Schulenburg: Fragmente einer Herrschaft zu entdecken
Musikalisch eingestimmt wurden die Gäste am Sonnabend im großen Saal der Darre von dem Lübbener Duo Rainer&Janine, das für seinen gefühlvollen Gesang und sein Gitarrenspiel viel Applaus erhielt. In die Thematik führte der Journalist und Publizist Jürgen Heinrich aus Cottbus ein. Als Herausgeber der Niederlausitzer Jahrbuchs 2019 kennt er sich bestens aus in der Geschichte des Adelsgeschlechts, das zu den bedeutendsten Standesherrschaften in der Niederlausitz und ganz Brandenburg gehörten.
„Wenn sie nicht die eigenen Güter bewirtschafteten, dann waren sie vor allem Militärs“, sagte Heinrich. Auch heute nähmen von Schulenburgs angesehene Plätze in Wirtschaft, Politik und Kultur ein. Allerdings teile sich das Adelsgeschlecht in eine weiße und eine schwarze Linie. Der „schwarze Ast“ befand sich allein in Lieberose, die größte Fraktion habe seine Wurzeln in Mitteldeutschland, Niedersachsen und Bayern. Von der Familie, sie leben heute in der Schweiz, in Bayern und Franken, waren keine Nachfahren bei der Feier zugegen, sie übermittelten jedoch Grußworte.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich das Lieberoser Renaissanceschloss im Besitz der Schulenburgs. Der alte Graf, Otto von der Schulenburg, starb noch vor dem Einmarsch der Roten Armee am 8. Januar 1945. „Sein Sohn Albrecht wurde unter denkbar schlechtesten Verhältnissen letzter Standesherr“, erinnerte Jürgen Heinrich. Sein Besitz wurde enteignet, aber da er nur vier Töchter hatte, sei ihm die Sorge um die Herrschaftsnachfolge durch die politischen Verhältnisse genommen worden. Albrecht habe zwar „nur Mädchen“, aber dennoch Kinder gehabt, was etlichen seiner Standesmitglieder versagt blieb. „Die Herren blieben kinderlos, weil sie sich in jungen Jahren mit den Damen im Heuschober vergnügten, wobei sie sich die französische Krankheit zuzogen“, erzählte Heinrich auch Randgeschichten.
Der „Schwarze Ast“ der Familie
Viel Lob konnte Dieter Klaue, Vorsitzender des Fördervereins einstecken, da er mit viel Engagement und schlaflosen Nächten die Ausstellung organisiert hat — auch dank zahlreicher Unterstützer. „Die von Schulenburgs waren zwar nicht 500 Jahre in Lieberose, aber auch heute sind ihre Spuren bei uns sichtbar.“
Das Wertvollste, was die Ausstellung zeigt, ist das Schnitzrelief „Die heiligen drei Könige“, das vom Altar der von den Schulenburgs errichteten und im Krieg zerstörten Stadtkirche stammt. Normalerweise ist es unter Verschluss und nun, wie andere Fragmente aus der Kirche, unter Glas zu sehen. Gezeigt werden auch Gemälde, die Schloss und Kirche in altem Prunk zeigen, viele Dokumente, Kaufverträge, der Stammbaum der Schulenburgs und sogar Fragmente einer Fliegerbombe, die am 22. April 1945 in Lieberose eingeschlagen ist. „Wenn es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hätte, welche Pracht hätten wir heute in Lieberose zu bewundern“, so Organisator Dieter Klaue.

