Sanierung: Beeskower Stadtmauer bekommt ein Klassenzimmer
Aktuell wird wieder daran gearbeitet, die Mauer für die Zukunft zu sichern. An der Südseite, vom Dicken Turm in Richtung Krankenhaus, wird die Mauerkrone begradigt, mit einer so genannten Ziegelrollschicht und anschließend einer Bleiabdeckung versehen. Mindestens zwei Millimeter stark ist das Metallblech, das fest mit den Steinen darunter verbunden wird. Dies, so die städtische Sanierungsbeauftragte Kerstin Müller, habe sich bereits an anderen Mauerabschnitten als dauerhafteste Schutzlösung erwiesen.
In die Türme soll Leben einziehen
Ähnliche Abdeckungsarbeiten sind auch auf der Nordseite der Mauer, im Bereich östlich des Mäuseturms geplant. In der Mauerstraße wurden deshalb bereits vor Wochen die Efeuranken entfernt, da dies aus Naturschutzgründen in der Vegetationsperiode nicht erlaubt ist.
Neue Ideen gibt es auch für eine künftige Nutzung der Türme und Anbauten. Das wird seit Jahren gefordert, um die Aufmerksamkeit der Beeskower und Touristen stärker auf den historischen Schatz zu lenken. Die Pläne für die Nutzung einiger Türme sollen noch im April dem Beeskower Hauptausschuss vorgestellt werden.
Bereits bekannt ist, was aus der früheren Trafostation neben dem Storchenturm werden soll. Die E.dis hat dort bereits alle Einbauten entfernt. Künftiger Hauptnutzer wird die Grundschule an der Stadtmauer, die dort ein zusätzliches „Klassenzimmer in der Stadtmauer“ erhält. Wie das baulich genau aussehen kann, wird derzeit diskutiert.
Bei der zuständigen Denkmalbehörde hat die Stadt beispielsweise den Einbau einer Tür zum Wallbereich hin beantragt. Eine solche Öffnung gab es bereits einmal, wie man an der Mauer sieht. Dann wäre auch eine gastronomische Nutzung, vielleicht ein kleines Café mit Freisitz möglich.
Die Nutzung der Stadtmauertürme war über Jahrhunderte eine Selbstverständlichkeit. Bei einigen zeugen die Namen noch heute davon. Im Mäuseturm wurde Korn gelagert, Im Darrturm haben die Beeskower Bürger mit Braurecht wahrscheinlich Malz getrocknet. Der Turm diente als Eiskeller und Jugendclub, heute ist dort eine Tischlerei eingelagert. Der Pulverturm war früher ein Waffenlager, zuletzt eine Galerie. Zwischenzeitlich wurde dort auch Freibankfleisch ausgegeben. Ob die Freibank einst tatsächlich vom Gebäude neben dem Storchenturm zum Darrturm umzog, können ja vielleicht die Schüler in ihrem Mauer–Klassenzimmer erkunden.
Die Umsetzung der neuen Pläne wird voraussichtlich im kommenden Jahr erfolgen. Vorausgesetzt, die Finanzierung über Städtebaufördermittel gelingt. „Die Chancen“, so Kerstin Müller, „stehen ganz gut“. Für den städtischen Haushalt allein dürfte das Projekt zu teuer sein. Und dass die Stadt, wie in den Jahren 1321 und 1621 noch einmal das Recht erhält, selbst Münzen zu prägen, um Schulden zu tilgen, darf bezweifelt werden. Auch die Beeskower Münzgeschichte hat mit der Stadtmauer zu tun. Noch heute diskutieren die Experten, ob der Münzturm groß genug war, um dort eine Prägewerkstatt einzurichten. Vielleicht wurden in dem Turm auch nur die Münzwerkzeuge aufbewahrt.


