Kirchenmusik: Interview mit Matthias Alward - neuerdings Requiem-Autor

Der Leiter der Marienkantorei Beeskow, Matthias Alward, hat für den Motettenchor ein Requiem alternativ komponiert.
Jörn TornowAm Sonntag wird der Motettenchor Beeskow sein jüngstes, dreiteiliges Programm vorstellen. Mit dabei: Die Uraufführung „Requiem alternativ“ aus der Feder des Marienkantors Matthias Alward. Wie der Kirchenmusiker dazu kommt, ein eigenes Werk zu verfassen, wolltevon ihm wissen.
Herr Alward, mit Ihrem ersten eigenen Requiem reihen Sie sich ein in berühmte Namen, wie Mozart und Brahms. Was hat Sie als Kirchenmusiker dazu bewogen, selbst zum Komponisten zu werden?
An die erwähnten Größen der Musikgeschichte will ich gar nicht anknüpfen. Es war eher ein pragmatischer Ansatz, zur Feder zu greifen. Denn der erste Teil des Konzerts, die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz, ist mit 30 Minuten nicht ausreichend für ein ganzes Programm. Also ging es darum, ein weiteres Stück einzuproben, das mit den zeitlichen und musikalischen Möglichkeiten des Motettenchors realisierbar war und auch inhaltlich dazu passt. Da bot sich ein maßgeschneidertes Stück geradezu an.
Wie geht man es an, ein Requiem zu komponieren?
Ich habe zunächst Textstellen ausgewählt, und dann die Musik dazu entwickelt. Als erstes fiel mir die Zeile „Alles hat seine Zeit“, ein Zitat aus der Bibel, ein. Diese Textphrase wurde übrigens ganz ähnlich auch von den Phudys im Song „Wenn ein Mensch lebt“ verwendet. Schon bei der ersten Zeile hatte ich eine Melodie im Ohr. Da war mir übrigens noch nicht klar, dass daraus ein 25-minütiges Werk wird mit einer 48-seitigen Partitur. Manchmal kamen mir abends oder nachts Einfälle. Die habe ich dann versucht, mir bis zum nächsten Morgen irgendwie einzuprägen!
Sie benennen Ihr Requiem mit dem Zusatz „alternativ“. Warum?
Aus zwei Gründen. In dem Stück wechselt die Sprache je nach Textgattung von Lateinisch zu Deutsch und umgekehrt: Die Requieminhalte sind lateinisch, Bibelstellen und Choraltexte deutsch. Das gibt es in dieser Form so noch nicht. Der andere Grund ist die Instrumentierung. Ich schaute, über welche Instrumente die Chormitglieder verfügen und entdeckte auch eher ungewöhnliche. Friedemann Vetter wird am Sonntag Gong, Röhrenglocken und Trommeln zu Gehör bringen. André Knöfel spielt Beat Root, Shruty-Box und singt Oberton. Sabine Alward bedient die Kesselpauke und ich werde Roli-Synthesizer, Klavier und Keyboard instrumental beisteuern.
Wann haben Sie mit der Komposition des Requiems angefangen und seit wann laufen die Proben?
Im Januar habe ich mich hingesetzt, und damit begonnen, erste Ideen zu notieren. Als Ensemble haben wir vier Mal geprobt. Es handelt sich allerdings um Proben, die einen halben oder einen Dreivierteltag dauerten. Bei der letzten Probe des Motettenchors haben wir dann das erste Mal alles zusammengefügt.
Versetzen Sie sich bitte in die Rolle des Marketingspezialisten: Wie würden Sie Ihr Requiem bewerben, oder anders gefragt: Warum sollte man sich einen Besuch am Sonntag in der Marienkirche nicht entgehen lassen?
Mal davon abgesehen, dass das „Requiem alternativ“ musikalisch eingebettet ist in die Werke von Schütz und Bach: Musikalisch gesehen ist das Requiem mit ein- bis sechsstimmigem Chorgesang und wechselnder Instrumentierung sehr abwechslungsreich und vielfältig. Das Stück enthält viele Facetten. Einerseits ist es meditativ, mit lang angehaltenen Akkorden, andererseits dynamisch, mit Elementen von Sprechgesang. Es gibt Psalmodien, die an Mönchsgesang erinnern, dann wieder ein ganz klassisch dargebotenes Sanctus. Kurzum: Es ist musikalisch gesehen für jeden etwas dabei!
Konzert Motettenchor Beeskow, Sonntag 17 Uhr, St. Marien Beeskow. Programm: Johann Sebastian Bach „Komm, Jesu, komm“, Matthias Alward „Requiem alternativ“, Heinrich Schütz „Musikalische Exequien“. Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten.