Insekten: Weichensdorfer kämpfen gegen ungekannte Kohlwanzen-Plage
Kathrin und Michael Schukar sind verzweifelt. Sie leben schon lange am Rapsfeld in Weichensdorf, aber das ist neu: Seit drei Wochen werden ihr Garten und Grundstück von Kohlwanzen überrannt. Manchmal zappeln sie sogar noch im Geschirrspül-Schaum, erzählt Kathrin Schukar.
Schädling und Lästling
Aufgefallen waren die Käfer durch ihren Geruch, als es noch weniger waren. Kohlwanzen haben einen ausgeprägten Gefahrensinn und flüchten, sobald sie sich bedroht fühlen. Dabei sondern sie ein braun-grünes Sekret ab, das stark riecht. Im Schuppen der Schukars kann man dem Geruch buchstäblich nachspüren.
Die Kohlwanze ist ein Schädling für Nutzpflanzen wie Kohl, Rüben, Rhabarber und Radieschen. Und Raps. Und vom angrenzenden Rapsfeld der Agrargenossenschaft Günthersdorf haben die Tiere auch den Weg zu den Schukars sowie deren Nachbarn gefunden. Obwohl der Raps mittlerweile trocken steht, hängen auch dort dutzende Tiere an jeder Pflanze. „Wenn es warm ist und die Sonne scheint, sind sie besonders aktiv“, erzählt Michael Schukar. „Wenn wir sie wegkehren und in einem Eimer Wasser wegkippen, ist die Terrasse in spätestens einer Stunde wieder voll.“ Kohlwanzen sind für den Menschen nicht schädlich, sie sind sogenannte Lästlinge: eklig, unangenehm. Lästig eben.
Bei den Betroffenen hinterlässt die neuartige Plage ebenso viel Ratlosigkeit wie bei Behörden. Marienkäfer, Heuschrecken, Laufkäfer – die sind bekannt. Aber Kohlwanzen? Das ist weder dem Pflanzenschutzdienst des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung noch dem Landwirtschaftsamt des Kreises Oder-Spree bekannt. In seiner Hilflosigkeit stellte Schukar den Behörden telefonisch Ultimaten, um sie zu Besuchen zu bewegen.
Erst kam der für Oder-Spree zuständige Pflanzenschutzdienst aus Waldsieversdorf. Die Mitarbeiterin konnte jedoch nur praktische Tipps zum Schutz geben: Insektennetze, vielleicht einen Industriestaubsauger. Der Landwirt darf sein Feld auf keinen Fall chemisch behandeln, denn dann verlöre er nicht nur Fördermittel, sondern ihm drohten auch hohe Strafen durch das Umweltamt.
Die Schukars möchten auch nicht spritzen. „Wir wollen doch gesundes und frisches Gemüse ernten“, erklärt Schukar. „Aber ob wir unsere Tomaten und Bohnen überhaupt noch verarbeiten können?“ Die Kohlwanzen saugen an den Stängeln und Blättern der Pflanze. Mit der Zeit werden diese dann welk und fallen ab. Die Tiere legen im Juni Eier an den Wirtspflanzen ab. Falls sie das nicht nur am Raps, sondern auch auf dem Grundstück getan haben und der kommende Winter wieder mild wird, könnte die Population die Schukars auch im kommenden Jahr noch belästigen. Das musste ihnen auch der Pflanzenschutzdienst so mitteilen.
Zweite Wanzen-Welle?
Gerd Piefel, Leiter des Landwirtschaftsamtes Oder-Spree, konnte auch nur – nach mehrmaligem Bitten der Schukars und einem Vor-Ort-Besuch – dem Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, Dennis Radlow, das Versprechen abringen, das Rapsfeld noch am Freitagnachmittag mähen zu lassen. Auf Anrufe der Schukars hatte der Landwirt seit Tagen nicht reagiert, weil die Ernte der Gerste ihn voll beanspruchte.
Das Gesundheitsamt hatte Schukar kontaktiert. Aber das ist nicht zuständig, weil die Kohlwanze nicht gesundheitsschädlich ist, erklärt Piefel, der auch noch nie mit Kohlwanzen zu tun hatte. Andere Plagen, wie vor Jahren die Marienkäfer, seien oft scheinbar spontan zusammengebrochen. Er zeigt Verständnis: „Das ist sehr belastend für die Betroffenen.“ Aber man könne nur hoffen, dass das Mähen hilft. Was aber, wenn die Tiere vorm Mähdrescher wieder in die Gärten flüchten? Dann droht den Schukars und ihren Nachbarn womöglich eine zweite Wanzen-Welle.


