An bewaldeten Bundesstraßen sind sie gerade immer mehr zu sehen: Die geparkten Autos von Pilzsammlern. Ein gutes Zeichen, denn von September bis Oktober ist Hochsaison und so sind mehr und mehr von ihnen auf der Suche nach Pilzen. Champignons, Steinpilze, Pfifferling – so vielfältig ihr Aussehen, so unterschiedlich kann sie jeder zubereiten. Doch welche Sorten sind gerade zu finden?
„Was sie finden, kann von Wald zu Wald unterschiedlich sein. Aktuell sind vor allem die gängigen Arten zu finden, also Steinpilze und Maronen. In den nächsten Tagen werden sicher auch die beliebten Pfifferlinge an einigen Stellen zu sehen sein“, verspricht Pilzsachverständiger Rainer Tietze auf Nachfrage.

Pilze wachsen fast überall

Speisepilze wie Röhrlinge und Täublinge sind ebenfalls im Wald zu finden. „Wenn es im September und Oktober so weiter geht, verspricht das ein erfolgreiches Pilzjahr zu werden, nachdem der Sommer durch die Trockenheit nicht so berauschend war. Gerade die Regenfälle sorgten für einen regelrechten Boom der Pilze“, so Tietze. Nährstoffarme Wälder mit Nadelstreu oder Moosbewuchs und eher lichte Laubwälder versprechen oft reiche Ernte. Auch außerhalb des Waldes auf Wiesen, Weiden und Grasplätzen sind viele Pilzarten heimisch wie Champignons oder Riesenschirmpilze.
Grundsätzlich ist man aber vor Überraschungen nicht sicher. Die besten Stellen sollten sich die Sammler merken, denn viele Pilzarten sind standorttreu.

Verraten Pilzsammler ihre besten Stellen im Wald?

Und verraten Pilzsammler die Orte, an denen sie Pilze finden? „Pilzstellen verrät man nicht“, schreibt Peter Gerber in einem Kommentar auf Facebook. „Richtig“, pflichtet ihm Barbara Babsy Viola bei. Etwas freizügiger mit Informationen geht dagegen Marlene Seidel aus Bomsdorf (Neuzelle) mit Informationen zu Pilzstellen um. Sie schickte gleich noch ein Foto von einem prachtvollen Steinpilz im Wald in Bomsdorf. Andere Pilzfreunde haben dagegen noch kein Glück gehabt. „Welche finden, wäre ja schon mal gut“, schreibt Yves Riedel in seinem Kommentar. „Bei uns ist alles voll“, reagiert User Morka Dererste.

Viele Faktoren entscheiden, wie schnell ein Pilz wächst

Es lässt sich aber nicht einfach bestimmen, wie schnell ein Pilz im Wald oder auf der Wiese wächst. „Vieles hängt sehr vom Standort und von den Witterungsverhältnissen ab“, so Reiner Tietze. „Wenn es ideale, feuchtwarme Bedingungen gibt, geht das ziemlich rasch, dann kann es sein, dass innerhalb einer Woche Pilze zu sehen sind.“ Es lohnt sich also, nach Regentagen im regelmäßigen Rhythmus die schon bekannten Fundorte anzusteuern.
Stefan Freigang aus Cottbus hat Steinpilze in seinem Korb. Die hat er in der Lieberoser Heide gefunden.
Stefan Freigang aus Cottbus hat Steinpilze in seinem Korb. Die hat er in der Lieberoser Heide gefunden.
© Foto: Stefan Freigang

Wer sich nicht sicher ist, lässt die Pilze einfach stehen

Jedoch sollte jeder, der Pilze suchen geht, auch genau wissen, welche Pilze verträglich sind und welche nicht. Reiner Tietze hat dafür einen ganz einfachen Trick: „Wer sich nicht sicher ist, lässt sie einfach stehen und wenn jemand sie trotzdem einsammelt, sollte er sich vor dem Essen beraten lassen. Dafür sind wir Pilzsachverständigen auch da. Es gibt leider immer wieder Leute, die erst nach dem Verzehr anrufen und fragen.“

Finger weg von schimmligen Pilzen

Ebenfalls sollten Pilzsammler gar nicht erst versuchen, schimmlige Stellen an Pilzen auszuschneiden. „Die sogenannten falschen Pilzvergiftungen werden durch Schimmelpilze auf eigentlich essbaren Pilzen ausgelöst“, so der Pilzsachverständige. „Am besten ist es, solche angefaulten Pilze gar nicht erst anzufassen, sondern einfach stehenzulassen.“

Landesverband der Pilzsachverständigen sucht Nachwuchs

Seit Jahren beklagt der Landesverband der Pilzsachverständigen einen Nachwuchsmangel. „Wenn sich dafür jemand interessiert, dann soll sich der oder diejenige bei einem Mitglied des Vereins melden und ein paar Pilzwanderungen mitmachen und sich dort die Sachkenntnis Stück für Stück aneignen. Es ist einfach Vorort die Pilze zu bestimmen und es macht auch Spaß, wenn man dafür Interesse und Zeit hat.“ Informationen und Kontaktdaten finden Sie auf der Internetseite des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen e.V. (BLP).

Pilzsachverständige im Landkreis Oder Spree und nächste Pilzausstellungen

Im Landkreis Oder Spree ist die Pfarrerin Dörte Wernick als Pilzsachverständige tätig. Bei Nachfragen ist sie unter der Telefonnummer 035478-178338 erreichbar.
Die nächsten Pilzausstellungen des Landesverbandes der Pilzsachverständigen finden am 16. Oktober beim Herbstfest im Volkspark Potsdam von 12 bis 17.30 Uhr und am 22. Oktober im Naturkundemuseum Potsdam von 10 bis 16 Uhr statt. Eine Anmeldung ist vorher nicht notwendig.