Das weiße Häuschen erinnert an eine Gartenlaube. Es steht versteckt im Schatten des gelb leuchtenden Supermarkts. Hier, unweit des Schwielochseeufers, gibt es täglich frische Pizza.
Viereinhalb Minuten wird eine belegte Teigplatte gebacken. Wenn viel los ist, laufen zwei Röhren. An der Außenwand des Ofens kleben als Metallmagneten, was ein Pizzabäcker eben braucht: Herzen und Hände.
Als die einstige Betreiberin Petra Schmude letztes Jahr aus Altersgründen Nachfolger suchte, achtete sie auch darauf, dass es ein Familienbetrieb bleibt.  So entschied sie sich für die Jakopaschks aus Pieskow. Man kannte sich, denn die Familie war Stammkunde. Anfang dieses Jahres haben sie die Pizzeria zwar neu eröffnet, dabei jedoch Schmudes Konzept komplett übernommen: die abendlichen Öffnungszeiten wie die Pizza-Speisekarte.
Schlauer Schachzug
Eine junge Kundin verlässt mit einem Karton den Laden und steigt zu einem Begleiter ins Auto: "Es gibt eine neue Betreiberin", ruft sie ihm von weitem zu. "Aber nicht schlimm, ist alles so wie früher, auch die gleichen Pizzen." Also offenbar eine kluge Entscheidung.
Doreen Jakopaschk, die neue Herrin der Goyatzer Pizzen, ist gelernte Fleischverkäuferin. Der Kontakt mit den Kunden ist der Pieskowerin  seit jeher vertraut. Zuletzt hatte sie bis August im benachbarten Supermarkt in Goyatz gearbeitet. Als sie dann arbeitslos wurde, kam ihr die neue Herausforderung gerade recht.
Seit Mai stand die Übernahme fest, dann hatte sie ein halbes Jahr Zeit für Behördengänge und Weiterbildungen. Führungszeugnis, Ausschankgenehmigung – alles ging überraschend schnell, erzählt Jakopaschk: "Man sagte mir, das dauere Wochen, dann war es in drei Tagen fertig." Seit September konnte sie sich einarbeiten.
Am 3. Januar stieg die große Eröffnungsparty. An diesem Tag gingen in vier Stunden mehr als 160 Pizzen über die Theke, natürlich liefen beide Öfen. Es halfen nicht nur Mann und Tochter, sondern auch die Eltern und Freunde. Dass Bekannte aus Pieskow Freibier mitbrachten und ausschenkten, freute Jakopaschk besonders: "Es waren wirklich alle lieben Menschen da!"
Wenn die Jakopaschks um 17 Uhr öffnen, haben sie schon eingekauft und Teig vorbereitet: Wochentags brauchen sie 15 Kilo, am Wochenende 30 Kilo pro Tag. Für eine kleine Pizza werden 230 Gramm verarbeitet, für eine Jumbo-Pizza schon 600 Gramm. Der Pizzeria-Parkplatz füllt sich dann schnell mit Kunden, die Bestellungen aufgeben und abholen. Einen Lieferservice gibt es nicht. "Meine Vorgängerin Frau Schmude hatte das am Anfang mal probiert", erklärt Jakopaschk. Aber rentiert habe sich das nicht. Und wer sollte dann fahren? Ihr Mann Heiko hat noch einen anderen Beruf und hilft nur abends mit aus. Erst ab April will die Familie ganz auf die Pizzeria setzen – zum Beginn der Sommer- und Ausflugssaison. Dann will sie auch ihren Mann fest anstellen.
Als nächstes schleppen zwei Jugendliche einen Stapel Pizzakartons aus dem Laden. Eine Jumbo und sechs Normale für einen gemütlichen Kumpelsabend. Die meisten Kunden bestellen gleich mehrere Pizzen, bestätigt auch Jakopaschk. Besonders populär sei die "Oase" mit Brokkoli, Schinken und Sauce Hollandaise. Die mag auch sie selbst am liebsten.
Doreen Jakopaschk will an dem bewährten Konzept  nichts verändern. "Wir überlegen, ob wir noch mittags öffnen, für die Oberschüler hier nebenan", sagt sie, "ab März machen wir vielleicht noch eine Pizza des Monats." Aber mehr nicht, es läuft ja gut.
Alle drei Minuten klingelt bei ihr das Telefon: Bestellung aufnehmen, an den Ofen pinnen, belegen, backen, auf Abholung warten. Die 45-Jährige hat sichtbar Freude an ihrer neuen Aufgabe: "Ja, ein paar Jahre will ich das jetzt machen, wenigstens bis zur Rente." Mit Herz und Hand eben.