So weit die theoretischen Grundlagen, die Thomas Löb vom Aktionskreis 5G-freies Berlin-Brandenburg und Ökologischer Demokratischen Partei (ÖDP) dem Publikum seiner Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in der Beeskower Kupferschmiede allerdings lange vorenthielt. Er sprach zunächst über Gefahren, die Übermacht der Mobilfunklobby in der Politik sowie Gemeinden, die sich bereits gegen die Einführung der 5G-Technologie in ihren Orten starkmachen.
Das Interesse an dem Thema scheint groß zu sein, der Vortragssaal war mit etwa 40 Gästen gut gefüllt. Löb setzte an: Berlin sei "industrie-lobbymäßig durchsetzt"; elektrosensible Tiere wie Insekten, Fledermäuse und Vögel sterben alle weg; Krankheiten wie Burnout, Konzentrationsschwächen, Depressionen und Verformungen des Erbguts nähmen durch die wachsende Strahlenbelastung zu; Sendekästen könnten bald unsichtbar in Fahrrädern, Laternenmasten und Glühbirnen versteckt werden.
Schnell kamen erste Nachfragen aus dem Publikum, Bitten um die Darlegung der technischen Grundlagen. Anstelle des Referenten antworteten bald andere Besucher selbst. Es entstand ein Gespräch. Löb blieb wage, obwohl er tatsächlich handfeste Kritikpunkte ansprach: unter anderem die Strahlenbelastung und mögliche gesundheitliche Schädigungen, den durch solche Technologien stark steigenden Energieverbrauch, den Datenschutz und die potentielle Sammlung und Überwachung von Daten.
Fakt ist: Belastbare Langzeitstudien gibt es nicht und kann es noch nicht geben. Das ist der Konsens, den von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gesammelte internationale Studien bestärken. Im aktuellen Koalitionsvertrag für Brandenburg "gehören der Zugang zu schnellem Internet und die Netzabdeckung beim Mobilfunk zur Daseinsvorsorge". Ziel sei daher eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser-Infrastruktur bis 2025. Diese Alternative, weil weniger strahlend, scheint auch für die 5G-Skeptiker akzeptabel. Zu 5G konkret würde in Brandenburg sowieso noch erörtert. "Weiße Flecken", wie sie das Koalitionspapier schnellstmöglich erschließen will, fordern Löb und seine Mitstreiter dagegen explizit zu erhalten, etwa für empfindliche Menschen. Denn Elektrosensibilität beträfe bereits fünf bis acht Prozent der Bevölkerung, meint er.
Ein weiterer Konsens aller Anwesenden und Studien ist: Am Ende muss auch jeder selbst handeln. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt: Handy so weit wie möglich vom Körper tragen und so oft wie möglich aus- oder in den Flugmodus schalten. Denn Strahlung besteht, wenn Signale gesendet und/oder empfangen werden, aber sie nimmt schon nach kurzer Distanz deutlich ab.