Zwei üppige Sträuße mit Sonnenblumen schmücken den Eingang zur Turnhalle: Einschulung in der Görziger "Schule des Friedens". 19 Kinder, nur sieben Jungen sind darunter, bekommen ihre Zuckertüten. Unter ihnen die sechsjährige Carlotta. Wie alle Abc-Schützen hat sie sich chic gemacht, trägt ein dunkelblaues Sommerkleid mit Blümchen und ihre Haare offen. Auffällig: Alle Mädchen haben lange Haare. Carlotta darf sich mit ihren künftigen Mitschülern in die erste Reihe setzen, ihre Eltern Anna und Benjamin J., ihre Oma Maike Gerhardt und ihr Bruder Frederik haben es sich auf den hinteren Plätzen bequem gemacht. Zuvor mussten sich alle in Listen eintragen, die Hände desinfizieren und Abstand halten – die erste Einschulung mit Corona.

Gesungen werden darf nicht

Deshalb – und auch wegen der großen Hitze – ist das Programm verkürzt worden, schon nach einer Stunde ist alles vorbei, obwohl es in der Turnhalle angenehm kühl ist. Die Tanzgruppe unter Leitung von Kerstin Schulz stimmt temperamentvoll und mit modernen Choreografien auf die Schule ein. Die Neuen machen begeistert mit. Gesungen werden darf nicht – wegen Corona. Schulleiterin Franziska Weise-Drogi heißt alle Schulanfänger mit freundlichen, einfühlsamen Worten in ihrer "grünen Schule mit viel Platz" herzlich willkommen. Auf ihre Frage: Was werdet ihr hier alles lernen?, schießen die Arme der Neuen selbstbewusst in die Höhe, die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen: rechnen, lesen, schreiben, englisch, Freunde finden.
"Toll", lobt die Schulleiterin. "Aber ihr werdet nicht nur Freunde finden, sondern auch lernen, Freundschaften zu pflegen. Ihr werdet lernen, andere Meinungen und Gedanken zu akzeptieren. "Jeder, so wie er ist, ist er in Ordnung." Zwei Dinge sollten die Schule und die Eltern den Kindern frei nach Goethe mitgeben: "Wurzel und Flügel". Dann lenkt sie den Blick auf den Schultütenbaum, wo die "süßen Tüten" baumeln und sie endlich, endlich an die Abc-Schützen überreicht werden. Als Carlotta aufgerufen wird, eilt sie auf die Bühne, um die lang ersehnte Schultüte in Empfang zu nehmen. Ihr Vater hält den großen Augenblick im Foto fest. Die Familie kommt aus Berlin-Hoppegarten, wo es kaum Grundstücke gebe und haben nun in Birkholz ein Haus gebaut.

Heute noch maskenfrei

"Es ist doch schön, wenn die Kinder in der Natur aufwachsen können. Außerdem haben wir zwei Pferde und andere kleine Tiere", erzählt Benjamin J. (31), der als Gewerkschaftssprecher der Polizei in Berlin arbeitet. Seine Frau Anna (32) arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF) in Müncheberg. Die Fahrtwege zur Arbeit nehmen sie für das Wohnen im Grünen gern in Kauf.
Hortleiterin Heike Schmidt hat schon Bekanntschaft mit Carlotta gemacht. Im Hort werde es coronabedingt vorerst keine Arbeitsgemeinschaften geben, die Kinder würden nach Klassenstufen getrennt. "Wir können ja nachmittags nicht so tun, als wäre nichts", sagt Heike Schmidt, die sich mehr Klarheit von Bestimmungen der Landesregierung wünscht. Montag müssten noch keine Masken getragen werden, vielleicht aber ab Mittwoch, wenn das Kabinett getagt habe… Die Schulleiterin riet den Eltern, täglich auf die Homepage der Schule unter "Neuigkeiten" nachzuschauen.