Erinnerungskultur: Gedenken am Ringgrab
Es sei nun schon zu einer Tradition geworden, mit Gedenktafeln im Ringgrab der KZ-Gedenkstätte in Lieberose Häftlingen, die im Konzentrationslager nur eine Nummer waren, wieder einen Namen zu geben, erinnerte Peter Kotzan in seiner Begrüßung. Kotzan ist seit 1994 Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose. Das Ringgrab am Ortseingang aus Richtung Friedland wurde 1973 eingeweiht. Es enthält die sterblichen Überreste von Lagerinsassen, die 1971 in einer Kiesgrube bei Staakow entdeckt worden waren.
Angefangen hatte die Anbringung von Namenstafeln als Form des Erinnerung im Jahr 1995, als Familie Wollner aus Israel im Rahmen einer Gedenkveranstaltung anlässlich des Tages der Befreiung des KZ Sachsenhausen nach Lieberose kam und eine Namenstafel für drei im Lager getötete Familienangehörige mitbrachte. Als geeigneter Platz für die Anbringung wurde das Ringgrab ausgewählt. Seit dieser Zeit wurden weitere Gedenktafeln für Häftlinge aus Polen, Ungarn, Italien, Frankreich, Norwegen, der Sowjetunion und Deutschland angebracht.
Bei der Gedenkveranstaltung aus Anlass der Auflösung des KZ-Nebenlagers Lieberoses am 2. Februar 1945 waren vor einem Jahr Angehörige von getöteten italienischen Häftlingen in Lieberose erschienen. „Nach der Besichtigung des Mahnmals fragten sie, ob nicht auch für ihre Väter Angelo Ascoli und Leone Pavoncello Tafeln angebracht werden könnten“, berichtet Peter Kotzan. Die Deutsch-Italienische Arbeitsgemeinschaft ,,Carlo Levi“ aus Berlin machte es möglich und sponserte die beiden Tafeln.
Die Gedenkrede hielt am Donnerstag Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte der Landesregierung. In ihrer Ansprache schlug sie einen historischen Bogen von der Zeit des Nationalsozialismus zu aktuellen politischen Entwicklungen. Dabei brachte sie ihr Unverständnis zum Ausdruck, dass in Jamlitz und Lieberose, wo sich im unmittelbaren Nahbereich so viel Unmenschliches ereignet hat, die AfD bei der Bundestagswahl 2017 mit mehr als 30 Prozent stärkste Partei werden konnte. Sie zitierte auch die aktuelle „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung, derzufolge mehr als 54 Prozent und damit mehr als jeder zweite Deutsche Asylbewerber ablehnt. „Nicht aufgrund schlechter Erfahrungen, sondern weil ein Ablenkungsmanöver funktioniert“. Der wahre Grund seien soziale und wirtschaftliche Probleme, die von rechtspopulistischen Parteien in Deutschland und anderen Ländern regelmäßig „ethnisiert“ würden.
Gedenkort muss saniert werden
Peter Kotzan gab am Rande der Veranstaltung seiner Hoffnung Ausdruck, dass es in naher Zeit gelingen werde, das Mahnmal zu sanieren und barrierefrei umzugestalten. Für dieses Vorhaben, das seit mehreren Jahren immer wieder angegangen, aber nie konsequent ausfinanziert wurde, fehlen demnach noch etwa 18 000 Euro an Fördermitteln, damit weitere 15 000 Euro aus Lottomitteln ausgereicht werden können. In der Vergangenheit hatten sich Politiker auf verschiedenen Ebenen für die längst überfällige Baumaßnahme eingesetzt.
Laut Peter Kotzan hat Staatssekretärin Ulrike Gutheil bei ihrer Gedenkansprache im Februar in Lieberose versprochen, eine Förderung des Bauvorhabens „wohlwollend“ zu prüfen. „Das haben viele Gäste mit ihren eigenen Ohren vernommen und wir hoffen nun, dass es auch so kommt“, so Peter Kotzan.
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