Schuljubiläum: Mime erzählt von Schulzeit

Michael Becker – selbst ehemaliger Schüler an der heutigen Comenius-Grundschule in Lieberose – spricht mit Fünftklässlern über seine Schulzeit und den Weg zur Schauspielerei.
Katrin KunipatzIn seinen Garten hat Michael Becker die Fünftklässler der Lieberoser Comenius Grundschule eingeladen. Die Mädchen und Jungen sind gut vorbereitet. Auf kleine Zetteln haben sie sich Fragen notiert, die sie dem ehemaligen Schauspieler stellen wollen. Dabei geht es um seinen Beruf und seine Zeit an der Lieberoser Schule.
„Vor 62 Jahren bin ich eingeschult worden“, sagt Michael Becker. Damals trug die Schule den Namen Alexander Puschkins, eines russischen Dichters, der mit Goethe vergleichbar sei, erklärt der 68-Jährige. Als Schüler habe er sich vor allem für Deutsch, Geschichte, Geografie und Russisch interessiert und war darin richtig gut, berichtet Becker. Zum Beweis spricht er mehrere Sätze auf Russisch, bis die Kinder leise lachen. „Ich habe nur Bahnhof verstanden“, gesteht einer der Jungen. Nur Schulleiterin Adelheid Schauer antwortet – ebenfalls auf Russisch.
Lehrerin erkennt Talent
Gegenüber den interessiert lauschenden Kindern gibt Michael Becker zu, dass er in seiner Schulzeit ziemlich albern war und sich als Klassenclown aufführte. „In meinem Hausaufgabenheft stand oft: Michael stört den Unterricht wegen dauernden Schwatzens“, gesteht er. Dieses Talent sollte ihn schließlich zum Theater bringen. Trotzdem lernte er nach dem Abitur Facharbeiter für Rinderzucht, weil er eigentlich Tierarzt werden wollte.
Seine Eltern waren einfache Leute, der Vater Dachdecker, die Mutter Krankenschwester und auf dem Hof der Oma gab es Schweine, Hühner und Kaninchen. Letztlich sei es die Idee einer Lehrerin gewesen, Michael Becker für das Schauspielstudium in Leipzig und später in Dresden vorzuschlagen. Nach Stationen in Sachsen kam er schließlich ans Staatstheater nach Cottbus und blieb dort 33 Jahre, bis er mit 66 in den Ruhestand entlassen wurde.
Seitdem habe er Zeit, Bücher zu schreiben. Einige Anekdoten darin sind zum Teil autobiografisch. Den Fünftklässlern liest Becker schließlich eine Geschichte vor, die sich Mitte der 1930er Jahre auf dem Schulhof seiner und ihrer Schule ereignet hatte. Zwei kleine Mädchen mussten allein dort in jeder Pause allein stehen, niemand durfte mit ihnen reden, weil sie jüdisch waren. Später wurden die Familien Fuchs und Hirsch aus Lieberose vertrieben. Stolpersteine erinnern heute an sie. „Es waren Kinder in eurem Alter“, sagt Becker. „Ihr dürft nicht zulassen, dass so etwas wieder passiert.“
Zum Ende der Stunde waren alle Fragen beantwortet, die kleinen rosa Notizzettel in den feuchten Händen der Kinder völlig zerknittert. Dafür klebten jedem Schüler beim Verlassen des Gartens drei Buchstaben auf dem Shirt. Zu jedem Anfangsbuchstaben hatte Michael Becker ein Brecht-Zitat – mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken – zum Besten gegeben. Anika, Leonie, Ben, Greta und den anderen haben diese Brechtschnipsel gut gefallen, genau wie die Geschichte aus seinem Buch.
Max freut sich, das Michael Becker Zeit für die Schüler hatte. In der 6. Klasse würden sie gern noch mal bei ihm vorbei schauen. Denn das Projekt entstand unabhängig vom Schuljubiläum in diesem Jahr. Schulleiterin Adelheid Schauer erfuhr, dass Michael Becker Schüler in Lieberose war und nahm Kontakt mit ihm auf, damit die Kinder ihren Schulort und die Leute besser kennenlernen.
Schulfest für alle zum 110. Geburtstag
Spaß und Spiel für alle Kinder verspricht die Lieberoser Schulleiterin Adelheid Schauer für den 110. Schulgeburtstag, der seit einem Jahr vorbereitet wird. Genau am 26. September 1909 war das Haus eingeweiht worden. Gefeiert wird aber schon heute ab 15 Uhr auf dem Hof der Comenius Grundschule Lieberose. Eingeladen sind ehemalige Schüler, Kollegen, die heutigen Schüler und deren Eltern sowie alle, die es interessiert. Vorbereitet sei ein Programm, das die Schüler einstudiert haben. In kleinen Szenen zeigen sie, wie Schule früher war. Musik kommt von der Schülerband der Goyatzer Oberschule. In einer Ausstellung wird die Schulgeschichte dargestellt.⇥kun