Malerei
: Heiko Bartl zeigt in Friedland Bilder mit Bitumen, Rost und dunklen Vögeln

Unter dem Titel „Macht und Ohnmacht“ zeigt die Burg Friedland Werke des Grunower Künstlers Heiko Bartl.
Von
Peggy Lohse
Friedland
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  • Das großformatige Gemälde mit dem blauen Vogel stammt von 1996/97 und ist bereits verkauft. Der Besitzer leiht es der Schau auf der Friedländer Burg, denn für Bartl ist es ein prägendes Werk.

    Das großformatige Gemälde mit dem blauen Vogel stammt von 1996/97 und ist bereits verkauft. Der Besitzer leiht es der Schau auf der Friedländer Burg, denn für Bartl ist es ein prägendes Werk.

    Peggy Lohse
  • Die kleineren, nicht gegenständlichen, dafür strukturstarken Bilder sind für Bartl oft Übungsstücke, die Atmosphäre verbeiten.

    Die kleineren, nicht gegenständlichen, dafür strukturstarken Bilder sind für Bartl oft Übungsstücke, die Atmosphäre verbeiten.

    Peggy Lohse
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Diesen Anspruch, Negatives aus dem Alltag auf den Tisch zu packen, verfolgt auch der Grunower Künstler Heiko Bartl in seinen Werken. Aktuell gestaltet er seine neue Ausstellung „Macht und Ohnmacht“ auf der Burg Friedland. Das Gemälde „K. tötet“ bezieht sich dabei auf eben jenes Schreiben des Papstes.

Pech, Rost und Federn

Dabei sind die Arbeiten Bartls sonst kaum christlich–religiös geprägt. In seinen düster bis exzentrisch–bunten Bildern spielen vielmehr Vögel eine wiederkehrende Hauptrolle. Ein Ikarus, der nicht fliegen kann, aber durch sein dichtes Federkleid zu ersticken droht. Ein Phönix, der zwar aufersteht — aber auf wessen Kosten? Ein blauer Vogel, der einem Raben gleicht, und den Künstler zu seinen bevorzugten Arbeitsmaterialien brachte: teer-ähnliches Bitumen, Rost–Emulsionen von Eisen und Kupfer sowie Farb– und Lackreste, die er von Nachbarn und Baustellen bekommt. „Ich arbeite gern mit Material, dass schwer zu bewältigen ist“, sagt Bartl, „so wie auch Situationen im Leben manchmal schwer zu bewältigen sind.“

Heiko Bartl, Jahrgang 1961, beschäftigt sich zwar schon sein ganzes Leben mit Kunst, arbeitete aber zunächst als Reproduktionsfotograf bei Berliner Zeitungen. Erst Anfang der 2000er–Jahre widmete er sich völlig der Kunst. „Mit dem Alter wird man entspannter, ist nicht mehr so abgängig von der Finanzierung“, erklärt er seinen Wandel. Er belegte Kurse und absolvierte ein Studium an der Akademie für Malerei in Berlin. Im Laufe der Zeit war er in vielen Ausstellungen vertreten, mehrmals bei der Kunstpreis–Präsentation in Neuhardenberg, zuletzt, Ende vergangenen Jahres, in einer Schau in der Kantine Bonava in Fürstenwalde. Die Kunst ist für ihn eine Ausdrucksform, um Erlebnisse des Tages und des Lebens zu verarbeiten. Die Malerei hat er beispielsweise der Fotografie vorgezogen: „Denn ich brauche das Haptische. Meine Bilder sind zum Anfassen, dürfen berührt werden. Dafür ist ja die Struktur drin.“

Kunst gegen Unterdrückung

Die Ausstellung auf der Burg Friedland kam zu Stande, als Bartl als Imker auf dem Markt seinen Honig verkaufte und mit dem Bürgermeister ins Gespräch kam. Für die Schau wählt er Werke der letzten zwanzig Jahre aus, darunter großformatige und kleine Gemälde, aber auch Grafiken. Den roten Faden prägt der Titel „Macht und Ohnmacht“. „Jeder soll sein können, wie er ist“, so der Künstler, „aber es gibt zu viel Hass und Gewalt in der Gesellschaft, oft auch unsichtbar, gegen Frauen, gegen Kinder…“ Die Unterdrückten müssen eine Stimme bekommen, um ihre Anliegen vorbringen zu können. Zu oft aber würden Probleme einfach weggeschwiegen. Ob auf dem Arbeitsmarkt oder im Privaten. Darum zeigen selbst Bartls optimistischste Bilder immer auch die Rückseite der Medaille. „Ich mag den Vogel als freiheitsliebendes Tier“, sagt er. „Er kann hoch fliegen, aber eben auch tief fallen.“

„Macht und Ohnmacht“, Eröffnung am 25. Juli, Burg Friedland, Pestalozzistraße 3, geöffnet dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, Tel. 033676 45978, E–Mail: tourismus@friedland-nl.de