Fassade: Street Art trifft DDR-Kunst

In Aktion: Various & Gould bemalen momentan die Außenfassade des neuen Beeskower Kunstarchivs. Die Künstler haben schon Street-Art-Projekte in Uruguay, New York und Berlin verwirklicht.
Jörn TornowWer momentan an der Beeskower Burg an der Spree vorbeiläuft, dem fällt ein großflächiges Fassadenbild am ehemaligen Kreisarchiv ins Auge. Vor dem Kunstwerk stehen die zwei Künstler, ein Mann und eine Frau, des Berliner Street-Art-Duos Various & Gould. Sie haben den Auftrag bekommen, an der Fassade des neuen Kunstarchivs auf der Spreeinsel einen Hingucker zu schaffen.
In der Mitte ist ein riesiger Kopf abgebildet, der an eine Arbeiterskulptur aus der DDR erinnert: „Wir nehmen damit Bezug auf eine Plastik, die sich tatsächlich im Kunstarchiv befindet“, erzählt der Künstler. Die Hand, die von oben über den Kopf greift, symbolisiere die Frage, was von der DDR-Kunst übrig bleibt.
Im Hintergrund ziehen sich rahmenartig weiße Gitter durch das Bild. Damit orientiere man sich an den Ziehgittern, an denen im neuen Kunstarchiv Werke angebracht werden können. Momentan ist das Duo mit dem zweiten Wandbild beschäftigt, das unter anderem Tauben abbildet, die aus einem Rollkasten herausfliegen. „Das könnte das Schöne zeigen, das aus diesen Schätzen herausfliegt“, sagt die Künstlerin des Duos.
„Mit den Wandbildern wollen wir den neuen Standort des Kunstarchivs nach außen hin markieren“, sagt Florentine Nadolni, Leiterin der Institution. Das Thema Wandbild- und Mosaik sei außerdem in der DDR-Kunst weit verbreitet gewesen: Wichtig sei allen Beteiligten aber eine moderne Umsetzung der Wandkunst gewesen: „Es ging nicht darum, historische Vorbilder zu kopieren“, betont Nadolni.
Werk des Duos auf der Burg
Das sieht auch das Künstlerduo Various & Gould so, das im vergangenen Jahr für das Goethe-Institut einen Tunnel in Uruguay mit einem Karl-Marx-Kopf experimentell bemalte. „Das Thema DDR zu bearbeiten, ist für uns nicht neu“, sagen die beiden. So war im vergangenen Jahr auch ein Werk der Künstler in der Plakatkunstausstellung auf der Burg Beeskow zu sehen. Für die Wandfassade des neuen Kunstdepots hätten sie eigens Wandbilder der DDR studiert: „Wir wollen aber keine Retro-DDR-Kunst schaffen“, betonen sie. Vielmehr sollen damalige Ansätze in die heutige Zeit übersetzt werden.
Die Zusammenarbeit über die Burg kam laut Florentine Nadolni über bestehende Kontakte zur Kunsthochschule Weißensee zustande. Auch Various & Gould sind Absolventen dieser Hochschule.
In die Idee der Bemalung einer Wandfassade sei auch die Stadt Beeskow und der Landrat miteinbezogen worden, betont Nadolni. Der neue Standort liege durch die denkmalgeschützte Burg im Bereich des Umgebungsschutzes: „Die zuständigen Behörden haben aber keine Beeinträchtigung festgestellt“, sagt die Leiterin.
Vielmehr weise die auffällige Fassade auch auf die Burg hin. Bis zur Eröffnung am 29. Mai haben Nadolni und ihr Team noch einiges vor: „Momentan werden noch die Info-Flyer für das Depot gedruckt“, erzählt sie. Außerdem werden noch Feinheiten des Programms am Eröffnungstag geplant. Auch die Homepage soll ein neues Gesicht bekommen. Generell wolle man sich mit dem neuen Depot der Öffentlichkeit mehr öffnen und neue Wege der Kunstvermittlung ausprobieren.
Die Eröffnung des Kunstarchivs auf der Spreeinsel beginnt am 29. Mai um 14 Uhr. Es findet unter anderem ein Gespräch zur Geschichte und Zukunft des Kunstarchivs Beeskow statt. Ab 15.30 Uhr werden öffentliche Depotführungen angeboten. Das Künstlerduo Various & Gould veranstaltet dann außerdem einen Wandbild-Workshop. Ab 16.30 Uhr gibt Jazzmusiker Conny Bauer ein Konzert.