Gesundheit: Neue Unterstützer für die Helfenden Hände

Kaffee und Kuchen auf dem Marktplatz: Horst Klemens (Mitte) am Stand von Bernd Chall (l.) und Jörg Pratsch vom Verein Helfende Hände. Im Hintergrund links sind die Schautafeln der Beeskomm gGmbH zu sehen.
Bernhard SchwieteHorst Klemens lässt sich sein Stück Kuchen schmecken und wärmt sich mit einer Tasse Kaffee. Wie jeden Tag hat sich der 79-Jährige aus Reichenwalde, wo er bei der Hoffnungstaler Stiftung wohnt, mit dem Bus auf den Weg nach Storkow gemacht. Normalerweise steuert er dort die Ernst-Thälmann-Straße an, um sich im Treff des Vereins Helfende Hände beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel die Zeit zu vertreiben und soziale Kontakte zu pflegen. An diesem Montag aber führt ihn sein Weg stattdessen auf den Marktplatz. Dort beteiligen sich die Helfenden Hände am verrückten Straßencafé. Dessen Veranstalter, die gemeinnützige Beeskomm GmbH, hat den Verein dazu eingeladen.
Kostenloser Mittagstisch
Der Vereinsvorsitzende Jörg Pratsch und Bernd Chall betreuen den Stand. Im Alltag bieten die Helfenden Hände in ihrem Treff nicht nur die Möglichkeit zum gemeinsamen Spiel, sondern auch von dienstags bis freitags einen Mittagstisch – finanziert durch Mitgliedsbeiträge und vor allem Spenden und daher kostenlos. Sonnabends kann bei den Helfenden Händen gefrühstückt werden. „Wir wollen bei uns verschiedene Schichten zusammenführen und so einer Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken“, sagt Pratsch. Daher stehe der Mittagstisch, anders als zum Beispiel das Lebensmittelangebot der Tafel, jedermann offen, unabhängig von Berechtigungsscheinen. Chall verweist stolz auf Erfolge. "Mit unserer Hilfe sind schon zwei Menschen von Drogen weggekommen“, erzählt er.
Vor allem um psychisch Kranke Menschen kümmert sich die Beeskomm gGmbH, die das verrückte Straßencafé anlässlich des Welttages der seelischen Gesundheit initiiert hat. Vergangene Woche hat die Organisation bereits auf dem Beeskower Marktplatz ihre Pavillons aufgebaut, nun ist Storkow an der Reihe. Beeskomm bietet dort außer ambulant betreutem Wohnen jeden Mittwoch seine Kontakt- und Beratungsstelle im Beratungszentrum in der Rudolf-Breitscheid-Straße an. Beim Straßencafé will Beeskomm Berührungsängste abbauen, unter anderem mit einem Quiz. Dabei werden berühmte Persönlichkeiten genannt: Vincent van Gogh, Lady Gaga, George Washington, Amy Winehouse, Ludwig van Beethoven, Harald Juhnke und Angelina Jolie. Deren Gemeinsamkeit: Sie alle waren oder sind von psychischen Erkrankungen betroffen.
Mit der Resonanz auf das Café ist Beeskomm-Mitarbeiterin Jenny Remus zufrieden. "Viele Besucher haben bekundet, vorher gar nichts von uns gewusst zu haben“, berichtet sie. Unter den Gästen auf dem Markt sind aber auch Menschen, die regelmäßig die Beeskomm-Angebote wahrnehmen. „Seit zwei Jahren besuche ich regelmäßig die Kontaktstelle. Ich kann dort andere Menschen treffen und bin dadurch weniger isoliert“, erzählt ein Mann aus Fürstenwalde, der seinen Namen nicht nennen will. In anderen Situationen im Alltag erlebe er leider oft auch Ausgrenzung.
Nebenan, bei den Helfenden Händen, ist etwas weniger los. Vereinschef Pratsch ist mit dem Tag trotzdem zufrieden. „Ich habe neue Netze geknüpft und mit einigen Menschen gesprochen, die uns künftig finanziell unterstützen wollen“, sagt er. „Auch das ist wichtig für uns.“
Beeskomm gGmbH
Die gemeinnützige Beeskomm GmbH kümmert sich um Menschen mit psychischen, kognitiven und auch körperlichen Beeinträchtigungen. In Beeskow bietet sie stationäre Betreuung an. Ambulante Hilfen gibt es auch in Storkow und Frankfurt sowie auf den Dörfern in der Umgebung der drei Städte. Dazu kommen Beratungsstellen mit offenen Angeboten. Insgesamt betreut die Beeskomm gGmbH aktuell etwa 80 Klienten. ⇥bs