Am Montag steigt der Leichtathlet wieder ins unterbrochene Praktikum bei der Bundespolizei auf dem Potsdamer Hauptbahnhof ein. Als Polizeiobermeister sorgt er dabei im Alltag für ein Sicherheitsgefühl bei den Menschen, kontrolliert auch Leute oder holt Schwarzfahrer aus Zügen – Polizei-Routine in drei Schichten. Eigentlich wollte er seit Ende Mai insgesamt acht Wochen dort seinen Dienst tun. Doch einige Tage nach dem Beginn kam dann etwas Gravierendes dazwischen.
"Ich hatte am 3. Juni, als ich mit dem Fahrrad von der Nachtschicht in die Unterkunft fahren wollte, einen Unfall, bin mit einem anderen Radfahrer zusammengestoßen", erzählt der 28-Jährige. Er verletzte sich dabei ziemlich schwer, zog sich unter anderem Frakturen im Gesicht an Jochbein und Augenhöhle zu und musste operiert werden. "Dabei wurden Platten eingesetzt, die noch recht lange drin bleiben müssen. Ich fühle mich jetzt den Umständen entsprechend recht gut, auch wenn mein Gesicht noch geschwollen ist", sagt der Beeskower, der bis jetzt krank geschrieben war. Und er hofft, dass in zwei, drei Wochen alles gut verheilt ist.
Er könne zwar jetzt schon eigentlich alles machen, darf aber nur reduziert trainieren. "Um den Heilungsprozess zu sichern, darf dem Körper nicht zu viel Kraft entzogen werden und zudem müssen Entzündungen vermieden werden. Deshalb habe ich jetzt beim Wandern und Genießen der Natur vor allem versucht, auch den Kopf etwas frei zu bekommen", erklärt der Schützling von Bundestrainer Ronald Weigel, der ihn beim SC Potsdam trainiert.
Vorfreude auf Japan-Premiere
Pohle, der zu den Gründungsmitgliedern seines Heimatvereins Leichtathletik in Beeskow gehört, wird nach eigenen Angaben trotzdem in seiner Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio (23. Juli bis 5. August) nicht groß beeinträchtigt. "Es ist ja bis zu den Geher-Wettbewerben in Sapporo noch ein Jahr Zeit. Bis dahin dürfte ich das kompensieren können." Er freut sich schon auf seine Japan-Premiere, bei der er dann zum zweiten Mal an Olympischen Sommerspielen teilnehmen würde.
Die Normzeiten – 1:21:00 Stunden über 20 Kilometer und 3:50 Stunden über 50 – hat er wegen fehlender Wettkämpfe in diesem Jahr noch nicht erreicht. Und bis zum 30. November ist das jetzt auch nicht möglich. Doch Pohle hat gute Karten, sich über die Weltrangliste für Olympia zu qualifizieren. "Maximal 60 Starter sind zugelassen. Dazu gehören alle mit der Norm sowie die entsprechend in der Rangliste platzierten Sportler", erklärt der Beeskower. Er steht da nach Punkten auf den Plätzen 36 (20) und 37 (50 km).
Jetzt Grundform aufbauen
Jetzt gilt es für den Geher, beginnend mit erst einmal leichtem Training die Grundform für Japan aufzubauen – "auch wenn es noch unklar ist, ob die Spiele überhaupt stattfinden. Keiner weiß doch, wie sich die Corona-Lage entwickelt", sagt Pohle. "Ich hoffe aber, dass es klappt." Allerdings müsste er sich in Japan für eine Strecke entscheiden, weil beide der Zeitplan nicht zulasse. "Ich will mich für beide Distanzen qualifizieren und werde dann vor Ort sehen, welche ich gehe."
Seinen bislang letzten Wettkampf bestritt der deutsche Mannschafts-Meister und DM-Dritte 2019 über 20 km übrigens Ende Oktober bei den französischen Meisterschaften in Balma bei Toulouse. Drei Wochen nach den Weltmeisterschaften in Doha/Qatar, wo er bei sengender Hitze 17. über 20 km wurde, ging es für ihn auf die lange Strecke. Nach 50 absolvierten Runden überquerte er als Erster die Ziellinie in 3:57:23 Stunden, womit er allerdings die Olympia-Norm deutlich verfehlt hatte.
Nächster Start im Oktober
Und bis Hagen Pohle wieder auf die Runde gehen kann, wird es noch einige Monate dauern. Der nächste Wettbewerb steht wohl für ihn erst im Oktober in Tschechien an. "Da will ich die 20 Kilometer gehen, um wieder Wettkampferfahrung zu sammeln." Davor stehen vom 10. bis 20. August und Ende September noch zwei Trainingslager in der Heimat an. Beide sollen im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum in Kienbaum über die Bühne gehen. "Ich freue mich schon darauf, dann hoffentlich wieder ordentlich trainieren zu können", erklärt der Beeskower, der auch eine Lizenz als Geh-Richter hat.