Kein bloßes Tolerieren
Bei dem Stück Papier mit der umgangssprachlich eher flapsigen Bezeichnung handelt es sich um eine Erziehungsbeauftragung. Durch sie benennen Eltern eine erziehungsbeauftragte Person, die sich der Beaufsichtigung ihres Schützlings annimmt. Als erziehungsbeauftragt gelten kann jedoch nur, wer bereits volljährig ist. Zudem muss die Vereinbarung zwischen Eltern und Erziehungsbeauftragten abgesprochen sein, erst dann gilt sie als rechtsverbindlich.
"Die Kinder und Jugendlichen wissen das eigentlich." In Discotheken in Frankfurt sei es ja nicht anders, sagt Ivonne Görsdorf. Die Schadowerin organisiert seit Jahren die Fastnachtsfestivitäten in ihrem Ort. Eine Tradition, die ihr Vater einst begründete und die längst in Teamarbeit durch den gesamten Ort umgesetzt wird. "Ohne die Schadower würde das Ganze nicht funktionieren", ist sich Görsdorf sicher. Die Neuerung sieht sie als Absicherung für alle Fälle. Größere Vorfälle habe es in der Vergangenheit glücklicherweise zwar noch nicht gegeben, "doch", fügt sie hinzu, "wir haften auch privat damit." Schließlich stehe auch ihr Name unter der Anmeldung beim Friedländer Ordnungsamt.
Auch die Frage eines ausreichenden Jugendschutzes treibt die Erzieherin und Mutter zweier Kinder um. Bloßes Tolerieren möglichen Alkoholkonsums durch Jugendliche, erachtet sie jedenfalls nicht als Option. "Die Gefahr, dass jemandem etwas passiert, die wird sowieso schon durch eine leichte Zugänglichkeit immer größer."
Armbänder zur Orientierung
Die sogenannten "Muttizettel" gehen auf die 2003 durchgeführte Reform des Jugendschutzgesetzes zurück, im Zuge derer erstmals das Konzept einer erziehungsbeauftragten Person definiert wurde. "Den Begriff gab es vorher so nicht", erklärt Klaus Hinze von der Aktion Kinder und Jugendschutz Brandenburg. Eine fest vorgeschriebene Form für die Zettel gebe es seitens des Gesetzgebers aber nicht. Lediglich die Vorschrift, dass der Erziehungsauftrag erteilt sein muss, sei vorhanden. "Das kann auch telefonisch passieren", so Hinze weiter.
In Schadow sollen die Zettel nicht nur am Einlass des Festzelts für bessere Orientierung sorgen. An der Kontrolle kommen unter 14-Jährige nur in Begleitung eines Elternteils vorbei. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren benötigen eben jenen "Muttizettel" und einen entsprechenden Erziehungsbeauftragten. Vor dem Eintritt werden, je nach Altersgruppe, verschieden farbige Armbänder verteilt. So könne auch an der Bar leichter festgestellt werden, wer was trinken darf und was nicht, hofft Zamperin Görsdorf. Wer noch auf der Suche nach einer entsprechenden Zettel-Vorlage ist, wird etwa auf der Facebook-Seite der Schadower Fastnacht fündig.

Kommentar: Doofer Name, sinnvolle Sache


Zu meiner Schulzeit gab es noch sogenannte Flatrate-Partys. Im Rückblick waren das doch recht zweifelhafte Events, auf denen man für einen Festpreis unbegrenzte Mengen Alkohol trinken konnte. Dass diese mittlerweile verbotenen sind, ist keine schlechte Sache. Bei vielen jungen Menschen dürften sie doch gelegentlich mehr als nur Gedächtnislücken hinterlassen haben. Die Jugendlichen von heute scheinen jedoch ein zunehmend gesundes Bewusstsein gegenüber Hochprozentigem auszubilden. Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergab 2019 jedenfalls, dass lediglich neun Prozent der heute zwölf- bis 17-Jährigen in regelmäßigen Abständen, also mindestens einmal in der Woche, Alkohol trinken. Ein Rückgang von elf Prozentpunkten im Vergleich zu 2004. Solche Zahlen sind erfreulich, dennoch sollte Jugendschutz auch beim Thema Alkohol weiter ernst genommen werden. Ihre geläufige Bezeichnung mag vielleicht fragwürdig sein, dennoch ist der Gedanke hinter den "Muttizetteln" hier ein sinnvoller. Mit einem Erziehungsbeauftragten kann Sicherheit und Teilhabe gewährleisten werden. So können auch 16-Jährige bis nach Mitternacht feiern – ohne allzu großen Gedächtnisschwund am nächsten Morgen. Michael Heider