Tiere in der Stadt: Beeskower wird zum Geburtstag überraschend Enten-Papa
Zweimal fünf Eier
Radke kennt sich aus mit Wassertieren. Seit Jahrzehnten ist er als Fischer auf den Gewässern in Oder-Spree unterwegs. Jetzt arbeitet er in einem Bootsverleih in Bad Saarow. Während der Corona-Schließungen war er praktisch arbeitslos und darum viel zu Hause. Hatte also glücklicherweise genügend Zeit, das Geschehen auf seinem Balkon zu verfolgen und fotografisch zu dokumentieren.
Beim dritten Besuch blieb die Ente endgültig auf Radkes Balkon. Aus den Nachbarkästen holte sie sich Erde, um ihr „Nest“ auszupolstern. Mitte April dann ging es los: „Vor dem 5. April legte sie die ersten fünf Eier, eine Woche später nochmal fünf“, berichtet Radke.
Mit ihrem Hausherrn schien sich die Ente für die Zeit des Brütens abgefunden zu haben. Wenn er Erdbeeren pflanzte, saß sie daneben. Manchmal knabberte sie an den frischen Pflanzen. Dann baute er für sie ectra noch einige Radieschen an. „Wenn ich sie ignoriert habe, blieb sie total ruhig. Nur wenn ich sie anschaute, wurde sie nervös“, so Radke, der dem Tier dann notfalls gut zuredete. „Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich mal mit einer Ente reden würde“, lacht er heute.
Geschlüpft und verschwunden
Anfang Mai veränderte sich die Stimmung der werdenden Mama. Aggressiv sei sie geworden, wenn er sich ihr näherte, erinnert sich Radke. Nachdem er selbst am 6. Mai seinen Geburtstag gefeiert hatte, begann im Behelfsnest das Schlüpfen. Bis zum Morgen des 7. Mai saßen die ersten Küken gemeinsam mit der Mutter im Blumenkasten. „Damit wurde ich über Nacht Enten-Papa“, sagt er stolz. Insgesamt schlüpften sechs Jungtiere, die nach seinem Geschmack mit der Mutter auch gern noch ein paar Tage länger bei ihm hätten bleiben können, bis sie wirklich flügge geworden wären.
Doch dann ging es noch am selben Tag plötzlich alles sehr schnell: Ein Küken war aus dem Kasten gefallen. Die Mutter flog hinterher. Das Junge hatte überlebt. Aber bevor sie zurückkehren konnte, sprangen die übrigen fünf Kinder dem Geschwisterchen und der Mutter hinterher. Gemeinsam machte sich die junge Familie auf den Weg. „Sie gingen in Richtung Spree“, hat Radke noch beobachten können.
Seitdem haben er und seine Freundin am Wasser auch immer wieder nach „ihrer“ Entenfamilie Ausschau gehalten, konnten sie aber nicht mehr finden. „Das war schade, dass sie nicht mehr da waren“, meint er. Dass er das ganze Brutverhalten hautnah miterleben konnte, fand er dann doch beeindruckend. Nun hofft er auf das gute Gedächtnis der Mutter: „Vielleicht kommt sie ja nächstes Jahr wieder?“
Radke ist von Natur aus Frühaufsteher. Seit der Corona-Krisenzeit hat er nun ein neues Hobby, das er auch anderen empfehlen kann: in der Früh Wildtiere im Stadtgebiet beobachten. Auch wenn sie nicht immer direkt bis ins Haus oder gar auf den Balkon kommen.


