Kursbuch: Burg Beeskow ist auf neuem Museumskurs
Die drei Bier seien drei kleine Gläser mit je 0,25 Liter Inhalt gewesen, da sei man nicht betrunken gewankt. Eines dieser Gläser, versehen mit dem DDR-Konsum-Logo, hat Margrit Simke-Schulz dem Regionalmuseum vermacht. Es wird Schauobjekt in einer der nächsten Ausstellungen. Gezeigt werden könnte das Glas gemeinsam mit zwei alten Bierflaschen, die aus der Zeit um 1900 stammen, und wohl noch immer mit der Originalfüllung versehen sind. Glas und Flaschen werden neben den Schwarzweiß-Fotos von Andreas Batke die Geschichte von Margrit Simke-Schulz und dem Gasthof, den ihre Familie seit mehr als 200 Jahren führt, illustrieren. So ungefähr stellen sich Schuhmann und das Team des Regionalmuseums das für die Zukunft jedenfalls vor.
Aufgeschrieben hat die Lebensgeschichte von Margrit Simke-Schulz, die aus dem Landgasthof Simke in den 1980er Jahren eine Speisegaststätte gemacht hat, die Journalistin Tina Veihelmann. Nachzulesen ist sie im Kursbuch Oder-Spree 2020, das am Sonntag bei Simkes in Herzberg vorgestellt wurde. Die Premierenfeier gab es allerdings schon am Freitag im Märkischen Hof, der früheren Gaststätte des Spanplattenwerks. Zu dem Anlass stellte Schumann vor gut 50 Zuhörern das neue Konzept für das Regionalmuseum vor.
Die bisherige Sammlung mit „vielen alten Töppen“, Tierpräparaten und Fotos allein sei nicht mehr ausstellungswürdig. Deshalb soll eine neue Sammlung aufgebaut werden. Dabei wollen die Museumsmacher übers Land fahren, mit den Leuten reden, ihre Geschichten hören „und versuchen, ihnen ein dazu passendes Ding abzuschwatzen“, so Schumann. So wie das Glas bei Margrit Simke-Schulz. Das Kursbuch, die neue Form des Kreiskalenders, sei so auch als Recherche für das Museum zu verstehen.
18 Geschichten aus dem Leben
Die erste Ausgabe für das Jahr 2020 sorgt so für die ersten 18 Ausstellungsteile. Es führt zum Gedenkstein für Lotte und Erich Garske nach Möllendorf, erzählt von den Schwierigkeiten, neue Landärzte zu gewinnen, den „frohwüchsigen“ Süßlupinen in Trebatsch, der Unendlichkeit des Baustoffs Lehm und den Schreien der Hirsche. Berichtet wird über das Leben an der Oder, Gorki in Bad Saarow, die Tradition des Zamperns in der Lausitz und eine bewegte Storkower Schulgeschichte.
Der erste Text des Buches, auch von Tina Veihelmann, stellt die Spanplattenkantine und deren Chef Gerhard Kusay vor. Es geht um die Rote Grütze, die auf Wunsch der Gäste noch immer so schmecken muss wie zu DDR-Zeiten, um Kartoffeln mit Quark und Leinöl, das Lieblingsgericht von Kusay. Das von Gyula Szepes im Jahr 1986 fertiggestellte Wandbild, das viele heute mehr mögen als zur Entstehungszeit, spielt eine große Rolle. Und es geht dann auch noch einmal um die Geschichte des Trinkens. Denn der „Märkische Hof“ war zu DDR-Zeiten nicht nur Kantine, sondern auch Gaststätte, in der ausgelassene Betriebs- und Brigadefeiern stattfanden. „Pro Gast, sagt Kusay, habe man gute eine Flasche Schnaps kalkuliert“, heißt es dazu im Kursbuchtext.
Buchpräsentationen und Verkauf
Das Kursbuch Oder-Spree 2020unter dem Titel "Von Land und Leuten" wurde gemeinsam vom Landkreis Oder-Spree und dem Förderverein der Burg Beeskow herausgegeben. Erhältlich ist es über den Verlag Berlin-Brandenburg, in vielen Buchhandlungen der Region, in Museen und Tourismusinformationen und am Tresen der Burg Beeskow. Der Preis beträgt zehn Euro, ISBN: 978-3-947215-71-3. Die weiteren Präsentationen finden am 14. Januar in der Feuerwache Fürstenwalde (Beginn 19 Uhr), am 13. Februar im ifa-Pavillon Eisenhüttenstadt (19 Uhr), am 12. März in der Europaschule Storkow (18 Uhr) und am 19. April in der Kajüte Ratzdorf (15 Uhr) statt.⇥gar


