Landwirtschaft: Mehr Milch, weniger Arbeiter in der Region Oder-Spree
Der für den 19. Februar angesetzte Sonderkreistag Landwirtschaft Oder-Spree, der zur Lösung von Problemen beitragen sollte, wurde abgesagt – auf Wunsch der Bauern. Hartmut Noppe, Vorsitzender des Kreis-Bauernverbands Oder-Spree sagt: „Wir haben darum gebeten, weil wir mehr Zeit für die Vorbereitung benötigen.“
Der Sonderkreistag werde nachgeholt: „Wir wollen in unseren Vorträgen Fakten fundiert belegen und auch Beschlussentwürfe vorlegen, die Hand und Fuß haben“, so Noppe. Dabei gehe es vorrangig um Probleme, bei denen der Kreis die Bauern wirksam unterstützen kann: „Ein Beispiel ist die Straßennutzung durch Landmaschinen.“
Positive Entwicklung
Gerd Piefel, Amtsleiter im Landwirtschaftsamt des Kreises, schätzt die Entwicklung im ländlichen Raum von 1994 bis heute als erfolgreich ein und belegt das mit Zahlen. Er fasst in seiner Zuarbeit die Ergebnisse bis zum Ende des Jahres 2019 zusammen: „Der Landkreis mit einer konstanten Gesamtfläche von 2256 Quadratkilometern hat mit 834 km2 landwirtschaftlicher Nutzfläche und 1073 km2 Wald eine stabile wirtschaftliche Grundlage.“ Die Anzahl der Betriebe sei von 368 im Jahr 1994 auf etwa 400 angestiegen. Von diesen 400 sind etwa 60 Bio-Betriebe.
Dabei merkt er positiv an, dass sich im Landkreis Oder-Spree inzwischen 32 Prozent der Fläche im Eigentum der Bauern befindet. Weitere 28 Prozent entfallen auf Genossenschaften. „Rund 40 Prozent gehören anderen Eigentümern wie der Kirche oder Kommunen“, so Piefel. Ausländische Großinvestoren seien in Oder-Spree nicht aktiv, eher im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. In der Region gebe es derzeit nur 23 Betriebe, die über Flächen von mehr 1000 Hektar als Eigentum verfügen. Zum Vergleich: „Insgesamt 219 Landwirtschaftsbetriebe haben lediglich Eigentumsland in der Größenordnung zwischen einem und 50 Hektar.“
Auch sagt Gerd Piefel, dass die Hauptfrucht beziehungsweise der Hauptanbau – auf einer Fläche von etwa 32 000 Hektar – nach wie vor von Getreide wie Roggen, Wintergerste, Weizen, Triticale (Züchtung aus Weizen und Roggen), Sommergerste, Raps, Lupine und Mais bestimmt wird. Der Grünlandanteil sei mit 17 Prozent konstant. „Wir haben hier kein Traditionsanbaugebiet für Gemüse.“ Und das Vorurteil, dass es „nur noch Maisfelder gibt“, möchte der Amtsleiter auch ausräumen: „Lediglich auf einem Flächenanteil von knapp 20 Prozent wird Mais angebaut.“
Die Agrarförderung, die derzeit noch ausschließlich von der bewirtschafteten Fläche abhängig ist, liegt stabil bei 80 000 Hektar. „Die Direktzahlungen aus Brüssel für Landwirtschaftsbetriebe im Kreis beliefen sich 2019 auf 21,9 Millionen Euro. Dazu kommen aus Landesmitteln nochmal zwei Millionen für benachteiligte Gebiete und 3,2 Millionen Euro für Kulturlandschaftsprogramme“, erklärt Piefel.
Solider Tierbestand
Insgesamt gibt es, einschließlich Hobbytierhaltern, mehr als 3000 Tierhalter in Oder-Spree. Der Viehbestand hat sich seit 1994 stabilisiert. Insgesamt etwa jeweils 35 230 Rinder und Schweine sind in Oder-Spree zuhause, genauso wie 11 400 Schafe und 3 300 Mutterkühe. Erstaunlich: Die Milchleistung wurde 1994 noch mit 5049 Kilogramm – das entspricht etwa dem Gewicht eines kleineren Autos – je Kuh angegeben, heute sind es mit 9500 Kilogramm je Kuh fast doppelt so viel. 250 Betriebe haben eine Agrarförderung beantragt.
Als dramatisch wird der Rückgang von Arbeitskräften eingeschätzt. „1994 waren noch etwa 4000 Menschen beschäftigt, heute sind es circa 1300 sozialversicherte Beschäftigte plus Saisonarbeitskräfte“, so der Amtsleiter. Auch die baulichen Investitionen seien in den letzten Jahren dramatisch zurück gegangen – von 20 Millionen pro Jahr auf ein bis zwei Millionen.


