Kommunalpolitik
: Abschied nach 28 Jahren als Dorfoberhaupt

28 Jahre hat Gerhard Rutschke die Geschicke von Neu Golm bestimmt. Am Ende bleiben eine Erfolgsbilanz und ein Ärgernis.
Von
Ruth Buder
Neu Golm
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"Schönefeld ist überall": Gerhard Rutschke vor dem noch immer nicht fertiggestellten neuen Feuerwehr- und Gemeindehaus in Neu Golm

Elke Lang

Wenn heute ab 19 Uhr der Ortsbeirat von Neu Golm tagt, wird in der Heimatstube ein neuer Ortsvorsteher gewählt. Gerhard Rutschke wird es nicht mehr sein. Bei der Kommunalwahl hat der 78-Jährige nach fast drei Jahrzehnten nicht mehr kandidiert. „Man soll in guten Zeiten abtreten und die Jüngeren machen lassen“, sagt er. Was er hinterlässt, ist bemerkenswert.

Das Wichtigste ist für ihn die Heimatstube, in der sich die Dorfbewohner zu Versammlungen und Geselligkeiten treffen. Die Idee, das kleine Fachwerkhaus zu sanieren, kam Rutschke Mitte der 1990er-Jahre, als es Fördermittel für erhaltenswerte historische Gebäude gab. „Unsere heutige Heimatstube war mal Stall und Scheune des Dorfschullehrers unmittelbar neben der Schule. Das damals sehr verfallene Gebäude muss etwa 230 Jahre alt sein.“ Mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt – sie ist eine Landesstraße – gelang Rutschke ein weiterer Schachzug, der sich ausgezahlt hat. „Unser Dorf ist dadurch viel ansehnlicher geworden.“

Aber das Wichtigste für den scheidenden Ortsvorsteher ist, dass die Dorfbewohner eine große Gemeinschaft geblieben sind. „Das hat sich besonders bei unserer 600-Jahr-Feier im vergangenen Jahr gezeigt.“ Den großen Zusammenhalt im Dorf führt Rutschke darauf zurück, dass „nichts überfremdet“ wurde. „Wir haben mit Eigenheimen Lücken geschlossen und keine angelagerte Wohnsiedlung gebaut.“ Dennoch könnte er sich heute vorstellen, für junge Leute bezahlbaren Baugrund zu schaffen, „denn Saarow ist für viele zu teuer.“

Einzig das Feuerwehr- und Gemeindehaus, das seit 2015 gebaut wird, immer noch nicht fertig ist, und dessen Kosten sich auf eine Million Euro verdoppelt haben, ärgert ihn. „Ich wollte dort schon ein Plakat aufstellen: Schönefeld ist überall!“, sagt Rutschke sarkastisch. Er kritisiert die Amtsverwaltung Scharmützelsee und die Gemeindevertretung, die es versäumt hätten, die Kosten einer so großen Investition im Auge zu behalten. „Das macht jeder private Hausbauer. Zeit ist schließlich Geld. Aber das Amt hat sich verselbstständigt, und die Gemeindevertreter kontrollieren es zu wenig. Bei jeder Bauausschuss- und Gemeindevertretersitzung hätte es Thema sein müssen“, findet er.

Weil er immer wieder nachgehakt, gedrängt und seinen Unmut geäußert habe, hätte er „fast ein Verbot bekommen, mich in die Amtsgeschäfte einzumischen.“ Als Ortvorsteher habe man zu wenig Kompetenzen. Inzwischen ist – abgesehen von den Kosten – Land in Sicht, was die Fertigstellung betrifft. „Ende Juli, wurde jetzt gesagt. Aber Hauptsache im September ist es fertig, da stehen drei große Veranstaltungen an“, sagt Rutschke, der sich über die Jahre auch ein dickes Fell zugelegt hat, „weil ich es sonst nicht durchgestanden hätte.“

Innsbruck-Reise als Geschenk

Der gebürtige Neu Golmer engagierte sich erst nach der politischen Wende im Ort. Damals hatte sich der gelernte Klempner und Installateur gerade mit seiner Bauklempnerei und mehreren Angestellten selbstständig gemacht. Vor zehn Jahren setzte er sich beruflich zu Ruhe und widmete sich fast nur noch seinem Heimatdorf. Die Neu Golmer dankten es ihm, in dem sie ihm viele Jahre das Vertrauen gaben. „Ich war sehr gerührt, als ich zur 600-Jahr-Feier eine Reise geschenkt bekam. Da war ich in Innsbruck zum Skispringen. Das war toll.“ Gerhard Rutschke geht zwar heute offiziell als Ortsvorsteher, aber mitmischen wird er weiterhin.

Sieben Fragen an Gerhard Rutschke

Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten geprägt?Mein Elternhaus. Mein Vater war ein politischer Mensch, meine Mutter hat sich sehr in der Kirche engagiert. Sie waren gesellschaftlich immer irgendwo dabei.

Welche Empfehlung geben Sie als langjähriges Ortsoberhaupt ihrem Nachfolger?Immer an den Problemen dran bleiben und Druck machen bei der Gemeindevertretung und dem Amt, damit die Ortsteile neben dem übermächtigen Bad Saarow gleichberechtigt behandelt werden.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Dass ich und meine Lebensgefährtin noch lang gesund bleiben. Ich habe schließlich zwei große Töchter, vier Enkel und drei Urenkel.

Möchten Sie noch mal 17 sein?Warum nicht? Aber mit dem Wissen von heute. Obwohl ich glaube, nicht allzu viel falsch gemacht zu haben.

Träumen Sie gern?Bei einem Bier und dem Zwitschern der Vögel im Garten kommen mir die besten Ideen. Dabei entwickle ich gern Gedanken und Visionen.

Möchten Sie noch mal woanders hinziehen?In die Mitte des Ortes, da wo die Kirche ist. In meinem Alter muss man auch daran denken.