Tafel in Beeskow
: Wenn das Geld nicht mal mehr für eine Bockwurst reicht

Die Tafel in Beeskow versorgt Bedürftige. Trotz voller Regale bleibt die Nachfrage wegen Tabus und fehlender Informationen hinter den Möglichkeiten zurück.
Von
Jens Olbrich
Beeskow
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Samer Zreit, Ingrid Bolte und Marita Schwarz kümmern sich neben vielen weiteren Helfern im Tafel-Laden der GefAS in Beeskow um Lebensmittel für Bedürftige.

Samer Zreit, Ingrid Bolte und Marita Schwarz kümmern sich neben vielen weiteren Helfern im Tafel-Laden der Gefas in Beeskow um Lebensmittel für Bedürftige.

Jens Olbrich
  • Tafel Beeskow versorgt Bedürftige, doch viele nutzen das Angebot aus Scham oder Unwissen nicht.
  • Rentner, Bürgergeld-Empfänger, Geringverdiener und Studenten können hier günstig einkaufen.
  • Lebensmittel werden durch Supermarktspenden und Edeka-Großlager in Freienbrink bezogen.
  • Tafeltag am 2. Oktober informiert über Lebensmittelverteilung und die Arbeit der Tafel.
  • Unterschriftenaktion für den Erhalt der Gefas-Stelle in Erkner läuft wegen drohendem Grundstücksverkauf.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Artikel, die Ursula zur Abrechnung an der Kasse im Laden der Tafel Beeskow legt, sind übersichtlich: Eine Süßkartoffel und zwei andere Kleinigkeiten. Mehr leistet sich die Rentnerin nicht. „Mein Mann hat gesagt, Süßkartoffeln sind in unserem Alter gesünder als normale Kartoffeln“, meint Ursula. Bei der Tafel geht sie einkaufen, seit sie vor der Rente in finanzielle Notlage geriet, seit Renteneintritt, weil sich mit ihrer geringen Rente nicht viel geändert hat.

„Wir waren kürzlich im Wald, in den Pilzen“, erzählt die Rentnerin. Ausgehungert wie sie waren, hätten sie sich an einem Kiosk jeweils eine Bockwurst gönnen wollen. „Da haben mir 50 Cent gefehlt“, erinnert sie sich bekümmert.

Die Verkäuferin habe die Notlage jedoch verstanden, ihnen die Bockwürste trotzdem gegeben. „Das ist so eine nette“, meint Ursula dankbar.

Rentnerinnen arbeiten ehrenamtlich für die Tafel

Angebotene Hilfe anzunehmen, um das Leben sichern zu können, ist für die Frau eine wunderbare Sache. „Das machen eigentlich noch viel zu wenig Leute. Es gibt welche, die genieren sich, die schämen sich“, meint Ursula. Ein Umstand, den Marita Schwarz schon oft beobachtet hat.

Vor 16 Jahren hat sie zusammen mit Irmgard Mogel begonnen, die Tafel Beeskow aufzubauen. Jetzt arbeiten beide, inzwischen Rentnerinnen, ehrenamtlich im Laden. Träger ist die Gefas mit Sitz in Erkner. Aktuell leitet Franziska Steigmann die Ausgabestelle.

„Also die Tafel ist ja gut, den Namen kennt man“, meint Marita Schwarz. „Aber wie wir arbeiten und was wir alles machen, weiß selten jemand.“ Sie sagt, dass viele in irgendeine Situation hineingeraten, wofür sie nicht wirklich etwas können. Bei der Tafel bekommen Rentner Hilfe, wenn, wie bei Ursula, die Rente nicht ausreicht. Auch Bürgergeld-Empfängern, Geringverdienern und selbst Studenten steht die Tafel offen. Viele wüssten allerdings nicht, dass sie die Möglichkeit haben. Neben der Tafel kümmert sich die Gefas auch um bedürftige Kinder.

Bedürftige dürfen preiswert bei der Tafel kaufen

Geprüft werde die Bedürftigkeit, ein wichtiger Nachweis sei neben dem Bezug staatlicher Leistungen auch eine Bescheinigung, dass das Einkommen monatlich einen bestimmten Betrag nicht überschreitet. „Die Bedürftigen werden dann bei uns registriert, bekommen ein weißes Kärtchen und dürfen dann ein Jahr lang hier im Laden einkaufen“, erklärt Marita Schwarz. Die täglich circa 80 bis 100 Kunden der Tafel Beeskow kommen ihr zufolge aus der Stadt selbst und einem 30 Kilometer Umkreis, auch aus den Dörfern.

Unscheinbar von außen und als Lebensmittelladen der Tafel kaum zu erkennen. Das Team und Marita Schwarz würden sich freuen, wenn mehr Bedürftige die Hilfe hier annehmen.

Unscheinbar von außen und als Lebensmittelladen der Tafel kaum zu erkennen. Das Team und Marita Schwarz würden sich freuen, wenn mehr Bedürftige die angebotene Hilfe annehmen, es sind genügend Lebensmittel vorrätig.

Jens Olbrich

Wenn man den Laden der Beeskower Tafel betritt, fühlt man sich beim ersten Umsehen, als komme man in einen gut sortierten Tante-Emma-Laden. So einen wie früher. Etwas versetzt zur Tür steht auf einem Schild an der alten Klinkerwand des Hauses nur zu lesen: „Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht – Ihr Wohlfahrtsverein vor Ort“.

Über den Vergleich zum Tante-Emma-Laden schmunzelt Marita Schwarz und meint: „Ich sage lieber, das ist mein KaDeWe.“ Es gibt ein Backwarenregal, frisches Obst und Gemüse, Tiefkühlkost und mehr. In einem Nebenraum werden auch Textilien angeboten. Der Unterschied zum normalen Lebensmittelmarkt sind nur die Preise. Äpfel und Bananen gehen zum Stückpreis von 10 Cent über den Ladentisch, auch die anderen Produkte sind deutlich preiswerter.

Die Tafel Beeskow präsentiert sich beim „Tafeltag“

Unterstützt wird die Tafel Beeskow von den Supermärkten wie etwa Rewe, Edeka und Lidl. Über die Lidl-Pfandspende erhielt der Laden eine Kühl- und eine Gefrierzelle, außerdem „fahren wir dreimal in der Woche nach Freienbrink ins Edeka Großlager, bekommen da wirklich sehr schöne Ware“, freut sich Marita Schwarz. Die durch die Gefas geführte Tafel in Beeskow selbst arbeite vereinsmäßig „plus minus null“. Die Einnahmen gingen in Strom, Wasser, Miete und Benzin für die Autos.

Traditionell auf den Samstag vor dem Erntedankfest findet der bundesweite Tafeltag in Deutschland statt, die Tafel Beeskow begeht ihn bereits am 2. Oktober, von 10 bis 12 Uhr. Der Aktionstag soll aufmerksam machen auf die gerechte Verteilung von Lebensmitteln, die Tafel und ihre Arbeit bekannter machen, sensibilisieren. Neben einer Tasse Kaffee, Kuchen, Bratenwurst und Kürbissuppe können sich die Gäste in Gesprächen informieren.

Unterschriftensammlung für den Erhalt der Tafel in Erkner

Zugleich könne die Gelegenheit genutzt werden, mit einer Unterschriftensammlung ein Zeichen für den Erhalt der Gefas-Stelle in Erkner zu setzen. Marita Schwarz erklärt, dass das Grundstück dort verkauft werden soll. „Wir finden nichts Neues, da sitzt unter anderem unsere Buchhaltung“, bedauert sie. Der Verlust der Hauptstelle wäre schwer zu verkraften.