Tierheim Märkisch Buchholz
: Hunde-Brüder Odin & Freki – zwei Riesen suchen ein Heim

Halbverhungert aus liebloser Zucht befreit im Tierheim zu landen, ist gewiss nicht der Traum eines Welpen. Zwei betroffene Pyrenäenberghunde hoffen in Märkisch Buchholz auf einen Neuanfang mit Herz.
Von
Jens Olbrich
Märkisch Buchholz
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Tierheimleiterin Manuela Budich mit Odin und Pflegerin Sara-Marie Hellwig mit Freki. Die beiden Pyrenäenberghunde genießen es, ausgeführt zu werden.

Tierheimleiterin Manuela Budich mit Odin und Pflegerin Sara-Marie Hellwig mit Freki. Die beiden Pyrenäenberghunde genießen es, ausgeführt zu werden.

Jens Olbrich

Mit kraftvoller Behäbigkeit traben Odin und Freki durch den großen, bewaldeten, gleich rechter Hand vom Eingang des Tierheims Märkisch Buchholz gelegenen Freilauf und kündigen jeden unbekannten Besucher mit lautem, dumpfen Bellen an. Die Anleihen für die aus der nordischen Mythologie stammenden Namen sind berechtigt, die Hunde-Brüder sind wahre Riesen und Odin macht dem Namen des Göttervaters alle Ehre: „Er ist der Rudelführer da draußen. Er ist der, der das Sagen hat“, bestätigt Heimleiterin Manuela Budich.

Dass sich die angeblichen Züchter nicht gerade mit fürsorglicher Hingabe um den Nachwuchs ihrer Pyrenäenberghunde gekümmert haben, bestätige sich Manuela Budich zufolge schon dadurch, dass sie sich, von Mitarbeitern des Veterinäramtes vor die Wahl zwischen Auflagen oder Übereignung gestellt, für letztere entschieden. Den Zustand, der sich den Amtstierärzten im Schuppen der herzlosen Züchter geboten haben muss, und der sie zu dieser harten Forderung bewog, mag man sich gar nicht vorstellen.

Sechs Pyrenäenberghunde kamen zugleich ins Tierheim Märkisch Buchholz

Glück im Unglück hatten die sechs vom Wurf übrigen Rüden, da sie im Tierheim Märkisch Buchholz landeten, wo man sich liebevoll und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln kümmert. Ein halbes Jahr alt seien die September 2022 geborenen Welpen gewesen, als sie in die Betreuung des Tierheims übergeben wurden.

Pyrenäenberghund Odin legt Manuela Budich auch schon mal die Pfoten auf die Schultern. Ein "Kunststück", welches sein Bruder Freki ebenfalls mühelos beherrscht.

Pyrenäenberghund Odin legt Manuela Budich auch schon mal die Pfoten auf die Schultern. Ein "Kunststück", welches sein Bruder Freki ebenfalls mühelos beherrscht.

Jens Olbrich

„Dann hatten wir auf einen Schlag sechs Pyrenäenberghunde“, so die Heimleiterin. Vier davon, Wotan, Thor, Loki und Asgard, seien schon vergeben. „Göttervater Odin und Freki sind halt die letzten, die noch da sind.“

Pyrenäenberghunde nicht zu vergleichen mit Standard-Rassen

„Schön wäre, wenn sie zusammenbleiben könnten, die hängen sehr aneinander“, meint Manuela Budich. Die Zeit im Tierheim habe die beiden zusammengeschweißt. Die Hoffnung gäbe sie nicht auf, weiß aber auch, dass es fast unmöglich ist. Aus der Pubertät seien Odin und Freki noch nicht ganz raus, erziehungstechnisch sei also noch einiges zu richten.

Im Hinterkopf sollten Interessenten dabei behalten, dass Herdenschutzhunde doch etwas anders sind als Schäferhunde. „Pyrenäenberghunde sind nicht zu vergleichen mit normalen Standard-Haushund-Rassen. Die sind für eigenständiges Handeln gezüchtet. Daher sind sie nicht ganz so einfach zu nehmen.“

Tierheim Märkisch Buchholz: Friedfertiges Miteinander möglich

Grundkommandos wie Sitz, Platz, Bleib, Komm, Fuß und Bring Stöckchen befolgt, Manuela Budichs Einschätzung zufolge, ein Herdenschutzhund nicht unbedingt. „Der überlegt sich zweimal, ob er echt seine Kraft dafür aufwenden soll, einen Ball zu holen oder lieber darauf zu warten, dass der Wolf kommt und dafür seine Kraft einzusetzen.“

Ein friedfertiges Miteinander mit Menschen ginge auf jeden Fall klar und ließe sich auch mit anderen Tieren realisieren. Thor, ein bereits vermittelter Bruder der beiden Hunderiesen, sei auf einem Pferdehof untergekommen und ist dort voll in Hof und Familie integriert.

Pyrenäenberghunde suchen Besitzer: Standfestigkeit ist gefragt

Vom Wesen her lieben Odin und Freki Menschen und sind vernarrt in Streicheleinheiten und sehr anhänglich. Wie sehr, beweisen die beiden dann auch sofort, als Manuela Budich und Pflegerin Sara-Marie Hellwig die Hunde zum Fotoshooting aus dem Zwinger holen. Die Hunde freuen sich unbändig und richten sich am Gitter auf, damit so viel wie möglich gestreichelt werden kann.

Pflegerin Sara-Marie Hellwig mit Freki, dem "ruhigeren" der Pyrenäenberghund-Brüder. Eine Ruhe, die täuschen kann, denn schon im nächsten Moment kann dem Riesen eine Idee durch den Kopf gehen und dann ist Kraft gefragt.

Pflegerin Sara-Marie Hellwig mit Freki, dem "ruhigeren" der Pyrenäenberghund-Brüder. Eine Ruhe, die täuschen kann, denn schon im nächsten Moment kann dem Riesen eine Idee durch den Kopf gehen und dann ist Kraft gefragt.

Jens Olbrich

Standfestigkeit ist gefragt. „Kraft sollte man schon haben und aufpassen muss man, damit man nicht gerade plattgewalzt wird, weil sie einem auf den Arm springen wollen“, erklärt die Chefin des Tierheims und stemmt sich in die Leine des sich unbändig freuenden Odin.

Pyrenäenberghunde im Tierheim Märkisch Buchholz suchen Heim

Gesund seien sie beide, bekommen auch normales Futter. Davon aber nicht wenig. Pro Tag eine Kilogramm Dose Nassfutter plus Trockenfutter. Gebürstet werden müssen die Gebirgshunde, wenn es ins Frühjahr geht, ebenfalls.

Kontakt Tierheim Märkisch Buchholz:

● Am Tierheim 1, 15757 Halbe

● Tel.: 033765 80689

● E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de

„Die haben halt Unterwolle. Es ist viel Fell, weil es ist ja auch viel Hund“, erklärt Manuela Budich während sie versucht, Odin fototauglich vor die Linse zu setzen. Das gelingt nicht hundertprozentig und erinnert etwas an ein turbulentes Fotoshooting mit Welpen, passt aber irgendwie zu der Erklärung mit dem Fell: viel Hund, viel Freude!