Heimatkunde
: Blick auf Beeskows Anfänge

Eine Fachtagung zum Thema Archäologie am Wasser lockt am Wochenende Experten auf die Burg Beeskow.
Von
Ralf Loock
Beeskow
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Burg Beeskow: Wieland Kühl (12) betrachtet ein Stück Holz aus der Gründungsphase der Siedlung.

Ralf Loock

Mit dem Thema „Archäologie am, im und unter Wasser“ wird sich die Jahrestagung der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg vom 10. bis 12. Mai auf der Burg Beeskow beschäftigen. Zu der Veranstaltung werden bis zu 80 Teilnehmer erwartet, darunter viele ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger aus der Oder–Spree–Region, kündigt Dr. Thomas Kersting vom Landesamt für Archäologie an. Auf der Tagesordnung steht für Freitag um 19 Uhr ein öffentlicher einführender Vortrag von Jens Auer „Archäologie unter Wasser“.

Am Sonnabend folgen die Fachreferate — so wird unter anderem Lukas Goldmann slawische Inselbesiedlungen vorstellen (9 Uhr), Katja Winkler wird über die Renaturierung der Spreeauen berichten (10.30 Uhr) und Frank Slawinski stellt „Archäologisches Tauchen im Ehrenamt“ vor. Die Hitze im vergangenen Sommer eröffnet der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger in der Oder–Spree–Region bislang ungeahnte Möglichkeiten — so wird Karin Wagner über den Einsatz von Metalldetektoren in der Spree bei Niedrigwasser sprechen (14.30 Uhr). Für die Heimatforscher beachtenswert ist auch der Vortrag von Torsten Dressler zu den Forschungen im Schlosspark Glienicke. Für den Sonntag ist eine Exkursion zu Zielen im Umkreis von Beeskow unter Leitung von Martin Petzel angesetzt.

Und natürlich wird man sich auch mit der Burg Beeskow beschäftigen. Die Führung über das Areal wird Christian Ihle übernehmen, er hat jahrelang Ausgrabungen in der heutigen Kreisstadt geleitet und ist Kenner des mittelalterlichen Beeskows. Die Uhrzeit der Führung wird noch bekanntgegeben. Kristina Geisler vom heutigen Kulturzentrum des Landkreises auf der Burg macht Besucher gerne darauf aufmerksam, dass man neuerdings mit einem besonderen Fund aufwarten kann. Bei Bauarbeiten hat man vor wenigen Jahren einen Holzbalken in der Festungsmauer entdeckt, dessen Fälldatum dendrochronologisch auf die Zeit um 1247 bestimmt wurde. Dieses Holz wurde am authentischen Ort sichtbar eingebracht und kann heute von Besuchern betrachtet werden. Das Datum der Verleihung der Stadtrechte wird mit 1253 angegeben, allerdings fehlt jeder urkundliche Beweis. Aufgrund der neuen archäologischen Erkenntnisse kann man davon ausgehen, dass die Stadt einige Jahrzehnte älter ist. In der Region agierte um 1200 die Familie Strele, sie war in Storkow, Beeskow und Friedland aktiv. Storkow wurde bereits 1209 erstmalig erwähnt. Der Gegenpart zum Bereich Beeskow–Storkow war das Lebuser Land. Die Familie Strele musste zur Sicherung ihrer Herrschaft nach Norden Stützpunkte anlegen. In diesem Zusammenhang werden die Streles auch auf der Spreeinsel bei Beeskow eine Festung errichtet haben — ungefähr zwischen 1200 und 1225. Da Hölzer in der Spreestraße ins Jahr 1230 datieren und man davon ausgeht, dass sie zur Stadtgründung gehören, kann man also sagen, dass die Stadt von den Rittern von Strele um 1225 gegründet und befestigt wurde.

Zuhörer sind Willkommen

Den Ablauf kann man so rekonstruieren: Nach 1200 bauten die Ritter auf der Spreeinsel ihre Burg. Um 1225 wird Beeskow als Stadtgründung auf der grünen Wiese, nämlich auf dem anderen Spreeufer, errichtet. Man beginnt gleich mit dem Abstecken von Marktplatz, Kirche und Rathaus. Interessierte Zuhörer aus Beeskow sind laut Thomas Kersting bei der Tagung willkommen,  allerdings müsse man sich für die Angebote am Sonnabend und Sonnabend anmelden.

Mehr Information zur Archäologischen Gesellschaft in Berlin und Brandenburg unter www.agibb.de; Kontakt: Dr. Thomas Kersting 033702—2111500, E–Mail: info@agibb.de. Der öffentliche Vortrag zum Thema „Archäologie unter Wasser“ findet Freitag um 19 Uhr im Konzertsaal der Burg Beeskow statt.