Roggenernte: Mit dem Mähdrescher unterwegs zwischen Pfaffendorf und Wilmersdorf
Gut gelaunt öffnet Wulff die Tür zur Fahrerkabine, bittet mich herein. Zuvor gilt es jedoch, die schmale, etwas wacklige „Stiege“ zu erklimmen, um auf dem Beifahrersitz in 2,50 Meter Höhe über dem Boden Platz zu nehmen. Tür zu! Der 37–jährige Geschäftsführer, der gelernter Landmaschinenmechaniker ist und 2016 in Pfaffendorf Produktionsleiter wurde, startet die Maschine. Radiomusik erklingt, im Cockpit ist es leise, wohlklimatisiert und die Aussicht aus der Höhe grandios, sofern der Scheibenwischer den Staub vom Sicherheitsglas wischt. Sonnenbebrillt steuert Alexander Wulff den Mähdrescher übers Brotroggenfeld: „Die Sonne blendet und wenn man die ganze Zeit auf das rotierende Schneidwerk schaut, strengt das die Augen an.“ Ein Rotmilan zieht seine Kreise und spät nach Beute. Mein „Chauffeur“ bleibt konzentriert, achtet auf Steine, die im Weg liegen und Rehe, die sich im Feld verborgen haben könnten. „Wir sprechen mit dem Jäger ab, wann wir mähen. Der geht dann sehr früh dorthin und treibt das Wild aus dem Feld“, so Wulff. Es sei ihm wichtig, mit den Menschen zu reden, auch um ihnen einen Bezug zur Landwirtschaft zu vermitteln.
Lenkautomatik mittels magischem Auge für die Fahrtrichtung, Joystick für alle wichtigen Komponenten wie Geschwindigkeit und Regulierung des Schneidwerks, Touchscreen–Computer zum Regeln des Dreschkorbabstands, der Motorauslastung, Drehzahl und des Reinigungsgebläses — also einsteigen, programmieren, starten, zurücklehnen und ein Buch lesen? „Ich bin kein Freund des autarken Fahrens“, erklärt der Chef. Es könne immer etwas sein, wo es schnell zu reagieren gilt: „Ein herumliegender Stein, der das Schneidwerk beschädigen könnte, ist auf keiner Karte eingezeichnet.“ Genauso wenig wie ein parkendes Auto, ein Rehkitz oder spielende Kinder.
Die Zeit vergeht wie im Flug. Nach etwa zweieinhalb Stunden sind 26 Hektar gemäht und gedroschen. Ein Blick auf den Monitor: Feuchtigkeit des Roggens 14,2 Prozent, Ertrag 5,5 Tonnen je Hektar, eine Momentaufnahme. Für mich heißt es aussteigen. Umgeben von einer braunen Sand– und Staubwolke steuern die Fahrer die Maschinen aufs nächste Feld.





