Direkt nach der kurzen Ansprache von Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig geht es los. Lutz Werner, bekannt als Gästeführer und aus dem Historischen Beirat der Stadt, nimmt stilecht mit Hut als „Kutscher“ auf dem Sattel Platz, hinter ihm machen es sich Ingrid Trost und Hans Inderfurth auf der Zweier-Sitzbank bequem. Die erste Probefahrt mit der neuen Storkower Radkutsche – einmal quer über den Marktplatz – kann losgehen. Das Interesse an der Präsentation des Fahrzeuges ist groß am Freitagvormittag, für Lutz Werner folgen zahlreiche weitere Runden über den Markt, und manche Gäste haben bereits konkrete Pläne.

Ausflug mit anschließendem Kaffeekränzchen möglich

„Ich könnte mir damit eine richtig schöne Rundfahrt vorstellen“, sagt Inderfurth. „Über den Radweg nach Wendisch Rietz, dort im Fischland ein Fischbrötchen verzehren und dann über Dahmsdorf zurück, also einmal rund um den Storkower See“, träumt er von einem großen Ausflug mit dem Fahrzeug im Stile einer Rikscha, das mit einem Elektromotor versehen ist. Trost, aktiv im Seniorenbeirat in Kehrigk, berichtet, zahlreiche Menschen aus ihrem Dorf hätten bereits im Frühjahr Interesse an einem Ausflug nach Storkow samt Kaffeetrinken bekundet. Ihre Kollegin aus Kummersdorf, Gisela Zeige, will die Kutsche nächstes Jahr zum Dorffest in den Ortsteil holen.

Finanziert vom Verein Gesundheit Berlin-Brandenburg

Die Radkutsche ist nicht völlig neu, vorgestellt wurde sie erstmals bereits im vergangenen Jahr bei der Seniorenweihnachtsfeier – doch nun wird sie auch in Dienst gestellt. Das Fahrzeug vom Typ „Musketier“ gehört dem Seniorenbeirat. Finanziert wurde es aus verschiedenen Töpfen. Der Löwenanteil von 5000 Euro kam über ein Förderprogramm vomVerein Gesundheit Berlin-Brandenburg, 2000 Euro gab es von der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Oder-Spree. Bei zwei Benefizkonzerten von Stadt und Bundeswehr, bei denen das Heeresmusikkorps Neubrandenburg aufspielte, kamen 1900 Euro zusammen. 1300 Euro schließlich brachte der Seniorenbeirat aus Eigenmitteln auf.

Angebot an Senioren, die nicht mehr Fahrradfahren können

Auch dessen Vorsitzende, Hannelore Postel, berichtet am Freitag von großem Interesse. „Ich habe zum Beispiel schon Anfragen wegen Fahrten zum Kaffeetrinken nach Bad Saarow oder um sich einfach mal die Umgebung anzusehen“, sagt sie. Das Angebot richte sich an die vielen Senioren in der Stadt, die selber nicht mehr Fahrrad fahren können, aber gerne noch Ausflüge unternehmen. Noch Steigern könnte sich das Interesse, wenn, wie von Schulze-Ludwig angekündigt, weitere Präsentationen der Radkutsche folgen, zum Beispiel in den Ortsteilen. Verzögert habe sich der Start des Angebotes wegen der Pandemie. Nun kommt schon bald die kalte Jahreszeit.

Start für 2021 vorgesehen

Doch 2021 solle es endlich richtig losgehen, so die Bürgermeisterin. Was noch nicht endgültig feststeht, sind die Rahmenbedingungen für die Radkutsche. Die Tarife für die Fahrten, die in der Regel wie am Freitag mit Lutz Werner stattfinden sollen, sind noch offen. Gebucht werden soll das Fahrzeug über die Tourist-Info auf der Burg.
Lob für das Engagement der Beteiligten gibt es bei der Präsentation unterdessen vom Landtagsabgeordneten Ludwig Scheetz. „Ich bin immer wieder erstaunt über die Kreativität der Senioren und beeindruckt von ihren Ideen, gerade in Storkow“, sagt er. Nur ein Gast zeigt sich am Freitag eher unbeeindruckt: Dietlind Frommann, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Haus der Begegnung am Markt. Nein, sie habe kein Interesse an einer Rikscha-Rundfahrt, antwortet sie auf die entsprechende Frage. „Ich habe meine eigene Kutsche. Die bringt mich überall hin, wo ich hin muss“, ergänzt sie, zeigt auf ihren Rollator, schmunzelt und geht ihrer Wege.