Freiwillige
: Ein Schwabe baut Feuerwehrmuseum Görsdorf mit auf

Manfred Karsch veränderte einst Landschaftszüge im Ruhrgebiet. Heute engagiert er sich in seiner brandenburgischen Wahlheimat.
Von
Elke Lang
Görsdorf bei Storkow
Jetzt in der App anhören

Der 66-Jährige liebt das Landleben und engagiert sich für die Jugendfeuerwehr des Ortes sowie für das Feuerwehrmuseum. 2001 ist Manfred Karsch von Berlin nach Görsdorf gezogen, nachdem er bereits 1992 hier ein renovierungsbedürftiges Bauerngehöft von 1877 mit Ställen, großer Scheune und einem großen Garten dahinter als Wochenendgrundstück gekauft hatte, „vor allem, damit meine zwei Töchter Natur erleben konnten“. Die Großstadt an sich habe ihn nie beeindruckt, „aber Berlin schon als freie, kulturell vielfältige Stadt, in der sich die Nationen und Generationen mischen“, sagt er.

Großprojekte im Westen

In Berlin hatte Manfred Karsch an der Technischen Universität Landschaftsarchitektur studiert und 1981 in Kreuzberg seine eigene Firma gegründet, die heute mit 25 Mitarbeitern am Treptower Park ansässig ist. Zu seinen wichtigsten Projekten zählen die Renaturierung der Emscher, eines Flusses im Ruhrgebiet, und die Gestaltung der Gartenstadt Kamen mit Wohngebiet und Technopark. „Das Wohngebiet hatte ein schönes Konzept, denn alle Kinder konnten aus dem Haus treten und zur Kita gelangen, ohne eine vielbefahrene Autostraße betreten zu müssen“.

Zur Berliner Kultur gehörte für ihn auch Ostberlin, wo er Bekannte und einen Freund hatte: viele Konzerte, die Museen, die Dreigroschenoper, viele Bücher in Antiquariaten gekauft, zählt er auf.

Zur Landschaft, zur Natur hat er eine enge Beziehung, ist er doch in einem kleinen Dorf bei Schwäbisch Hall/Hohenlohe aufgewachsen, wo seine Vorfahren über Generationen einen Elektroinstallationsbetrieb unterhielten. Diesen Beruf wollte Karsch nicht von seinem Vater übernehmen, aber an das „freie Leben, immer draußen, im Sommer immer barfuß“ in seiner Kindheit, denkt er gern zurück.

In Görsdorf haben Manfred Karsch und Ehefrau Erika Vogt-Karsch, die er schon während seiner Studienzeit kennengelernt hatte, sehr schnell gute Kontakte zu ihren Nachbarn, zu Conny von gegenüber, zum damaligen Ortsvorsteher Wilfried Lengert und anderen aufbauen können. „Das habe ich vom Dorf mitgebracht: Man hilft sich , schenkt sich mal Kirschen, schwatzt miteinander“, schmunzelt er. Erika ist beim Frauentreff dabei und beide bei allen Dorffesten.

Schräg gegenüber vom Anwesen der Familie Karsch befindet sich das kleine ehemalige Feuerwehrhäuschen des Ortes. Eines Tages sei der Ortsvorsteher des Wegs gekommen. „Das sieht ja fürchterlich aus, in der Dorfmitte so eine Ruine“, habe Manfred Karsch zu ihm gesagt. Wilfried Lengert hatte dann die Idee, ein Feuerwehrmuseum draus zu machen, und er kam gleich mit der Jugendfeuerwehr zum Aufräumen.

Karsch und die Feuerwehr

Manfred Karsch war 2015 mit unter den zehn Gründungsmitgliedern des Vereins. Durch seine Spende konnte das Grundstück gekauft werden. 2017 wurde das Museum als kleinstes Feuerwehrmuseum der Welt, was allerdings von Guiness noch nicht bestätigt ist, eröffnet.

Der gebürtige Schwabe war nie bei der Freiwilligen Feuerwehr, aber er habe erkannt: „Die Freiwillige Feuerwehr ist die tragende Säule für das gesellschaftliche und kulturelle Leben der ländlichen Bevölkerung.“ So hat er die Görsdorfer Wehr immer durch ehrenamtliche Arbeit oder Spenden unterstützt, vor allem die Jugendfeuerwehr. Das neue Gerätehaus hat er mit geplant, die Bauüberwachung der 96-Stunden-Aktion im Jahr 2005 übernommen, eine Handdruckspritze, wie sie die Görsdorfer früher besaßen, gekauft und dem Museum zur Verfügung gestellt sowie bei Archivierung, handwerklichen Arbeiten und der Ausstattung im Museum immer sonnabends mit anderen aus dem Ort mitgewirkt. Jetzt bemüht er sich, von der Stadt Storkow den Barkas zurückzubekommen, der einst in Görsdorf im Einsatz war. Gemeinsam mit Rainer Heiden und Wilfried Lengert steht er regelmäßig abwechselnd zu Führungen bereit. Sein Wissen dazu hat er dem Ortswehrführer André Pfeiffer und dem Jugendwart Sven Drogan zu verdanken.

Wiedereröffnung am 6. Juni von 12 bis 15 Uhr – dann immer am ersten Sonnabend des Monats, Führung nach Absprache mit der Tourist-Information Storkow, 033678 683 oder Manfred Karsch 033678 60701

Sechs Fragen an Manfred Karsch

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?Meine Schulzeit im Internat von 1970 bis 1974 in Neubeuern.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?Die Erweiterung des Feuerwehr-Gerätehauses für ein zweites Fahrzeug und die Jugendfeuerwehr.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Einen Enkel, und der ist jetzt auch unterwegs.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?Nein, ich bin mit meinen Erfahrungen sehr glücklich. Außerdem sollte ich doch auch mal Platz für die nächsten Generationen machen.Das ist schließlich das Gesetz des Lebens.

Träumen Sie gern?Ja. Nachts.

Was hält Sie in Ihrer Wahl-Heimat, was zog Sie her? Die guten Nachbarn. Und die wunderschöne Umgebung in unserer Oder-Spree-Region.