Dorfleben
: Für mehr Grün und leckere Früchte pfropft sich Pieskow 100 neue Obstbäume

Mindestens 100 neue Obstbäume wollen die Pieskower ihrem Ort schenken. Dafür veredeln sie Jungbäume mit alten Sorten aus ihren Gärten.
Von
Peggy Lohse
Friedland
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  • Drei von 171: Aktiv für mehr Obstbaumsorten im Ort sind unter anderen Ortsvorsteher André Benkow, Elke Schmidtchen als Vorsitzende des Pieskower Heimatvereins und Wahl-Pieskower Stanley Fuls, hier auf der Streuobstwiese des Grundstücks Dorfstraße 7.

    Drei von 171: Aktiv für mehr Obstbaumsorten im Ort sind unter anderen Ortsvorsteher André Benkow, Elke Schmidtchen als Vorsitzende des Pieskower Heimatvereins und Wahl-Pieskower Stanley Fuls, hier auf der Streuobstwiese des Grundstücks Dorfstraße 7.

    Peggy Lohse/MOZ
  • Auf den Weinberg soll eine Obstbaum-Allee führen, oben eine Streuobstwiese den Wind aufhalten. Die Feierhütte wird repariert.

    Auf den Weinberg soll eine Obstbaum-Allee führen, oben eine Streuobstwiese den Wind aufhalten. Die Feierhütte wird repariert.

    Peggy Lohse/MOZ
  • Die ersten neuen alten Obstbäume: vor allem Äpfel und Birnen

    Die ersten neuen alten Obstbäume: vor allem Äpfel und Birnen

    Peggy Lohse/MOZ
  • Wenn der obere Teil austreibt, war das Pfropfen erfolgreich.

    Wenn der obere Teil austreibt, war das Pfropfen erfolgreich.

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Wäre der sogenannte Weinberg am Ortsausgang in Richtung Speichrow noch ein bisschen höher, könnte man wohl so gut das Dorf überblicken, dass man auch die zahlreichen Streuobstwiesen erkennen könnte, die an manche Grundstücke grenzen. Hier ernten, mosten und verkochen die Pieskower noch alte Obstsorten, die man in keinem Supermarkt des Landes kaufen kann. Vielleicht sehen sie verschrumpelt aus und entsprechen nicht den ästhetischen Gewohnheiten des modernen Einkäufers, aber sie schmecken. Das jedenfalls finden die Pieskower wie Ortsvorsteher André Benkow: „Wir haben hier sehr leckere Äpfel, auch wenn wir oft gar nicht wissen, wie die Sorte heißt. Vielleicht haben wir ja bald eigene Sorten.“ Außerdem bringt das Obst das Dorf regelmäßig zusammen. „Wenn Erntezeit ist und die Leute zur Most fahren, gibt es einen regen Austausch.“ Man gibt einander Früchte mit, damit die Kisten voll werden.

20 im Dorf, 80 vorm Dorf

Weil aber Stürme immer wieder alte Obstbäume auf den Wiesen zu Fall bringen, sollen nun neue ins Dorf. Jeweils ein Obstbaum mit einer alten Sorte für jeden an der Aktion teilnehmenden Haushalt, einen für die Kita „Biene Maja“, zwei für die Außenanlagen des Gemeindezentrums und die übrigen rund 80 Stück sollen den Feldweg hinauf zum Weinberg säumen und die dortige Wiese an der Festhütte — die bei der Gelegenheit gleich mit repariert werden kann — schmücken und den Wind abfangen.

Das Obstbaum–Projekt ist nicht die erste Aktion der Pieskower, die über die Friedländer Stadtgrenzen hinaus auffällt. Auf einem ehemaligen maschinentechnischen Stützpunkt aus den 1950er Jahren wurde 2012 nicht nur eine Feuerwache eingeweiht, sondern 2017 auch ein neues Gemeindezentrum mitsamt Spielplatz eröffnet. In jenem Jahr bewarb sich Pieskow für den Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und landete auf Platz zwei. Daran erinnert eine Bank vor dem Grundstück in der Dorfstraße 7. Denn Banksitzen an Sonntagen, diese Tradition ist auch wieder lebendig im Ort, erzählt der Hausherr der Sieben: Seit 2018 lebt hier Stanley Fuls, Architekt aus Berlin, der in jenem Jahr die Stelle als Leiter des Amts für Infrastruktur und Gebäudemanagement des Landkreises Oder–Spree übernahm und dies zum Anlass nahm, gemeinsam mit seiner Frau fest auf das Jahre zuvor im Internet gefundene und gekaufte Grundstück mit Scheune und Streuobstwiese zu ziehen. Er hat es nicht bereut, sagt er stolz einen Tag nach seinem zweiten Jahrestag in Amt und im Dorf.

Gemeinsam mit dem Ur–Pieskower Benkow und der langjährigen Erzieherin der Kita „Biene Maja“ und mittlerweile Vorsitzenden des Heimatvereins, Elke Schmidtchen, engagiert sich Fuls für die Gestaltung des Orts. Im Gemeindezentrum zeigen die drei stolz die Tafel–Ausstellung über die Dorfentwicklung, die traditionellen Namen der Einheimischen für Gegenden und Grundstücke. Auf dem Platz davor ist schon eine Bauwagen–Bilbiothek geplant und bewilligt.

Fuls betreibt außerdem mit @pieskow_nl einen Dorf–Kanal im Bilder–Netzwerk Instagram und sucht immer wieder nach Förderquellen, die dem Dorf zugutekommen könnten. Der Heimatverein zählt mittlerweile 38 Vereinsmitglieder. Dem Instagram–Kanal folgen bereits mehr als 430 User.

Im Dezember vergangenen Jahres wurden die Leistungen des Dorfes im Rahmen des vom Bundesinnenministerium initiierten Wettbewerbs „Menschen und Erfolge“ gewürdigt. Unter dem Motto „Lebenswerte Stadt– und Ortskerne in ländlichen Räumen“ fand sich das Pieskower Gemeindezentrum dort unter 16 prämierten Projekten wieder. Das gewonnene Preisgeld von 2000 Euro investierten die Pieskower in einen Beamer fürs Gemeindezentrum und in die ersten Bemühungen für die geplanten Streuobstwiesen. 2019 hatten sich sechs Pieskower Haushalte für das Obstbaumprojekt gemeldet, 2020 sind es bereits 14.

Im Frühjahr mussten die ehrenamtlichen Obstbauern nämlich schon mit der Veredelung beginnen. Von den 100 geplanten Bäumen werden 60 in der Baumschule Neuzelle bearbeitet, zehn Stück sollen neu gekauft werden. „30 werden von uns veredelt“, sagt Fuls stolz und besorgt gleichzeitig, als er auf die gepfropften Jungbäume in seiner Scheune zeigt. „19 sind bisher etwas geworden, alles Äpfel und Birnen.“ Die Pfirsichbäume zieren sich noch.

Wegen der Pandemie konnte die Pfropf–Aktion nicht wie geplant stattfinden. „Leider hatten wir wegen Corona keine Chance, das zusammen zu machen“, räumt Fuls ein. Eigentlich waren Übungen mit den Kindern in der „Biene Maja“ geplant gewesen sowie gemeinsames Veredeln aller Teilnehmenden im Dorf. Nun hoffen die Organisatoren auf die große Pflanzaktion im September: Da wird alles draußen stattfinden. Und da die Obstbäume sowieso im Abstand mehrerer Meter eingesetzt werden, dürften die Schutzregeln dem  Plan nicht entgegenstehen. Jetzt müssen nur noch die übrigen Pfröpflinge gelingen.