Heimatheft: Fischfang und Gemeinschaft

Echte Kietz-Kenner: Klaus Piesker (links) hat ein Heimatheft über den Kietz und seine Fischer geschrieben, Heinz Kraemer, selbst Fischer, half bei den Recherchen.
Jörn TornowDer Hecht war über Jahrhunderte ein ganz wichtiger Fisch für die Bewohner des Beeskower Kietzes. Mit großen Fischen von einem Meter Länge zahlten sie ihre Steuern. Doch auch Weißfische wurden geschätzt, waren sie doch ein wichtiges Grundnahrungsmittel für viele Teile der Bevölkerung und somit eine wichtige Einnahmequelle der Fischer. Die hatten Fang und Vermarktung der Tiere streng geregelt. Über ein Losverfahren wurde festgelegt, wer in welchem Spreeabschnitt seine Netze auswerfen durfte, wer für den Fischverkauf zuständig war, wer das Geld einsammelte. Und selbst bei der Familienplanung hatte die Gemeinschaft der Kietzfischer Einfluss. „Heiratet ein Meister eine Frau von außerhalb, so muß er zur Gemeindekasse für selbige einzukaufen 15 Silbergroschen zahlen“, heißt es in den Regeln der Fischergemeinde. Diese Regeln sicherten allen Fischerfamilien einen bescheidenen Wohlstand.
„Eine starke Gemeinschaft“ waren die Fischer vom Kietz. Und genau so hat Klaus Piesker das 28. Beeskower Heimatheft benannt, in dem er über die Besiedlung des Kietzes schreibt, aus dem Alltagsleben der Fischer berichtet. Piesker ist selbst auf dem Kietz aufgewachsen, ein Nachkomme aus der Gemeinschaft. Und natürlich ist er auch Fischer, war unter anderem Direktor der Ingenieurschule für Binnenfischerei in Storkow–Hubertushöhe und ist seit 2011 Vizepräsident des Landesanglerverbandes.
Zur Vorstellung des Heimatheftes waren in dieser Woche viele heutige Kietzer in die Bibliothek Kupferschmiede gekommen. Einige von ihnen haben den Autor bei seiner Arbeit unterstützt, alte Unterlagen zur Verfügung gestellt und über ihre Familien und Traditionen erzählt. All das kann man nun im Heft nachlesen. Berichtet wird über die ursprünglich slawische Besiedlung des Kietzes, die gesellschaftliche Stellung der Bewohner, ihr Verhältnis zu Beeskow und zur Burg. Klaus Piesker berichtet auch über den Alltag der Menschen, ihre Feste und Traditionen. Bemerkenswert sind zudem die zahlreichen historischen Abbildungen, die belegen, wie sich Kietz und Stadt verändert haben. Mit der Begradigung der Spree von 1902 bis 1912 wurde der Kietz durch Aufschüttungen größer. Das Grundstück, auf dem heute das Ruderbootshaus steht, ist beispielsweise erst damals entstanden. Die kleine Spree hatte ebenfalls ein anderes Gesicht. Dort befanden sich die Liegeplätze der Fischerkähne.
Das Heimatheft ist in einer Auflage von 200 Exemplaren erschienen. Zum Preis von 5.50 Euro ist es in der Beeskower Bibliothek erhältlich. Der Verein Kupferschmiede, der als Herausgeber der Heimathefte fungiert, hat zudem zahlreiche vergriffene Titel der Reihe nachdrucken lassen. Damit sind derzeit wieder alle bisher erschienenen Hefte erhältlich. Bibliothekschefin Ines Pöschke sichert eine Fortsetzung der Reihe zu. Das nächste Heimatheft wird sich mit dem Beeskower Männerchor beschäftigen.
Einen Überblick über die bisher erschienen Hefte findet man unter www.bibliothek.beeskow.de/publikationen.
