Energiepolitik: Neue Windparks polarisieren

Drehende Riesen: Moderne Windkraftanlagen, wie diese in der Nähe von Sieversdorf, sind aufgrund ihrer Bauhöhe von Weitem aus sichtbare Landmarken.
Patrick PleulZwei neue Windkraft-Eignungegebiete auf dem Gebiet der Gemeinde Rietz-Neuendorf haben seit der Veröffentlichung des Teilregionalplanes Windenergienutzung in der Planungsregion Oderland-Spree im Oktober 2018 Rechtskraft erlangt. Sie sorgen allerdings in der Gemeinde für Unruhe. Die Gemeinde versucht, mit Bebauungsplänen Einfluss auf die Ausgestaltung der Windparks zu erlangen. Dazu zählen die Höhe der Anlagen und die einzelnen Standorte innerhalb der Windkraft-Eignungsgebiete. Dies hat wiederum Auswirkung auf die Anzahl der Anlagen, die innerhalb des Windkraft-Eignungsgebietes platziert werden können. Auf der jüngsten Gemeindevertreterversammlung hatten Windkraftfirmen, die auf dem Gemeindegebiet investieren wollen, die Gelegenheit, sich und ihre Vorhaben vorzustellen.
Der von der Gemeinde beauftragte Planer Carsten Wolff stellte die Vorentwürfe künftiger Bebauungspläne für die Windkrafteignungsgebiete Alt Golm (WEG 59) und Görzig-Ost (WEG 62) vor. Für Alt Golm sind demnach fünf Windräder darstellbar, für Görzig-Ost sechs. Die Vorentwürfe gehen demnächst in die öffentliche Beteiligung. Sowohl Bürgermeister Olaf Klempert als auch der Vorsitzende der Gemeindevertreterversammlung Günther Poeschke schlugen vor, hierfür eine Einwohnerversammlung herbeizuführen.
Ralf Moede, Inhaber des Landgasthofs Alwine in Raßmannsdorf und Sprecher der Bürgerinitiative „Gegen Windkraft in Raßmannsdorf, Görzig und Sauen“, nutzte die Einwohnerfragestunde, um ein glühendes Plädoyer gegen die Aufstellung von Windrädern im Eignungsgebiet 62 (Görzig-Ost) abzuliefern. 90 Prozent der Bürger seien dagegen, behauptete der Gastronom. Die 1000-Meter Abstandsregelung sei zu gering, sie stamme noch aus Zeiten, da die durchschnittliche Anlagenhöhe 160 Meter betragen habe. Die beantragten Räder seien 241 Meter hoch.
Moede forderte unter dem Applaus des ungewöhnlich zahlreich erschienenen Publikums, die Anlagenhöhe im Bebauungsplan auf maximal 180 Meter zu begrenzen. Ferner solle die Zahl der Räder begrenzt werden. „Drei Anlagen sind auch schon ein Windpark. Es müssen nicht sechs oder sieben sein.“ Der Sprecher der Bürgerinitiative nannte ferner Naturschutzargumente, wie Insektenschlag, Gefährdung der Artenvielfalt und Abholzung: „Es erschließt sich mir nicht, warum man Wald abholzen muss, um das Klima zu retten!“
Neue Windparks in der Region verschandelten das Landschaftsbild, so ein weiteres Argument Moedes. Viel Geld werde in den Tourismus investiert, im Gegenzug würde man diese Anstrengungen durch „industrielle Strukturen“ kontaktieren. Arbeitsplätze im Bereich Tourismus/Gastronomie/Erholung, darunter auch öffentlich geförderte, stünden auf dem Spiel. Der Sprecher der Bürgerinitiative forderte auch, die künftigen Windräder an den Wochenenden, an denen weniger Strom verbraucht wird, und mehr Erholung Suchende als werktags da sind, abzuschalten.