Kulturstiftung: Schloss Groß Rietz wird zum Ort der Entschleunigung und Kunst
„Der Stiftungsbetrieb läuft auf Hochtouren“, sagt er und sieht sich um: „Im Moment sieht es allerdings chaotisch aus.“ Leitern liegen auf dem Boden, ungeöffnete Pakete stehen an den Wänden in Fluren und Zimmern, in einem liegen zudem zahlreiche Ausdrucke von Bildern des Dresdner Künstlers Theodor Rosenhauer, seines Großvaters, auf dem Teppich herum. Sein Werk wird im Mittelpunkt stehen. „Noch braucht es Zeit, die Handwerker gehen ein und aus“, so der Perfektionist.
Mit Blick auf die vielen Ausdrucke am Boden erklärt er: „Kunst kann man nicht einfach so in einen Raum stellen.“ Das Licht sei zu berücksichtigen: „Morgens, mittags und abends ändert es sich, was sich wiederum nicht nur auf die Farben des Bildes sondern auch des Rahmens auswirkt.“ Auch die Aufhängung müsse gründlich durchdacht werden.
Im wunderschön inszenierten Souterrain–Gewölbe, wo die — wie Bongers schwärmt — wohl weltweit bedeutendste Volkskunstsammlung aus dem Erzgebirge präsentiert wird, fehlt noch die Beleuchtung. Darüber hinaus wird eine umfangreiche Bibliothek mit Werken von und über Friedrich den Großen ins Obergeschoss ziehen. Diese drei Sammlungen sowie das Schloss selbst werden in die im Aufbau befindliche Rosenhauer Stiftung eingebracht.
Percy Bongers zeigt sich optimistisch: „Ende Juni wird alles soweit fertig sein, dass nur noch das Fine Tuning fehlt.“ Im Juli, so hofft er auch angesichts der aktuellen Corona–Situation, sei ein Museumsbetrieb an ein bis zwei Tagen wöchentlich möglich. „Auch kleine Führungen sind angedacht.“ Bongers plant einen sanften Betrieb, ähnlich dem sanften Tourismus auf Radwegen und „kein Disneyland“, wie er betont. Entschleunigend soll ein Besuch sein.
„Das Schloss muss nicht so barock gelebt werden, wie es war“, folgt er seinem Gedanken. „Eher modern. Das Museum als ein lebendiger Ort, an dem Menschen zusammenkommen, beispielsweise zu literarischen Gesprächen.“ Im Schloss selbst entfaltet sich diese Idee bereits: Klare Linien und glänzende Oberflächen des Modernen bilden den Kontrast zum Antiken, betonen dessen edle Ausstrahlung. In Kürze wird es einen Internetauftritt vom Schloss geben.
Auch die Umsetzung der Pläne zur benachbarten Brennerei hat begonnen. Ende des Jahres soll das Hauptgebäude beräumt und winterfest sein. Später wird auch der Schlosspark „aufgehübscht“.





