Shopping: Beeskower Einzelhandel fürchtet zweite Corona-Welle
So hat Sabine Bauer-Rühle im Bekleidungsgeschäft Sari auch positive Erfahrungen gemacht. Durch Produktionsausfälle und Unterbrechungen der Lieferketten während der Lockdowns an verschiedenen Orten der Welt haben einige Firmen Lieferungen stornieren müssen. Gleichzeitig wurde weniger gekauft, weil im Frühjahr geschlossen war. Das habe sich nahezu ausgeglichen, so Bauer-Rühle.
„Viele Firmen sind sehr fair mit uns umgegangen“, betont sie. Und seit Beginn des Sommers werde wieder viel eingekauft, die Rabatte lasse Kunden noch schneller zugreifen. „Wir haben keine Sorgen im Moment.“ Es dürfe nur keine zweite Schließung kommen. Sie befürchtet, dass es womöglich keine staatlichen Hilfspakete mehr gebe.
Auch in der Turmboutique sind die Inhaberinnen Marita Weimann und Ute Müller zufrieden. Mit Lieferanten habe man gute Übereinkünfte gefunden, auch die Beeskower Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft als Vermieter sei ihnen entgegengekommen. „Seit der Öffnung haben die Kunden gleich wieder Lust zum Einkaufen gehabt“, sagt Weimann dankbar. „Viele treue Kunden sind wiedergekommen, um uns zu unterstützen. Wir haben viel Solidarität und Empathie gespürt.“
Und dass sich der Sommerschlussverkauf verschoben hat, findet sie sogar besser. Ebenso Bastian Gierke von Herrenmoden Krumnow: Früher habe man oft schon im Juli reduziert, sodass im heißen August kaum noch luftige T-Shirts vorrätig gewesen seien. Jetzt kommt Schlussverkauf wirklich am Ende des Sommers. „Das ist in unserem Interesse und sollte so bleiben“, meint Gierke, der mittlerweile positiv in die Zukunft blickt.
Kunden entdecken Läden vor Ort
Das Umsatz-Minus von März und April, auch durch ausgefallene Jugendweihen, bleibe zwar bestehen. Doch seit der Wiedereröffnung werde wider Erwarten viel gekauft. Sogar für Hochzeiten und feierliche Zeugnisausgaben. „Das lief besser als erwartet“, so Gierke. Dass außerdem etwa 20 Prozent der Herbst-Winter-Ware von Lieferanten storniert wurde, hat zusätzlich die Angst vor unaufholbaren Ausgaben gemindert. Falls nötig könne er nach Saisonstart noch nachbestellen.
Die Kunden mieden große Einkaufszentren und entdeckten die Geschäfte vor Ort. „So wie viele Urlaub in der Nähe machen“, sagt er. „Es wäre schön, wenn das nachwirken würde.“ Er sieht die Corona-Krise als gemeistert an: „Vorausgesetzt, es gibt keine zweite Welle.“
Die aber treibt auch Nadja Mocker vom Schuhaus Woick um: „Wir wissen nicht mehr, was morgen ist.“ Das Einkaufsverhalten habe sich auch durch die Maskenpflicht verändert: Zweckkäufe ersetzten Flanieren. Umso dankbarer ist aber auch sie der treuen Stammkundschaft: „Einige kommen bewusst, um die Händler vor Ort zu unterstützen und den Geschäften eine Chance zu geben.“



