungen für den Abi-Ball einzuspielen.



