Schloss Lindenberg: Erster mittelalterlicher Frühlingsmarkt –das wird geboten

Auf dem mittelalterlichen Frühlingsmarkt im Gutspark am Schloss Lindenberg schlüpfen Menschen in Rollen. Die Ritter vom Bullengraben messen zum Beispiel ihre Kräfte.
Ruth Buder- Der erste mittelalterliche Frühlingsmarkt am Schloss Lindenberg bietet eine Zeitreise.
- Ritter messen ihre Kräfte, Fakirshow mit Feuer und Riesenschlange.
- Kunst, Handwerk und Bogenschießen locken Besucher.
- Organisator Uwe Henneberg lobt den Schlosspark, wünscht sich mehr Action.
- Markt öffnet am Sonntag, ob Wiederholung nächstes Jahr unsicher.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Graue und lila Nebel steigen auf über der Wiese am Lindenberger Schlosspark. Das Fakirpaar BRAXAS A macht sich bereit für seinen atemberaubenden Auftritt – er schluckt und speit Feuer, sie tanzt temperamentvoll in weitem Gewand zu rhythmischer Musik - bis er die Riesenschlange holt und ihr diese behutsam um die Schulter legt. Die kleinen und großen Gäste schauen gebannt zu – dann schreitet sie in leichten Schritten zu den Besuchern. Wer möchte, kann die Boa streicheln. Fast alle sind mutig, fast alle fotografieren.
Daneben stehen schon die Ritter vom Bullengraben in ihren schweren Rüstungen und machen sich nahe des Schlossteiches bereit für den Kampf mit Schild und Schwert – so wie echte Männer im Mittelalter aufeinander losgingen. Kurz zuvor hat die lang nasige Hexe Tabuba im giftgrünen Outfit den Kindern Märchen erzählt.

Fakirshow im Gutspark am Schloss Lindenberg – die meisten Besucher haben keine Angst vor der Riesenschlange.
Ruth BuderEs ist mittelalterlicher Frühlingsmarkt in Lindenberg (Amt Tauche). „Es ist zwar der erste“, sagt Organisator Uwe Henneberg, „aber es ist nicht meine erste Veranstaltung im Schlosspark, es gab zum Beispiel schon mal ein Bogenschieß-Turnier. Es ist einfach ein wunderschöner Ort.“ Die Idee mit dem mittelalterlichen Frühlingsmarkt hatte er „schon lange in der Pipeline“.
Kunst, Handwerk und Bogenschießen
Die Menschen kommen am Sonnabend zwar nicht in Scharen, aber sie kommen. Schauen an den Ständen mit Kunst und Handwerk, probieren sich im Bogenschießen, im Filzen, Stricken, Spinnen oder Runenschreiben. Uwe Henneberg kennt alle Akteure hier, der Werderaner ist bekannt vom Wollmarkt in Beeskow und als Schäfer. Auch hier in Lindenberg kommen seine Tiere „unters Messer“. Bei Ina von Bargen-Liebscher aus Calau kann man sich ansehen, wie die fluffige Wolle gesponnen wird. Arved Mendoza aus Spremberg nimmt gleich einen kleinen Kurs bei ihr. Der junge Mann interessiert sich sehr für altes Handwerk und taucht gern einmal in mittelalterlichem Flair ein.
Ivo, der Mann mit den rückenlangen Haaren, der früher bei der Berliner Müllabfuhr gearbeitet hat, outet sich als Kenner und Verehrer der Druiden, sieht sie wie die Kelten, Slaven oder Germanen als unsere Vorfahren. „Ich bin dem naturverbundenen Lebensstil der Druiden sehr verbunden und möchte diesen weiter vermitteln“, sagt er und zeigt auf das Symbol an seiner Kopfbedeckung: ein gleichschenkliges Kreuz in einem Kreis.

Druide Ivo liebt das naturverbundene Leben seiner Vorfahren, hier beobachtet er einen kleinen Spinnkurs mit Ina von Bargen-Liebscher und Arvend Mendoza (v.l.n.r.)
Ruth BuderDie meisten Akteure gehen im Alltag einer ganz normalen Arbeit nach, schlüpfen aber auf Mittelaltermärkten in eine ganz andere Rolle und frönen ihren Leidenschaften. Wie zum Beispiel Raina aus Potsdam, die Runenschrift lehrt und aus der Hand liest. „Raina ist mein Marktname. Meinen richtigen möchte ich nicht sagen.“
Viele Angebote zum Mitmachen
Man kann alles Mögliche kaufen, auch Rapunzelzöpfe in vielen bunten Farben, Getöpfertes, Silberschmuck, Tee oder Gestricktes. Und man kann mitmachen. Zum Beispiel beim Bogenschießen. Zum ersten Mal hält Dieter Wassielewski aus Fürstenwalde in seinem 74-jährigen Leben Pfeil und Bogen in der Hand und lässt sich von Frank Gehrmann erklären, wie man am besten das Ziel trifft. Mit dem Ergebnis ist der Fürstenwalder nicht ganz zufrieden, aber immerhin, er hat es probiert. Dazu spielt Laia ihre Talharpa, eine Art Harfe mit drei bis vier Saiten, ein Instrument, das besonders in Schweden und Estland bekannt ist.
Immer wieder bleiben die Besucher auch bei Jutta und Karl-Heinz Dudenz aus Lübbenau stehen. Sie zeigen, wie mit einer per Hand angetriebenen Schirmhaspel ein Wollstrang schnell zu einem Knäuel gewickelt werden kann. Eine Technik, die schon zwei Jahrhunderte alt ist, aber noch nicht ausgedient hat. Übers Internet kann man ein solches Gerät auch heute kaufen.

Jutta und Karl-Heinz Dudenz aus dem Spreewald zeigen, wie eine Schirmhaspel funktioniert.
Ruth BuderViele Besucher amüsieren sich, anerkennen das Engagement von Uwe Henneberg in Lindenberg, andere wiederum fanden es etwas trostlos. „Zu wenig Action“, wertete ein Mann auf dem Weg zum Ausgang.
Uwe Henneberg räumt ein, dass auf dem weitläufigen Gelände die Besucherzahl etwas dünn wirke, obwohl der Parkplatz voll sei. „Auf den viel kleineren Burghöfen in Beeskow oder Friedland würde sich ein anderes Bild bieten.“
Mittelaltermarkt kommt ohne Remmidemmi aus
Wer auf einen Mittelaltermarkt gehe, erwarte in der Regel kein Remmidemmi. Hier folge ein Programmpunkt nach dem anderen, es gebe auch nicht die ganze Zeit laute Musik. „Hier ist alles etwas ruhiger“, sagt Henneberg. Er wünscht sich, dass auch am Sonntag (30. März) Besucher kommen. Ob es im nächsten Jahr in Lindenberg wieder einen mittelalterlichen Frühlingsmarkt geben wird, kann er noch nicht sagen. Schließlich sei der Lindenberger Schlosspark auch logistisch eine Herausforderung, es fehle Strom. „Hier gibt es nicht an jeder Ecke eine Steckdose“, so der Organisator.
Auf alle Fälle bedankt sich Henneberg bei allen Unterstützern, darunter auch die Gemeinde, die Feuerwehr, Unternehmen, die Burg Beeskow und andere mehr.


