Nitratwerte: Landwirte in Oder-Spree fordern klare Richtlinien
Seit dem 1. Februar darf wieder gedüngt werden. Wie viel, das richtet sich nach der Kulturart und dem jeweiligen Ertragsziel. „Dafür erstellen die Landwirte einen Düngebedarfsplan, so wie es die neue Düngeverordnung von 2017 vorschreibt“, so Lorenz, der an der Humboldt-Universität zu Berlin Pflanzenproduktion studiert hat.
Erhöhter Arbeitsaufwand
Zur Berechnung aktueller Düngemenge werden neben den letzten drei Ertragsjahren auch die Grenzwerte für die jeweilige Kulturart wie Gerste oder Mais sowie der verfügbare Stickstoff im Boden berücksichtigt. „Daraus ergibt sich der sogenannte Stickstoffbedarfswert“, erklärt der Fachmann. Es gebe zwar eine Software vom Land, der Aufwand sei dennoch erheblich: „Von jedem Schlag sind Bodenproben zu nehmen, die Untersuchung kostet um die zwei Euro je Probe.“
Das Düngen ist zur Wissenschaft avanciert. Der Arbeitsaufwand hat sich erhöht; die Zeiten zum Ausbringen sind reduziert und die Obergrenzen für Mengen nach den jeweiligen Kulturen festgelegt worden. Auch das Düngen nach der Ernte der Hauptfrucht sei jetzt kaum mehr möglich. Genauso sei die Vorratsdüngung weggefallen und ab 1. Oktober darf kein Dünger mehr ausgebracht werden. Davor galt der 1. November.
Dass sei zwar alles unbefriedigend, aber nicht das Hauptärgernis. „Die Bauern kritisieren, dass sich die Vorgaben ständig ändern. Wir wollen, dass klare Richtlinien für die Zukunft festgelegt werden, die für mehr Planungssicherheit sorgen“, betont Lorenz. Und dann der Imageschaden, der aus der Nitratgeschichte herrühre und auf der alten Düngeverordnung basiere: „Für den Nitratbericht an die Europäische Kommission meldete Deutschland als einziges Land nicht flächendeckende Messdaten, sondern nur Grundwassermessstellen aus dem Belastungsnetzwerk, die den Grenzwert von 50 Milligramm je Liter überschritten.“ So kam es zur Klage (läuft noch) gegen Deutschland.
In Brandenburg seien auf Druck der Bauern Messstellen untersucht worden, die zur Ausweisung „roter Gebiete“ führten. „Das Ergebnis vom August 2019 besagt, dass die Nitrateinträge nicht aus der Bewirtschaftung der letzten fünf Jahren stammen“, so Karsten Lorenz. Wo das Nitrat aber herkomme, sei nicht geklärt worden. „Obwohl im Landkreis Oder-Spree als auch in Brandenburg Nitratbelastungen kaum eine Rolle spielen, mussten auch hier ‚rote Gebiete’ ausgewiesen werden“, betont der 52-Jährige.
Mit Technik dosieren
Dabei haben sich nicht nur die Ausbringmengen an Dünger verringert, auch die Art wurde angepasst: „Es wird nicht mehr über Breitverteiler verregnet, sondern mittels Schleppschuh oder -schlauch bodennah aufgebracht, damit die Stickstoffverluste minimiert werden und die -effizienz steigt, denn Stickstoff ist ein wertvoller Dünger“, so Lorenz. Die Änderungen bei der Ausbringung und Technik bewirkten auch, dass es heute weniger nach Ammoniak „riecht“ als früher. Eine andere Möglichkeit sei die Injektion, die den Dünger direkt in den Boden presst – ein sehr aufwendiges und schwieriges Verfahren: „Dennoch werden die Bauern in ‚Geiselhaft‘ genommen und dürfen nur wenig düngen.“


