Gastronomie: Aus für „Tiefer See“ – Nachfolger für Gaststätte in Ranzig gesucht

Lebensgefährtin Pia Paulicke half Frank Kraus jahrelang mit im "Tiefen See". Nun verkauft er Haus und Gaststätte.
privatDer Frankfurter wollte damals endlich ruhiger leben. Er war früher leidenschaftlicher Boxer. Bei den DDR-Meisterschaften 1976 in Schwerin hatte er mit dem ASK Frankfurt Gold geholt. Ein Siegerbild von damals hängt heute im Imbiss-Pavillon seiner Gaststätte am Tiefen See im Taucher Ortsteil Ranzig. Zwischen alten Boxhandschuhen und zahlreichen Bildern mit Box-"Schwergewichten“ wie Henry Maske und Axel Schulz.
Frank Kraus ist ausdauernd. Das brachte ihm der Sport bei. Gelernt hatte er Instandhaltungsmechaniker im Halbleiterwerk, das mit dem ASK kooperierte. 1978 beendete er seine Boxkarriere nach einer Handverletzung und ging – „als erster von uns Boxern“, sagt er heute, da ihm mehrere Kollegen nachgefolgt sind – in die Gastronomie. Diskothek „Bellevue“ in der ehemaligen Frankfurter Stadthalle, später „Pflaumenbaum“ und „Kartoffelhaus“ – war alles sehr erfolgreich“, sagt er stolz. 2007 aber suchten er und seine Lebensgefährtin Pia Paulicke nach einem ruhigeren Leben. Zufällig entdeckten sie beim Vorbeifahren das Schild „Zu verkaufen“ am Tiefen See. Sie schauten es sich an, überlegten eine Woche und sagten zu. Kauften die Gaststätte und das Nachbarhaus und zogen aufs Land. Nach Vorarbeiten, Sanierung und neuer Gestaltung eröffnete das „Tiefer See“ zu Ostern 2008. Bis zu 150 Personen finden hier Platz – auf der Terrasse mit Seeblick, im Innenraum oder im schattigen Biergarten.
Als eine der wenigen Einkehrmöglichkeiten entlang des Spree-Radwegs und der B87 erfreute sich der „Tiefe See“ wachsender Beliebtheit. „Es wurde jedes Jahr mehr“, erzählt Kraus. Aus dem geplanten „Ruhiger-Treten“ von 2007 wurde nichts. Beeskower kämen zwar selten, aber Touristen immer zahlreicher. Im Corona-Jahr besonders viele, auch während der Innenraum-Schließung am Imbiss. Paulicke und drei Mitarbeitende unterstützen Kraus. Er selbst übernahm die Küche und Organisation. „Die Vorbereitung ist das A und O, wie beim Sport früher das Training“, betont er. „Ich war immer da.“ Dafür blieb kaum Zeit für Privatleben in den Sommermonaten. Nun, kurz nach seinem 65. Geburtstag, ist ihm bewusst: „Ich habe viel nachzuholen.“
Zwei Mitarbeiter sind schon seit neun Jahren dabei. Als Rentner wollen und können aber auch sie nicht mehr voll eingesetzt werden. Neue Saisonkräfte zu finden aber erwies sich für Kraus in den letzten Jahren als echtes Problem: Mit Abiturienten habe er sehr gute Erfahrungen gemacht, aber die gehen ja dann zum Studium und zur Ausbildung fort. Fachkräfte fehlen in der Region. Und die wenigen Bewerber, die doch zu ihm kamen – ob von der Arbeitsagentur oder aus eigenem Bestreben –, schreckte der Stress ab. „Das müssen wir vier ausgleichen“, erklärt er die Lage. Darum begrenzte er die Öffnungszeiten. Obwohl es ihm leid tut für Urlauber, die am Abend kommen. Aber: „Wir sind alle am Ende hier.“
Das Haus steht zum Verkauf
Kraus ist stolz darauf, wie sich das „Tiefer See“ entwickelt hat. Und seinen Mitarbeitern ist er sehr dankbar: „Ohne sie hätte ich hier gar nicht öffnen können!“ Aber jetzt möchte auch er mal wieder „das schöne Wetter genießen“. Und sucht für die nächste Saison einen Nachfolger: Gaststätte und Wohnhaus stehen zusammen zum Verkauf. Kraus wünscht sich junge Kreative, die aber auch die Familien als wichtige Zielgruppe weiter im Blick haben. Statt erst am 3. Oktober beendet er nun schon am 30. August seine letzte Saison am Tiefen See. Er will sie ausklingen lassen und sich gern persönlich von Stammgästen verabschieden.