MOZ-Interview
: Amtsdirektor: Waldbrand war Ausnahmesituation

Der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, blickt im MOZ-Interview auf das Jahr 2018 zurück.
Von
Steven Wiesner
Lieberose
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Lagebesprechung aus Anlass der Waldbrände in der Lieberoser Heide: Der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, eingerahmt vom Landrat von Dahme-Spreewald Stephan Loge (l.) und Kreisbrandmeister Ronald Judis im Hochsommer.

Jörn Tornow

Herr Boschan, Sie haben bereits 15 Jahre in Lieberose/Oberspreewald als Amtsdirektor erlebt. Wo lässt sich das Jahr 2018 einordnen auf der Brisanzskala?

Es gehörte zu den guten Jahren, in denen die positiven Erlebnisse und Ergebnisse die weniger guten überwiegen. Und es war auf jeden Fall auch ein besonderes Jahr.

An was denken Sie da speziell?

Ich denke an Veränderungen in der großen und kleinen Politik, die wir in der Vergangenheit in Deutschland eigentlich nicht hatten. So wurde die Kreisgebietsreform ja nicht nur gestoppt, sondern regelrecht beerdigt. Und wir haben auch bei uns in der Region Entwicklungsrichtungen, auf die man sich neu einstellen muss. Diesbezüglich war 2018 schon spannend.

Richtig turbulent war in diesem Sommer sicher auch die Situation mit den Waldbränden?

Ohne Zweifel, das war eine knallharte Ausnahmesituation. Selbst die Älteren haben sowas in dieser Intensität noch nicht erlebt in der Lieberoser Heide. Die Forderungen an Mensch und Material waren besonders. Das hat uns herausgefordert. Und wir sind dabei auch bis an unsere Grenzen gegangen, auch in finanzieller Hinsicht.

Zwischenzeitlich hat ja sogar der Landkreis Unterstützung zugesagt.

Ja, und da sind wir auch nach wie vor an der Grenze. Wir kennen zwar die Endzahl noch nicht, was an Aufwand zu erstatten ist, aber wir wissen jetzt schon, dass wir im starken sechsstelligen Bereich landen werden. Und bei der Abrechnung der Brände kommt noch ein Rattenschwanz hinterher. Deswegen kann ich noch nichts Genaues sagen. Was ich aber sagen kann, ist nochmal ein ganz großes Dankeschön an alle Feuerwehrleute und Kameraden. Denn hier hat ein Ehrenamt über das normale Maß hinaus Leistung gezeigt.

Geht man aus so einem brisanten Erlebnis vielleicht sogar gestärkt hervor, weil man merkt, dass man auch sowas meistern kann?

Auf jeden Fall. Es hat auch mir persönlich getan, erleben zu dürfen, dass das Zusammenspiel der Feuerwehren aus verschiedenen Landkreisen mit der Leitstelle oder dem technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz, der Bundespolizei oder der Bundeswehr so gut funktioniert hat. Das war ein Prozess der Festigung. Wir wären aber schlecht beraten, wenn wir uns nur mit dem Schulterklopfen zufrieden geben würden. Wir müssen auch Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen und Dinge verbessern. Einfach zu sagen ‘Wir haben es bewältigt und das war prima‘ reicht, glaube ich, für die Zukunft nicht aus.

Welche Schlussfolgerungen könnten das sein?

Wir arbeiten gemeinsam mit der Landesforst und der Stiftung Naturlandschaften als größte Eigentümer der Flächen an Vorschlägen hinsichtlich eines besseren vorbeugenden Brandschutzes und an besseren Bekämpfungsmöglichkeiten. Es muss aber auch deutlich gemacht werden, dass wir mit unseren vorhandenen Kapazitäten an Grenzen stoßen, auch dort bedarf es einer weiteren Stärkung. Wir stochern da also nicht im Nebel herum, sondern nutzen die Erfahrungen des extremen Sommers, um künftig in Schritten besser vorbereitet zu sein.

Ein Thema, das auch viele Bürger bewegt, ist die CEP-Bohrung in Guhlen. Wie bewerten Sie diese Kontroverse?

Es ist in der Tat ein heikles Thema, weil sich viele Bürger nicht im gewünschten Maß über das Vorhaben informiert und mitgenommen fühlen. Das ist aber nicht nur die Aufgabe des CEP-Unternehmens, sondern auch der beteiligten Behörden, die die Interessen der Bürger vertreten sollen. Wir als kommunale Verwaltung wollen da mehr Transparenz gestalten und auch schauen, wie sich die bisherige touristische Entwicklung unserer Region mit der einsetzenden industriellen Entwicklung verbinden lässt. Wir müssen auch die Frage aufgreifen, welche Chance wir haben, einen derartigen Impuls, der von einer ausländischen Firma gegeben wird, für uns zu nutzen.

Allein die Tatsache, dass eine Bürgerinitiative regelmäßige Protestmärsche organisiert zeigt, dass hier etwas schiefgelaufen ist, oder?

Absolut. Und ich sehe eine Bürgerinitiative auch als eine legitime demokratische Einrichtung. Sie signalisiert, dass es in der Kommunikation Probleme gegeben hat. Ich ziehe mir da im gewissen Sinne auch selbst die Hosen an. Wobei es schön gewesen wäre, wenn in erster Linie das Landesbergamt vor Ort (!) den Menschen mal erklärt hätte, warum welche Genehmigung erteilt wurde, damit sie nachvollziehen können, dass alles seine Richtigkeit hat. Das bleibt oft auf der Strecke. Und so funktioniert auch keine Basisdemokratie. Da haben wir in der Zukunft noch ein bisschen was besser zu machen.

Es ist aber auch schon eine Menge Gutes passiert in diesem Jahr, wenn man an die neuen Sportstätten der Oberschule Goyatz oder der Grundschule Straupitz denkt.

Das stimmt. Im Bereich der sozialen Infrastruktur sind wir 2018 ein gutes Stück vorangekommen. Auch in Lieberose finden die Baumaßnahmen in Kita und Grundschule langsam ein Ende. Auch für das Mehrgenerationenhaus FiZ in Lieberose haben wir verbesserte räumliche Bedingungen geschaffen. Auch in vielen Jugendclubs passiert etwas. Das zeigt, dass wir ein sehr aktives gesellschaftliches Leben haben, weil es durch sehr viel persönliches Engagement getragen wird. Ich muss auch sehr begrüßen, dass sich unsere Verkehrsanbindung verbessert hat mit dem PlusBus zwischen Lübben und Burg oder neuen Buslinien zwischen Goyatz und Burg.

Was wird 2019 wichtig?

Beim Umbau der Kita Neu Zauche wird es Ergebnisse geben, der Außenbereich der Straupitzer Schule wird umgestaltet, die Digitalisierung der Goyatzer Schule wird vorangetrieben. Und langweilig wird es schon durch die Tatsache nicht, dass wir Kommunalwahlen haben. Und auch die Landtagswahlen sind wichtig für den ländlichen Bereich.