Laut dem Bundeswirtschaftsministerium soll das in der Praxis so unbürokratisch wie möglich umgesetzt werden können. Beeskower Händler und Kunden stehen diesem Ansinnen noch skeptisch gegenüber. Den Einkäufern erscheinen die Ersparnisse im Vergleich zu großen Rabattaktionen mit zehn und mehr Prozenten Preisnachlass zu gering, als dass sie deswegen mehr konsumieren würden.
Geschäftsleute hatten nach Schließzeiten, der Einführung verschiedener Hygieneschutzmaßnahmen und bedeutenden Umsatzeinbußen so viel Stress, dass sie die nun folgenden Preisänderungen zunächst als nächsten Stresstest wahrnehmen. Ob der die erhoffte Wirkung bei den Kunden zeigen wird, ist derweil noch nicht absehbar.
In den Schuh- und Ledergeschäften Schuhhaus Woick, Ledeereck und Quickschuhe werden Nadja und Matthias Mocker die Senkung der Mehrwertsteuer komplett an ihre Kunden weitergeben. Wie es Branchenverbände und Bundesregierung empfehlen, werden sie jedoch nicht für ein halbes Jahr die Preisschilder austauschen. Das wäre zu viel Aufwand. "Wir werden die Differenz zu 100 Prozent an der Kasse abziehen", erklärt Matthias Mocker.
Sie sehen in der Mehrwertsteuersenkung eher einen psychologischen Anreiz. Aber: "Das Einkaufen mit den Masken ist schwierig, gerade für ältere Menschen", gibt Nadja Mocker zu bedenken. "Da hat man kaum Lust, der Spaßfaktor ist nicht mehr da." Eingekauft werde seit Beginn der Corona-Pandemie vorrangig das, was nötig sei. "Es werden Gebrauchseinkäufe gemacht. Und das Geld sitzt auch nicht mehr so locker", hat sie erfahren. Viele Kunden seien in Kurzarbeit.

Mehr Aufwand als Nutzen durch Senkung der Mehrwertsteuer

Auch Andreas Kunze vom gleichnamigen Optikergeschäft wird die Prozente an der Kasse abziehen. Aber auch er zweifelt an der Zweckmäßigkeit der Maßnahme, sieht vor allem eine erneute Belastung für die Händler: Kassensysteme müssten umprogrammiert werden oder gar Preise neu ausgedruckt werden. "Ob das wirklich alles beim Bürger ankommt?", fragt er sich.