Landwirtschaft
: Saum voller Blüten für Insekten

Der Kreisbauernverband Oder-Spree rechnet damit, dass sich in diesem Jahr mehr als ein Dutzend Betriebe am Blühstreifen-Projekt beteiligen.
Von
MOZ
Beeskow
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Caroline Bartsch, Geschäftsführerin der Glienicker Agrar GmbH, plant zwischen Glienicke und Wendisch Rietz einen Blühstreifen von zwei Kilometern Länge und sechs Metern Breite.

Jörn Tornow

Der Kreisbauernverband (KBV) Oder-Spree rechnet damit, dass sich in diesem Jahr mehr als ein Dutzend Betriebe am Blühstreifen-Projekt beteiligen. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Aktion des Landesbauernverbands und des Vereins Forum Natur Brandenburg.  Ziel ist, landwirtschaftliche Betriebe  dazu zu animieren, auf freiwilliger Basis auf landwirtschaftlichen Flächen Blühstreifen für Insekten anzulegen.

Das Saatgut ist selbst zu bezahlen, die Betriebe können jedoch eine Förderung beim Verein Forum Natur Brandenburg beantragen. Die Blühstreifenaktion erfreut sich nach KBV-Angaben steigender Beliebtheit. Im vorigen Jahr hatten sich bereits neun im Verband organisierte Betriebe in Oder-Spree an  der Aktion mit einer angemeldeten Blühfläche von mehr als 37 Hektar beteiligt, im Jahr davor, also 2017, waren es nur vier.

Zu den Landwirten, die die Blühstreifenaktion unterstützen, zählt Caroline Bartsch von der Glienicker Agrar GmbH. Bereits im Vorjahr ließ sie einen Ackerrand für Bienen und andere Insekten erblühen. Und zwar am Verbindungsweg zwischen Diensdorf und Herzberg. An der Aussaat der Mischung „Brandenburger Bienenweide“ beteiligten sich symbolisch Kinder. Fast das ganze Jahr über gab eine Informationstafel am Ackerrain Auskunft über die blühende Aktion. Das Schild hat das Agrarunternehmen inzwischen abgenommen, es soll in diesem Jahr an einer anderen Stelle wieder aufgestellt werden: An neuen Radweg zwischen Glienicke und Wendisch Rietz. Dort möchte die Glienicker Agar GmbH ab April wieder einen Ackerrand erblühen lassen: Wie im Vorjahr werden auch dieses Mal Kinder mithelfen. „Wir nehmen dafür eine etwas verkehrsruhiger gelegene Ecke in Ortsnähe“, so die Landwirtin. Die Anlage von Blühstreifen sei vor allem für die Wildbienen überlebenswichtig. „Wir verlängern damit die Blütezeit in Jahresabschnitten, in denen Ackerpflanzen, wie Raps, nicht blühen“.

Auch wenn die Fläche der Blühstreifen  im Kreis von Jahr zu Jahr wächst: Karten Lorenz, Geschäftsführer des KBV,  beklagt, dass es in Brandenburg als dem einzigen Bundesland kein staatlich finanziertes Förderprogramm für die Anklage von Blühstreifen gibt. Das Saatgut sei teuer und habe in diesem Jahr aufgrund der gestiegenen Nachfrage nochmals preislich zugelegt. In den vergangenen Jahren gab es für jeden Betrieb, der sich an der Blühstreifenaktion beteiligte, einen symbolischen, nicht kostendeckenden Betrag von 50 Euro. In diesem Jahr werden laut der Forum Natur-Förderrichtlinie je nach Art des Saatguts bis zu 220 Euro pro Hektar gezahlt. Weil selbst diese Förderung die Kosten für das Saatgut nicht deckt, und um noch mehr blühende Flächen für Biene, Hummel, Käfer und Co. zu sichern, werben KBV und der Verein Forum Natur Brandenburg um Blühpaten. Wer 100 Euro spendet, erhält eine Urkunde. Bei einer Fördersumme von 150 Euro wird zusätzlich ein Betriebsschild spendiert.

Neben der gemeinsamen KBV- und Forum Natur-Aktion gibt es in Brandenburg noch weitere Initiativen zur Etablierung blühender Flächen.  Dazu zählen „Blütenreich“ in der Märkischen Schweiz, das „F.R.A.N.Z.-Biodiversitätsprojekt“ vom Deutschen Bauernverband, der Michael-Otto-Stiftung und dem NABU sowie die Initiative „AgoraNatura: Weil Natur MehrWert ist!“, die auch in Oder-Spree aktiv ist.  So ist nach KBV-Angaben die Buchholzer Agrarprodukte GmbH mit Gewässerrandstreifen und Blühflächen dabei. Der Förderverein Naturpark Schlaubetal hat einen Extensiv-Acker bei Grunow-Dammendorf angelegt.

In Imkerkreisen lobt man grundsätzlich die Anstrengungen der Landwirtschaftsbetriebe, das Blütenangebot zu erweitern. Entscheidend sei allerdings der Zeitpunkt der Aussaat. Wie der Vorsitzende des Imkervereins Beeskow, Max Krüger (bis zu seiner Rente langjähriger Leiter des Landwirtschaftsamts Oder-Spree), mitteilt, dürfe die Aussaat nicht zu früh erfolgen. Schließlich gebe es im Frühjahr bis tief in den Sommer hinein ausreichend viele Blüher. Entscheidend sei, das Trachtangebot auf die Zeit nach der Blüte von Linde, Raps, Robinie, Sonnenblume und Co. zu verlängern. Eine Aussaat der Blühpflanzen empfiehlt Krüger daher nicht vor Mai. Am 7. März treffen sich Vertreter des KBV mit regionalen Imkern, um mit ihnen über das Blühstreifen-Programm zu reden.

Die Zusammenarbeit zwischen örtlichen Imkern und Imkerverbänden läuft nach Einschätzung des KBV seit Jahren gut. Zwar würden keine Bestäubungsprämien wie zu DDR-Zeiten mehr gezahlt, aber die meisten Landwirte lebten die Symbiose mit ihrem örtlichen Imker von je her.