Hund in Beeskow: Beagle-Mix schwer verletzt – eine zweite Chance und viel Liebe für Lucky

Beagle-Mix Lucky wurde in Beeskow gefunden. Mehrere tierärztliche Eingriffe retteten dem Rüden vermutlich das Leben.
Marcel GädingAls es an der Tür klingelt, ist es mit dem Nickerchen auf dem gemütlichen Fernsehsessel vorbei. Lucky springt sofort auf, rennt schwanzwedelnd hinter seiner neuen Besitzerin hinterher und begrüßt den neuen Besuch wie einen alten Bekannten. Kurzes Schnuppern, dann ist klar: Die Luft ist rein. Innerhalb weniger Augenblicke lässt sich der Mischlingsrüde kraulen, genießt jede Streicheleinheit. Dass er Fremden gegenüber so zutraulich ist, verwundert. Denn Lucky hat in seinem ersten Leben einiges durchgemacht. Vermutlich in Folge eines Unfalls wurde der Hund übel zugerichtet, musste wochenlang in einer Tierarztpraxis behandelt werden.
Sylvia Schlauß hatte sich damals in ihrer Pause die MOZ gegriffen, gedankenverloren darin geblättert. Im Lokalteil entdeckte sie schließlich die Geschichte von Lucky, der an einem Sonntag Mitte November an der Hafenstraße in Beeskow von einer Passantin aufgelesen wurde. Seine schweren Verletzungen am Kopf deuteten darauf hin, dass dem Vierbeiner Schlimmes widerfahren sein muss. Eine Tierschützerin brachte den Hund in einer Tierarztpraxis, wo er notversorgt wurde. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma und Verletzungen an der Halswirbelsäule. Klammern in der Schädeldecke und an seiner Nase zeugen noch von den Eingriffen.
Hund aus Beeskow: Schicksal des Vierbeiners lässt Tierfreundin keine Ruhe
„Wie kann man einem Tier so etwas antun?“, fragt sich Sylvia Schlauß noch heute. Das Schicksal des Rüden, dessen Alter auf gut fünf Jahre geschätzt wurde, ging an der Storkowerin nicht vorbei. Kollegen ermunterten sie schließlich, dem Beagle-Mix ein neues Zuhause zu geben. Denn das Ordnungsamt Beeskow suchte händeringend nach einer Bleibe für den Hund. „Nach Feierabend sprach ich mit meinem Mann darüber“, berichtet die Baumarkt-Angestellte. „Der sagte: Ruf doch in Beeskow an.“ Der Gatte wusste ganz genau: Wenn seine Frau in die Kreisstadt fährt, kommt sie nicht allein zurück.
Vier Wochen ist das alles jetzt her. Und wie es scheint, hat sich Lucky gut von seiner Odyssee erholt. Ob er von einem Auto oder Zug angefahren wurde oder ob ihm seine früheren Besitzer Gewalt antaten, weiß nur er. Inwiefern der Hund einem früheren Besitzer zugeordnet werden kann, der womöglich eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erhält, dazu nehmen die zuständigen Behörden keine Stellung.

Lucky nach seiner ersten tierärztlichen Behandlung in Beeskow. Diagnose bei dem Fundhund: Schädel-Hirn-Trauma und Verletzungen an der Halswirbelsäule.
Stadt Beeskow (Archiv)Als Sylvia Schlauß den Hund zu sich nahm, erhielt sie von ihrem Arbeitgeber frei. So blieb Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und die notwendige Ausstattung zu besorgen, darunter Körbchen, Fressnäpfe, Spielzeug und Futter. „Wir hatten immer Hunde“, berichtet Sylvia Schlauß. Der erste hieß ebenfalls Lucky, die letzte – Aika – starb vergangenes Jahr nach zwölf glücklichen Hundejahren in ihrer Storkower Familie. „Die Trauer um sie ist groß, und eigentlich waren wir noch gar nicht bereit für einen neuen Hund“, sagt Sylvia Schlauß.
Streicheleinheiten für Hund Lucky auf der Couch
Lucky II brachte mächtig Wirbel in das Leben von Sylvia Schlauß und ihrem Mann Lutz. Kaum betrat er das Einfamilienhaus in einem Storkower Ortsteil, eroberte er sich seine Lieblingsplätze. „Dazu gehört der Fernsehsessel meines Mannes“, berichtet Sylvia Schlauß. Sobald sich der Gatte aus dem gemütlichen Möbel erhebt, springt Lucky rauf und macht es sich bequem. „Beim Fernsehen liegt er oft neben mir auf der Couch, lässt sich den Bauch kraulen“, sagt seine neue Besitzerin. Lucky genießt diese Zeit, jede einzelne Streicheleinheit. Vermutlich bekam er noch zuvor in seinem ersten Leben so viel Aufmerksamkeit und Liebe wie jetzt.

Lucky auf dem Fernsehsessel in seinem neuen Zuhause. Vor vier Wochen irrte er noch schwer verletzt durch Beeskow.
Marcel GädingVor Kurzem wurden die letzten Fäden bei Lucky gezogen, die Wunden sind gut verheilt und das Fell wächst wieder nach. „Das ist so ein lieber, knuffiger Kerl“, schwärmt seine neue Besitzerin. Er sei sehr zutraulich und absolut verschmust. „Wenn ich mit dem Kraulen aufhöre, hebt er die Pfote, als wolle er mir damit mitteilen, dass sich nicht aufhören soll.“
Jetzt, da Medikamente und viel Liebe ihre Wirkung zeigen, steht das nächste Abenteuer für Lucky an. Bislang war an Spaziergänge in der Natur nicht zu denken, weil die Gefahr bestand, dass die geklammerten und genähten Wunden aufreißen würden. Nachdem alles gut verheilt ist, steht langen Spaziergängen nichts mehr im Wege.


