Jugend: Schüler melden sich bei Beleidigungen jetzt häufiger zu Wort

Kein Ende: Schülersprecher Joel Jahreis und Schulleiter Frank Boywitt von der Albert-Schweitzer-Oberschule Beeskow sehen den Kampf gegen Mobbing als ständige Herausforderung an.
Jörg Kühl„Natürlich sind bei mir Anfragen aufgelaufen, warum wir das gemacht haben“, berichtet Schulleiter Frank Boywitt. Auch er habe anfangs Zweifel gehabt, einen TV-Aktivisten in der Schule auftreten zu lassen. Gefilmt werden durften nur jene Schüler, deren Eltern eine entsprechende Unterschrift leisteten. Auch die Schüler selbst mussten unterschreiben. Von den etwa 300 Schülern nahmen etwa 100 an dem Anti-Mobbing-Coaching teil.
Rückblickend sieht sich der Schulleiter bestätigt. Denn dem Anti-Mobbing-Trainer gelang es, die Schüler zu knacken. Einige haben sich bereits am ersten Tag der Dreharbeiten mit ihrer Not offenbart. Unmittelbar danach habe eine Welle von Aufmerksamkeit eingesetzt, die erst ab Februar so langsam wieder abgeebbt sei, so Boywitt. Beleidigungen, Schubsereien, fiese Online-Kommentare und andere unfreundliche Verhaltensweisen würden ihm heute viel häufiger gemeldet, als zuvor. Einige der Schüler hätten sich seit Carsten Stahls Besuch positiv entwickelt, bei anderen hätte das Coaching keine nachhaltige Wirkung erzielt, gibt der Pädagoge zu. „Natürlich sei das Mobbing jetzt nicht aus der Welt. Aber wenn es nur einer Handvoll Schülern geholfen hat, dann hat sich das Projekt schon gelohnt.“
Schülersprecher Joel Jahreis findet die Aktion mit Carsten Stahl grundsätzlich gut. Es dürfe seiner Ansicht nach aber nicht bei einer einmaligen Sache bleiben. „Da muss man jetzt dranbleiben.“
Carsten Stahl hat indes seine Bereitschaft erklärt, im kommenden Schuljahr nochmals die Schule zu besuchen, dieses Mal ohne Kameras. Einer, der sich darüber besonders freuen dürfte, ist Jan. Der Schüler, der im TV-Beitrag bekannte, von seinen Mitschülern häufig beleidigt zu werden, und am Ende des Films von seinen Mitschülern auf Händen getragen wird, gehe jetzt wesentlich häufiger mit einem Lächeln in die Schule, beobachtet Frank Boywitt. Dass Jan von Carsten Stahl zum „stellvertretenden Schülersprecher“ ernannt wurde, war allerdings der Dramaturgie geschuldet. „Die Schülersprecher werden bei uns gewählt“, stellt Boywitt klar.(jök)