Die aktuelle Hochwasserkatastrophe im Westen und Süden Deutschlands, die viele Regionen weitaus schlimmer getroffen hat als das Jahrhunderthochwasser der Oder 1997 Ostbrandenburg, ist oft näher als man denkt. Am Sonnabend ist in der Alten Schulscheune in Diensdorf-Radlow ein Auftritt der Band Stingchronicity geplant. Die Musiker spielen die Hits der 1970er-Jahre von Sting und Police. Die Band kommt aus dem Gebiet Neuenahr-Ahrweiler. „Das Haus eines Bandmitgliedes, der direkt im Ort Neuenahr-Ahrweiler wohnt, ist unbewohnbar, das Auto ein Totalschaden und im Umfeld der Band sind viele schreckliche Dinge passiert“, teilt der Förderverein Diensdorf-Radlow kurz vor dem Konzert über Facebook mit. Trotzdem habe die Band entschieden, das Konzert zu spielen.

Alte Schulscheune ruft zu Spenden auf und spendet selbst einen Teil der Konzerteinnahmen

Der Förderverein ruft jetzt zu einer Spendenaktion auf. Am Sonnabend, 24. Juli, ist es ab 14 Uhr möglich, in der Alten Schulscheune vor Ort Geld zu spenden. Der Verein selbst wird aus den Einnahmen des Konzertabends einen Teil spenden. Die gesammelten Spenden sollen direkt der Band mitgegeben werden, um sie vor Ort den gemeinnützigen Vereinen zur Schadensbeseitigung zur Verfügung zu stellen. Für das Konzert selbst, das am Abend beginnt, gibt es nur noch Restkarten.
Es gibt im Kreis auch einige weitere Hilfsaktionen. In Beerfelde hat die Feuerwehr Haushaltsmittel, Decken, Pflegeprodukte, Baustromkabel-Verlängerungen und Werkzeuge gesammelt. Die Aktion gilt als Teil einer Aktion aller Wehren im Amt Odervorland. Als den Feuerwehrmann, der das initiiert und koordiniert, nennt Kämmerin Helen Feichtinger von der Amtsverwaltung Jörn Patke aus Briesen.

Brandenburg hilft Unwetter-Opfern

Die Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen unter die Haut. So viele Opfer, so viel Zerstörung, so viele kaputte Existenzen. In Brandenburg lösen die weinenden Menschen vor ihren zerstörten Häusern Erinnerungen an die Hochwasser von 1997 und 2002 aus. Damals gab es eine bundesweite Welle der Solidarität, die die Not der Menschen gelindert hat. Jetzt ist es Zeit, davon etwas zurückzugeben. Deshalb rufen die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland zu einer Spendenaktion „Wir helfen“ auf.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Am Sonnabend, so der Plan, soll ein Transport mit vier bis sechs Fahrzeugen nach Rheinland-Pfalz aufbrechen.

Landkreis ruft ebenfalls zu Spenden auf

Zu Spenden hat auch der Landkreis Oder-Spree aufgerufen. Öffentlich allerdings beschränkt auf seiner Facebookseite. „Die schrecklichen Bilder aus den betroffenen Gebieten der Hochwasserkatastrophe wecken auch im Landkreis Oder-Spree schlimme Erinnerungen. Das Oderhochwasser 1997 löste bundesweit Betroffenheit, aber auch eine enorme Hilfsbereitschaft aus. Gegenwärtig leisten hunderte ehren- und hauptamtliche Einsatzkräfte Nothilfe. Wenn auch Sie unterstützen wollen, so können Sie eine Spende an das Bündnis der deutschen Hilfsorganisationen Aktion Deutschland Hilft richten“, heißt es da. Gewarnt wird vor spontanen Fahrten in die überfluteten Orte. „Auch wenn Sie es gut meinen: Bitte fahren Sie nicht auf eigene Faust in die betroffenen Gebiete, um zu helfen,“ schreibt der Kreis.

Feuerwehrhilfe wird landesweit koordiniert

Selbst habe man noch keine Hilfs- oder Rettungskräfte entsandt, sagt Christian Stauch, persönlicher Referent des Landrates. Das habe mehrere Gründe. Bei den Feuerwehrkräften beispielsweise werde der Hilfseinsatz landesweit koordiniert. Dabei sei entschieden worden, die Brandschutzeinheiten des Kreises Oder-Spree nicht für die Hochwasserhilfe anzufordern. Die Frauen und Männer werden hier vielfach bei der Fallwildsuche zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest gebraucht. Außerdem dürfe man die Waldbrandgefahr nicht unterschätzen, selbst wenn aktuell nur die Warnstufe 2 gelte. Auch bei Waldbränden sei Oder-Spree in Brandenburg immer besonders gefährdet. Beim Technischen Hilfswerk schaue man genau, welche Hilfsleistungen zu welcher Zeit sinnvoll seien. Der Ortsverband in Fürstenwalde sei in Bereitschaft.
Gleichwohl, so Stauch, habe man sofort nach dem Hochwasser Kontakt zur Partnerstadt Krefeld aufgenommen. Dort aber sei die Lage beherrschbar und externe Hilfe nicht nötig gewesen. Zu spüren bekommen haben die Krefelder das Hochwasser dennoch. Die Rheinische Post berichtete von 3000 Anrufen in der Leitstelle der dortigen Feuerwehr innerhalb einer Nacht, mehr als 800 seien Notrufe gewesen. Mehrere Anrufer meldeten, dass sie mit ihren Fahrzeugen in überfluteten Unterführungen stecken geblieben waren, viele Keller waren voll Wasser gelaufen, ein Gymnasium wurde in Teilen überflutet.

Beeskows Partnerstadt Kamen auch betroffen

Etwas schlimmer hat es die Beeskower Partnerstadt Kamen getroffen. Dort ist durch das Hochwasser auch ein Todesfall zu verzeichnen. Ein 77-Jähriger starb in seinem überfluteten Keller. In der Stadt waren rund 100 Kräfte der Feuerwehr eingesetzt. Wie die Stadt Kamen mitteilte, waren Einsatzschwerpunkte vor allem entlang der Seseke. Dort bestand die Gefahr einer Überflutung, sodass an einigen Stellen die niedrigen Uferabschnitte mit Sandsackbarrieren verstärkt und erhöht wurden. Auch in Kamen liefen viele Keller voll Wasser. Im Ortsteil Methler kam es zu einem Stromausfall. Ein Schweinehof geriet in Not, denn durch den Stromausfall war die Lüftung der Ställe außer Betrieb gesetzt und circa 1000 Schweine drohten zu ersticken. Alle Tiere konnten gerettet werden.
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